Alkaline Trio in Köln

Alkaline Trio, Bayside, Apologies, I Have None in Köln

Was für ein Dreierpack: Die „neuen“ Apologies, I Have None mit neuem Gitarristen, Bayside bei einem ihrer raren Auftritte in Deutschland und da noch oben drauf: Alkaline Trio!

DIE SACHE MIT DER SETLIST

Alkaline Trio, Bayside, Apologies, I Have None im Bürgerhaus Stollwerck, Köln // 29.04.2014

Text: Henning Haake, Fotos: Jens Becker

Die einen konnten nicht anders, die anderen wollten es einem nicht recht machen und die ganz ganz anderen hatten die Riesen-Qual der Wahl. „Die Sache mit der Setlist“.starring Apologies, I Have None, Bayside & Alkaline Trio im Kölner Stollwerck.

Apologies, I Have None in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Apologies, I Have None in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Man sieht Apologies, I Have None an, dass es da vor nicht allzu langer Zeit einen herben Schlag gegen den Bug setzte, den es zu verdauen gilt. Seit Co-(aber eigentlich Haupt-) Sänger Dave Bond (aus Vatergründen?) ausgestiegen ist, lastet die Verantwortung des Bandkopfes auf Josh McKenzie allein. In Originalbesetzung immer für Blödeleien, ein schelmisches Grinsen und einen lockeren Spruch zu haben, merkt man, dass sich hier noch einer an die Rolle des Obermufti gewöhnen muss.

Und dann nimmt der Mischer der Band auch noch den charakteristischen, mehrstimmigen Gesang: Sowohl von Basser Pj Sheperd als auch (dem temporären?) Neu-Gitarrero Simon hört man keinen Piep. Die Setlist schreibt sich mit den Hits von „London“ sowie der just veröffentlichten EP „Black Everything“ quasi von selbst, wobei gerade die neuen Songs an diesem Abend besser funktionieren. Ein gefühlter Neustart. Das wird wieder!

Bayside in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Bayside in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Dass vor Bayside eine elektrisierte Vorfreude bei einer Vielzahl von Leuten herrscht, ist verständlich: Die Band schien bislang nicht so wirklich von der Idee einer Deutschland-Tour angetan zu sein, zeigte sich höchstens mal als Support-Band hier oder da. Aber das könnte sich ändern – denn das Stollwerck empfängt das New Yorker Quartett mit offenen Armen bzw. in die Luft gereckten Fäusten. Einige im Publikum scheinen Bayside bei den Lieblingsbands recht weit oben anzusiedeln, singen Zeile für Zeile mit. Während Real gerade den FCB zerlegt, zerlegen Bayside für kurze Zeit die Anlage, kriegen davon selber anscheinend nix mit und spielen einfach weiter.

Und immer mehr Stollwercker, die Bayside bislang nicht wirklich auf dem Schirm hatten, werden angefixt: Durch Anthony Raneris Gänsehaut-Stimme, das krasse Gitarren-Spiel von Tapping-Gott Jack O’Shea und die wundervolle Melancholie in den Songs der Band. Die wertvolle Spielzeit mit einem Weezer-Cover („My Name Is Jonas“) zu „vergeuden“ – ein Skandal: „Man hätte doch noch das spielen können.“ „Und wo war eigentlich Masterpiece?“ „Und kein einziger Song von Shudder!“ Das Setlist-Moppern bei der Kippe danach ist wirklich auf verdammt hohem Niveau.

Alkaline Trio in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Alkaline Trio in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Dreifach Kajal, dreimal Haaransatz auf der erfolgreichen Flucht, drei Akkorde gerne mal ein probates Mittel: Alkaline Trio in the house! Mit gewohnter Coolness betreten die Herren Skiba, Adriano und Grant zum Pomp-Intro die Bühne und gehen auf Nummer sicher: Mit „This Could Be Love“ hat man eine Konzerthalle von Beginn an auf seiner Seite, das folgende „Hell Yes“ freut alte Fans, „She Lied To The FBI“ vom letztjährigen „My Shame Is True“ kommt frisch aus dem Ramones-Schrein geklaut. Bei mittlerweile neun Studioalben ist es schwer, alle glücklich zu machen, aber jeder bekommt heute abend seine eigene Portion Alk3-Setlist weg: Alt-Satanisten („Sadie“), B-Seiten-Experten („Jaked On Green Beers“), Neulinge („I Wanna Be A Warhol“). „Only Here To Diappoint“? Tut der Chicago-Dreier absolut nicht, mit völlig ernster Miene muss das Stollwerck aufgefordert werden, das Klatschen bitte einzustellen. Mit großem Abwechslungsreichtum wurde man bei Alkaline Trio ja sowohl auf Platte als auch live noch nie sonderlich verwöhnt, aber wer sich den Viererpack „Stupid Kid“, „Warbrain“, „Private Eye“ und natürlich „Radio“ bis zum Schluss aufsparen kann, ohne Hänger in der Setlist zu haben – Respekt!