ZEITSCHINDEN MIT CARMINA BURANA UND GRAPEFRUITSAFT

 

30 Seconds To Mars live im Palladium, Köln // 11.02.2008

 

Das Palladium an einem Montagabend auszuverkaufen, ist schon eine respektable Leistung. Da dürften sich 30 Seconds To Mars selber gefreut haben, aber auch ebay-Händler und Herren, die mit Tickets ihrer „krank gewordenen Nichte“ bereits ab 16 Uhr vor der Halle rumlungerten.

 

Waren 30 Seconds To Mars bei ihrem letzten Gig in Köln noch eher als Geheimtipp zu Besuch, spiegelt sich das mittlerweile verstärkte Airplay der Band im Publikum wider: Klar, dass Kajal und Scheitel in Kombination mit Sternen und Kirschen ein oft gesehenes Styling bleibt, doch auch das „nicht eindeutig einer Subkultur zuzuordnende“-Volk hatte seinen Weg ins Palladium gefunden. Ebenso waren einige ältere Jahrgänge nicht nur gekommen, um das Töchterchen auch wieder heil nach Hause zu bringen. Dass die Frauenquote bei einem 30STM-Gastspiel rekordverdächtig hoch liegt, ist bei den „Husky-Augen“ (aufgeschnappter O-Ton) des Hollywood-Beaus Jordan Catalano aka Jared Leto trotzdem eine unumstößliche Tatsache.

Lautstarker, hochfrequenter Jubel brach aus, als Scheinwerfer das überdimensionale weiße Tuch, welches die komplette Bühne verhüllte, zu Orffs Carmina Burana anstrahlten. Mit den ersten Tönen fiel diese letzte Hülle und gab die Sicht auf die Protagonisten des Abends frei. Obwohl man bei 30STM eher von DEM Protagonisten sprechen sollte. So sehr der Drummer sein Set mit ausgefeilten Rhythmen beackerte, und auch die gestylten Herren an Bass und Leadgitarre nicht gerade wie Nosferatu aussehen, drehte sich doch alles einfach nur um Jared Leto.
Dieser ließ die Band mitten im ersten Song abbrechen, begrüßte das begeisterte Publikum und ließ sich erst einmal ganze fünf Minuten darüber aus, wie froh man sei in Deutschland zu sein, versprach jedem Einzelnen „the fuckin best time that you will never forget“, und forderte dazu auf, das Palladium mit leuchtenden Handys zu erhellen. Die Menge folgte willig.

Bei druckvollem Sound spielte sich die Band durch ihr just wiederveröffentlichtes 2005er Album „A Beautiful Lie“ und streute hier und da Songs ihres selbstbetitelten Debüts ein. Leto wirbelte unentwegt über die Bühne und ließ seine Gesangseinsätze des Öfteren aus, da sich die Echelon (so hat die Band ihre Fanschar getauft) nicht nur mit massig Plakaten, sondern auch mit der ausgiebigen Lektüre der Texte vorbereitet hatten. Eine spektakuläre Lichtshow lieferte die passende Atmosphäre.

Zur Zugabe kehrte Leto nur mit der Akkustikklampfe bewaffnet zurück und spielte mehrere Songs auf Zuruf an, bevor die komplette Band für zwei abschließende Nummern noch einmal für arge Begeisterung sorgte.

Ein Blick auf die nicht überlange Setlist des Abends hätte nicht erahnen lassen, dass daraus eine respektable Spielzeit von eindreiviertel Stunde würde. Dies lag unter anderem daran, dass Leto sein Schauspielertum nicht komplett ablegen kann. Entertainerqualitäten kann man ihm keinesfalls abstreiten, manchmal übertreibt er das „in Szene setzen“ allerdings ein wenig. Nur solange das Publikum gebannt an seinen Lippen hängt sowie die Tatsache, dass er gerne Grapefruit trinkt, bejubelt, als ob er gerade gratis Wohnzimmerkonzerte verspricht, wird Jared Leto sich auch in Zukunft nicht in den Dienst dieser wirklich guten Mannschaft mit oft unterschätzten Songs stellen.

 

 

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