And So I Watch You From Afar in Köln 2013, Foto: Jens Becker

And So I Watch You From Afar in Köln 2013

Das Intro vom neuen Album „All Hail Bright Futures“ schallt von der leeren Bühne durchs volle Gebäude 9. Aus dem Off hinter dem Vorhang hört man einzelner Klatscher – scheinbar die bandinternen Hi-Fives, bevor es rausgeht.

Gebäude 9, Köln // 12.04.2015 – Support: Gallops

And So I Watch You From Afar in Köln 2013, Foto: Jens Becker

And So I Watch You From Afar in Köln 2013, Foto: Jens Becker

Drummer Chris Wee führt die Band ins Licht – seinen nackten Oberkörper ziert nur das tätowierte Bandlogo, das ihn auf dem großen Banner hinter dem Schlagzeug quasi umklammert. Die drei anderen ASIWYFAs stellen sich an ihre Mikros, die vor allem am Anfang zum Einsatz kommen: Alle gesungenen oder gesprochenen Parts ergeben zwar nicht genug Wörter, um daraus einen „vollwertigen“ Song-Text zu stricken, aber gerade die Songs vom neuen Album enthalten ja doch zwei, drei Sätze. Und die schreien die größtenteils männlichen Fans auch dankbar mit – endlich mal kurz mitsingen!

„We’re from Belfast, and Belfast is a million miles away“, sagt Gitarrist Rory Friers nach den ersten Songs und drückt seine Dankbarkeit aus, dass er und seine Jungs sich hier trotzdem zuhause fühlen. Es ist eigentlich nur eine abgedroschene Floskel – hier wirkt sie trotzdem aufrichtig, selbst wenn Rory sich dabei pathetisch mit der rechten Hand ans Herz fasst. Damit ist der Gesangs- und Gesprächsbedarf dann aber vorerst gedeckt.

And So I Watch You From Afar in Köln 2013, Foto: Jens Becker

And So I Watch You From Afar in Köln 2013, Foto: Jens Becker

Chris wütet hinter seinem Schlagzeug in der Logo-Umklammerung, Jonathan Adger am Bass und der zweite Gitarrist Tony Wright schlackern auf der Bühne wie bei einer Hochgeschwindigkeits-Busfahrt auf einer Rumpelstrecke. Und Rory Friers wechselt in Sekundenbruchteilen von der Starre einer Salzsäule mit extrem agilen Fingern über das leichtfüßige Tänzeln des jungen Diego Maradona zum wahnwitzigem Vollkörper-Tourette, während es immer wieder vorwärts und rückwärts durch die Alben der Ir(r)en geht. Temperatur und Bewegungsdrang sind direkt vor der Bühne zwar deutlich höher als hinten, aber auch in den letzten Reihen lässt das Geschehen niemanden kalt.

Zum abschließenden „The Voiceless“ klettern Rory und Tony klassisch in die dicht gedrängte Menge – und die Frage, wie gut dieser Abend war, beantworten wir jetzt auch ohne Worte.