A Wilhelm Scream

A Wilhelm Scream in Dortmund 2011

Zu einem Festival nach Belgien wurden sie eingeladen. Aber weil sich der Trip über den Teich dafür alleine nicht lohnt, haben A Wilhelm Scream einen Termin in Holland und zum Auftakt im Dortmunder FZW dazugebucht.

Und der sollte sich lohnen, für Band und Fans.

Zugabe auf Zuruf – A Wilhelm Scream + Insert Coin im FZW, Dortmund // 25.02.2011

Als Support eröffneten Insert Coin den Abend. Der durchweg melodische Punkrock der Recklinghäuser hat zwar bisher keine großen Wellen geschlagen. Aber sie haben sich eine kleine, aber treue Fanbase zusammengespielt – erkennbar an der recht großen Zahl an Mitsängern. Ein bisschen bitter fiel das Lob von AWS-Sänger Nuno aus: Insert Coin, zum ersten Mal gesehen und für großartig befunden. Das bittere daran: 2008 waren die Recklinghäuser wohl auch schon als Support dabei.

Der große Unterschied zwischen den beiden Bands damals wie heute: das, was man gemeinhin als Bühnenpräsenz bezeichnet. Drummer Nick, der mit seiner Kurzhaarfrisur und Hornbrille im Anzug statt im roten Basketballtrikot auch als Bankangestellter durchgehen würde, prügelt seine Bandkollegen mit wahnsinniger Spielfreude und Präzision vor sich her. Und die gehen ab wie Maschinen mit Rinderwahnsinn auf Koks.

Innerhalb von Sekunden knubbelt sich ein Pit vor der Bühne, die Leute werden auf die knapp hüfthohe Bühne gedrückt, die Monitorbox rutsch immer weiter in den Aktionsradius von Sänger Nuno. Immer wieder springen oder „klettern“ Stagediver von der Bühne – bis zwei plötzlich neben Nuno stehen und der Song zu Ende ist. Sein Kommentar: „You’ve failed!“ – verbunden mit dem Befehl, stehen zu bleiben. In der Pause bis zum nächsten Song wird Gitarrist Mike aufgezogen, weil er sich ständig mit einem Handtuch durch die Mähne schrubbelt. Trevor: „Er hat sich heute mal die Haare gewaschen!“, Nuno: „Sogar mit Conditioner“. Trevor: „Ihr müsstet ihn sonst mal sehen“. Während des dreiminütigen Dialogs stehen die beiden Fans verunsichert grinsend in der Bühnenmitte und werden dann nach dem Intro des folgenden Songs von Nuno zum Parallel-Stagedive dirigiert.

Es ist das erste Konzert von A Wilhelm Scream seit langem – und man merkt allen Bandmitgliedern sekündlich die Begeisterung an. Man nimmt es Sänger Nuno ab, wenn er sich bedankt bei den Fans, die das alles möglich machen, dass er einen der großartigsten Jobs haben, oder eher: leben kann. Wenn er sagt: „Ich muss mich auf den nächsten Song mental vorbereiten“, seine Flasche Bier hochhebt, fragt: „Wer hat ein volles Bier“, mit Freude auf einen hinten stehenden Besucher zeigt, der seinen randvollen Plastikbecher hochhält und dann zum Ex-Wettbewerb aufgefordert wird (den er übrigens gewinnt). Es gibt schlimmere Aufgaben als Wettsaufen mit den eigenen Fans.

Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Band wird aber vor allem am Ende deutlich: Wo andere ihre vorbereiten Zugaben spielen und verschwinden, kommen A Wilhelm Scream nochmal zurück, stehen auf der Bühne und müssen sich erst einmal beraten, was sie überhaupt noch spielen können. Ganz zum Abschluss wird es dann „Killing It“, auf Zuruf aus dem Publikum. Sowas macht mehr Spaß und hinterlässt auch viel mehr nachhaltige Erinnerungen als sonstige „Ihr seid das geilste Publikum“-Phrasengedresche.