ACHT STUNDEN ZEIT ZU WENIG

 

(+44) spielen ohne Travis Barker in der Live Music Hall, Köln // 20. Januar 2007

 

Da guckten die Leute komisch, ein Raunen ging durch die ausverkaufte Live Music Hall: (+44) betraten die Bühne, aber der Mann hinter dem Schlagzeug hatte so gar keine Ähnlichkeit mit Travis Barker. Wenigstens erkannten die Leute Mark Hoppus sofort und der legte dann auch direkt mit „Lycanthrope“ los. Anschließend kam auch die Erklärung: Nachdem Travis Barker die US-Tour nach seinem Ermüdungsbruch schon einarmig gespielt hatte, wurden die Schmerzen unerträglich. Am Vorabend des Tourauftakts in Deutschland musste er anreisen. Mittags beim Interview wusste Mark Hoppus noch nicht einmal den Namen des kurzfristig einspringenden Ersatzmanns. Der hatte auch nur den Soundcheck lang Zeit, die „neuen“ Songs zu üben. „Hätte ich acht Stunden Zeit, würde ich’s hinkriegen“, sagte sinngemäß.

Rund 50 Minuten ging die Show, und der Ersatzdrummer namens Gill machte seine Sache weitestgehend gut. Keine Ausfälle, keine groben Schnitzer, aber Travis Barkers ausgefeilten Schlagzeuglinien kann man nicht an einem Tag lernen. Dadurch fehlte auch beim sonst recht druckvollen Gig das gewisse Etwas. Doch (+44) ließen sich keine Schwächen anmerken. "Ihr macht 150 mal mehr Stimmung als die Leute in Amsterdam gestern.", merkte Mark zwischendurch an.

Zum Ende der Show meinte er dann: „Wir spielen jetzt noch einen Song, dann gehen wir von der Bühne und kommen nach anderthalb Minuten wieder.“ Die Leute – etwas verwirrt – riefen erst nach der angekündigten Zugabe, änderten ihre Chöre dann aber schnell in „Travis Barker“-Gesänge. Nach etwas mehr als anderthalb Minuten kamen (+44) dann zurück – mit „The Metro“ von Berlin und dem Versprechen, im Sommer wiederzukommen. Dann hoffentlich wieder mit Travis Barker.

 

 

Text und Foto: Jens Becker