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"WIR BENEHMEN UNS WIE EIN HAUFEN IRRER AUF DER BÜHNE"
Chris und Curtis von A Wilhelm Scream im Interview in der Live Music Hall Köln (8. Januar 2006)
Der Backstagebereich der LMH wirkt irgendwie verkatert. Woran das wohl liegt? Ahja, Amsterdam wurde am Vorabend gerockt. Chris Levesque (Gitarre) und Curtis Lopez (Bass) von A WILHELM SCREAM wirken alles andere als fit, als wir es uns in einem recht kleinen Durchgangsraum auf dem Boden breit machen. Unser aller Lieblings-Lagwagonriese The Big Bitch verwest neben uns, verdeckt einen kompletten Sessel unter sich und ist sichtlich amüsiert über die beiden angeschlagenen Wilhelme. Ork & Stifte werden gereicht, Curtis malt drauf los und deshalb ist es auch meistens Chris, der das Wort ergreift.
getaddicted: Wir nerven Euch direkt mit ner Frage, die Ihr wahrscheinlich
schon vier Milionen Mal gehört habt; könnt Ihr uns ein bisschen
über die Herkunft Eures Bandnamens erzählen?
Chris: Der Name stammt von einem Soundeffekt in Filmen. Zum ersten Mal
wurde der „Wilhelm Scream“ in den 50er Jahren in dem Film
„Distant Drums“ verwandt; in dieser Szene wird ein Kerl
von einem Alligator in einen See gezerrt. Der Filmcrew gefiel die Original-Tonspur
nicht, also nahm man eine Reihe von Schreien auf und benutzte dann einen
dieser Schreie. Jemand anderes benutzte diesen Aufschrei dann für
andere Filme und seitdem ist er in ca. 500 Filmen verwandt worden.
getaddicted: Gibt es einen Filmfreak in der Band?
Chris: Trevor!
getaddicted: Kam er also auf die Idee?
Chris: Ich glaube, er und ein Kollege sind irgendwie über den Namen
gestolpert. Anfänglich mochte niemand den Namen. Und der Wilhelm
Scream ist eher ein ziemlicher Weichei-Schrei (Curtis präsentiert
ihn uns).
getaddicted: Zum wievielten Mal seid Ihr in Deutschland?
Chris: Nun, hier sind wir, aber das war’s auch schon wieder.
getaddicted: Worauf freut Ihr Euch?
Curtis: Bier, Unsinn machen und Arsch zeigen.
Chris: Du bist so ein durchgeknalltes Arschloch, sag doch mal was Vernünftiges.
Ach vergiss es!
Curtis: Was denn? Weißt du was Besseres? Chris ist nur angefressen,
er hat gestern keine Prostituierte abbekommen.
Chris: Ich konnte es nicht übers Herz bringen, aber egal, der Amsterdamer
Rotlichtbezirk ist ein einziger Hammer.
BigBitch (aus dem Off): Du kriegst eine in Hamburg, keine Sorge!
getaddicted: „Ruiner“ scheint spielerisch eine nicht so
große Anstrengung zu sein wie Eure Vorgänger, liegt es...
Chris: Im Gegenteil, die Sachen sind größtenteils noch komplizierter.
Es mag daran liegen, dass die Songs nahe liegender und nicht mehr so
„durch“ sind. Die Arrangements sind logischer, aber das
Zeug ist immer noch schweinehart zu spielen, glaubt mir.
getaddicted: Also keine Vereinfachung der Songs, damit man mehr auf
der Bühne abgehen kann?
Chris: Das macht keinen Unterschied, wir benehmen uns trotzdem wie ein
Haufen Irrer auf der Bühne. Das nächste Album wird noch abgefahreneres
Zeug beinhalten.
VOM "DUNGEON" IN DEN "EMPEROR'S BALL"
getaddicted: Nennt ein paar Bands, mit denen Ihr ein ideales Festival spielen wolltet.
Curtis: Propagandhi!
Chris: Auf jeden Fall Propagandhi! äääh, Iron Maiden! Bad Religion! The Descendents.
Curtis: Rammstein!
Chris: Halt die Klappe, du bist heut so daneben! Eine Wiedervereinigung von Operation Ivy, eine Wiedervereinigung von Jawbreaker, äähhh…darf ich nein Trip ins Traumland machen?
getaddicted: Mach was du willst!
Chris: Nun, dann noch ……
Curtis: Das würd mir schon genügen, da zu spielen, und ausverkauft wäre das Teil in zehn Minuten.
Chris: Helloween müssen noch dazu, und Metallica von spätestens 1986.
Curtis: Her mit der Zeitmaschine.
getaddicted: Wie sah Euer erster Proberaum mit A Wilhelm Scream aus?
Chris: Es ist seit dem ersten Tag der Selbe, der Keller von Trevor. Wir nennen ihn „The Dungeon“.
getaddicted: Und der erste Gig mit AWS?
Chris: Mein erster Gig, da nannten wir uns noch „Smackin Isiah“, und ich kam damals zwei Wochen nachdem der ursprüngliche Gitarrist ausgestiegen war, und musste genug Songs für eine einmonatige Tour lernen. Der erste Gig war in der Nähe unserer Heimattadt Bedford, und wir spielten mit Bigwig, Closer Than Ken und noch einer Combo, das war vor ca. vier Jahren.
Curtis: Ich bin jetzt seit ungefähr einem Jahr dabei. Mein erster Gig war…ääähhhmm.ach ja... zusammen mit Boysetsfire in Connetticut. Der Laden war grausam, der „Emperor´s Ball“, und der Sound war abartig schlecht, man konnte mich nicht hören, was an dem Abend aber durchaus vorteilhaft war. Ich kam mir vor, als ob ich als einziger auf der Bühne Songs einer anderen Band spielen würde, höllisch nervös und ich kannte das Material nicht lange. Danke, dass du mich dran erinnerst.
getaddicted: Und? Schon Hass-Mails von Connor Oberst oder Morrisey erhalten?
(Zwei Songtitel des aktuellen Albums enthalten nicht gerade nette Anspielungen
auf die beiden Herren, Anm.)Curtis: Ich bezweifele, dass Morrissey und Connor überhaupt wissen, dass es A Wilhelm Scream gibt.
Chris: Ich auch, Morrissey schwimmt jetzt gerade wahrscheinlich in deinem Haufen von Gold...
Curtis: Und Connor jault darüber, wie unglücklich er mit seinem Geld ist.
getaddicted: In vino veritas… Rot- oder Weißwein?
C&C: rot!
Curtis: Ich bin nicht so der Experte auf dem Gebiet, ich schütte es nur immer in mich rein.
Chris: Yellowtail, schmeckt mir.
Curtis: Ich guck immer nur nach den schönen Etiketten
Chris: Und Sheraz mag ich auch noch sehr gerne.
getaddicted: „Ruiner“ wurde größtenteils auf Tour geschrieben, in was für Situationen entstanden die Songs?
Chris: Trevor nimmt die meisten Ideen spontan mit Gitarre auf mit so einem kleinen Diktiergerät, wie ihr das habt. Die Ideen gehen also nicht verloren und dann geht’s irgendwann ab in den Dungeon und es wird munter drauf los geplästert.
getaddicted: Ihr habt schon vier Alben und eine EP veröffentlicht, aber hier in Europa werdet ihr als Newcomer gehandelt, wie kommt’s?
Curtis: Ach, ich denke, dass das jeder Band so geht, ein Song wird auf einmal per Zufall im Radio gespielt, und die Leute sagen, „Wow, mal was Neues“ und du denkst „Ich mach den Scheiß schon seit zehn Jahren, was wollt ihr eigentlich“, aber das ist einfach so und man kann das nicht irgendwelchen Plattenfirmen oder Managern ankreiden.
getaddicted: Wer veröffentlicht Euch?
Chris: „Ruiner und „Mute Print“ sind bei Nitro Records rausgekommen, vorher waren wir auf einem kleinen Label aus Pennsylvania, „Jump Start Records“, die haben ein Album von uns wiederveröffentlicht, das wir ursprünglich für „Tank Records“, dem Plattenlabel von zwei ehemaligen AWS-Mitgliedern, eingespielt hatten. Unsere EP gibt’s auf nem Bostoner Label, Fork&Hand Records.
LIEBER KEINE GUTEN VORSÄTZE ...
getaddicted: Ihr seid eine Baseball fanatische Band,
Chris: Ja, bis auf Curtis hier, den kratzt der ganze Scheiß nicht.
getaddicted: Und welche Position, würde AWS einnehmen?
Chris: Wir, als Band, als Kollektiv? Oh Mann, äähhh…das ist ne verrückte Frage … Lass mich nachdenken … Ich sag jetzt einfach mal Pitcher, ich könnte auch Catcher sagen. Die Frage ist zu anstrengend für mich jetzt gerade, da muss man länger drüber nachdenken und verschiedene Faktoren einbeziehen, das kann ich heute nicht. Sorry, aber ich werd mir Gedanken darüber machen!
getaddicted: Welche guten Vorsätze fürs neue Jahr wurden schon von der Band gebrochen?
Chris: Ich denke, keiner aus der Band wird sich welche gemacht haben. Ich kann mich nicht dran erinnern, jemals welche gemacht zu haben.
Curtis: Geht mir genauso…
getaddicted: Was habt ihr Sylvester getrieben?
Chris: Ich war in LA, das war spaßig und betrunken.
Curtis: LA, betrunken, bei einem Freund mit einer Handvoll Leuten, so soll’s sein…
getaddicted: Hier die obligatorischen getaddicted-Fragen..Eure Süchte?
C&C (gleichzeitig): Alk! Musik!
Chris (augenzwinkernd): den Rest verschweigen wir mal lieber…
getaddicted: Und als Letztes noch das Mixtape ... (aus dem Nebenraum kommt eine nicht näher zu identifizierende Stimme „Wie schon vorbei? Ich dachte Curtis würde Euch noch erzählen, wie er gestern in Amsterdam abgegangen ist, da war doch was mit dieser ekligen Prostituierten und an Sylvester war da doch was in dem Schwulenclub und wie du die drei großen Kerle beglückt hast, wieso verschweigst du solch schöne Sachen?“)
C&C: (diverse Beleidigungen wandern in Richtung Nebenraum) Wieso muss dieser Penner sich immer einmischen und Scheiß erzählen, komm doch und mach du die Interviews wenn du so einen Rededrang hast.
Chris: Zurück zum Mixtape, jeder eins oder können wir zusammen arbeiten? Ich muss eindeutig Propagandhi unterbringen. Ich weiß, welches du von denen nehmen wirst, ich nehme „ Bringer Of Greater Things“, das Stück haut mich jedes Mal um.
Curtis: Wenn ich mich an den Titel von dem Dragon Force Song erinnern könnte.
Chris: Ich weiß, welchen du meinst
Curtis: Mir fällt der Name nicht ein aber auf jeden Fall dieser Track ist ein Muss…
Chris: So der nächste, mmhhh, ach verdammt. Ich kann nicht nur Propagandhi-Lieder nehmen. Ich sollte meinen Horizont dringend erweitern.
Curtis: Ich würd noch nen Song von dem neuen Alexisonfire-Album nehmen, das ist von vorne bis hinten geil.
Chris: Helloween „Eagle Fly Free“
Curtis: Haben wir fünf?
Chris: Na ja, zweieinhalb.
Curtis: Propagandhi, Dragon Force, Alexisonfire, Helloween …
Chris: Na gut, dann noch den “Humpty Dance” von Digital Underground.
getaddicted: Okay, das wär’s, der Ork sieht mal wieder großartig aus.
Chris (in den anderen Raum brüllend): Ey Nuno, komm mal rüber, du malst gute Schwänze. So, unser Sänger verfeinert das Teil jetzt noch für Euch.
getaddicted: Danke, und die Kopfschmerzen werden schon verschwinden.
Curtis: Ich bezweifele das, aber trotzdem wird gleich wie Hölle gerockt.
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