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15 JAHRE ÄLTER ALS 1996
Adam und Hunter von AFI im Interview im Palladium in Köln // 7. Oktober 2006
Gemütlich fläzt sich AFI-Drummer Adam auf einem Sofa, Bassist Hunter kommt genüsslich essend mit einem Teller in der Hand in den Backstage-Raum des Palladiums. Neugierig mustert Adam den mp3-Player und scheint nicht wirklich zu glauben, dass damit das Interview aufgezeichnet werden soll.
getaddicted: Ihr habt 1996 Guttermouth supportet. Was sind eure intensivsten Erinnerungen an diese Tage?
Adam: Wir waren damals mit 13 Leuten in einem kleinen Bus unterwegs. Die Tour ging zwei Monate und es war am Ende sehr frustrierend. Ihr Lebensstil und unser Lebensstil waren äußerst unterschiedlich. Es gab da einige Auseinandersetzungen (hält zur Verdeutlichung zwei Fäuste gegeneinander).
Hunter: Ihr habt euch geprügelt?
Adam: Nein, aber wir haben in der Tat kaum noch Worte miteinander gewechselt.
getaddicted: Euer damaliges Album hieß „Very proud of ya“. Euer Stil hat sich seitdem sehr stark verändert. Seid ihr trotzdem immer noch stolz auf das Album?
Adam: Ich weiß gar nicht mehr genau, was wir mit dem Titel damals sagen wollten. Es war irgendeine Anspielung, aber ich weiß nicht mehr, worüber. Ich war eigentlich nie wirklich stolz auf ein Album. Heute würde ich sagen, wir haben einige Platten herausgebracht, bevor wir sie hätten herausbringen sollen. Vieles ist dabei, was ich mir heute nicht mehr anhören möchte. Es ist immer für alles irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an dem man es macht, auch wenn man es nachher wohl anders machen würde. Auf der anderen Seite ist es einfach cool, dass wir 19 waren, Platten aufgenommen haben und durchs Land getourt sind – zwar auf niedrigem Niveau, weil’s keinen interessiert hat. Uns hat es übrigens auch nicht interessiert, dass da wenige Leute waren, weil wir einfach liebten, was wir getan haben.
getaddicted: Wenn du das Album heute hörst, was denkst du dann über die Songs?
Adam: Hätten wir damals nur ein paar der Songs genommen, hätten wir damit eine gute Platte machen können. Aber 20 Stück waren einfach zu viele. Zehn wären gut gewesen, für das, was sie waren. Manche Songs finde ich heute schrecklich.
getaddicted: Zum Beispiel?
Adam: „Shatty Fatmas“ etwa. Wir haben damals alles auf die Platte geschmiert. Wir haben jetzt gelernt, dass nicht jeder Song so gut ist wie der nächste. Wir haben für „Decemberunderground“ ungefähr 90 Songs geschrieben und davon nicht einmal 15 verwendet. Vor zehn Jahren hätten wir alle 90 benutzt.
getaddicted: Vergleicht man beide Alben, liegen da Welten zwischen. Was war der wichtigste Punkt für diese Veränderungen über die Jahre?
Adam: Die Bandbesetzung hat sich geändert, das hat viel verändert. Außerdem sind wir 15-16 Jahre älter (Wieso man in zehn Jahren um 15 Jahre altert, erklärte Adam nicht, Anm. d. Red.). Aus heutiger Sicht haben wir gelernt, wie man Musik macht, wie man bessere Songs schreibt. Ich sehe solche musikalischen Veränderungen als natürlichen Fortschritt, den jede Band hat.
getaddicted: Bad Religion nicht.
Adam: Und wer kauft heute noch ihre Platten? Wir haben das Gefühl, dass wir irgendwo hinwollen und nicht stehen bleiben wollen.
getaddicted: Hunter, du arbeitest ja auch mit MacBeth-Shoes zusammen. Ist das für dich eine neue Art, Musik und eine Art Image zusammen zu bringen? Vielleicht auch, um mehr Leute zu erreichen?
Hunter: Nein, überhaupt nicht. Ich habe mit MacBeth lediglich Schuhe entworfen. Das hat gar nichts mit der Musik oder der Band zu tun.
Adam: Ich kann mir gut vorstellen, dass das auf einige Bands zutrifft. Ich interessiere mich für Mode, Klamotten. Aber ich möchte der Band keine Marken-Identität verpassen. Die Band spricht für sich. Da muss man nicht noch visuell irgendetwas zusätzlich repräsentieren. Die Leute sollen sich über die Musik für die Band entscheiden und nicht mit T-Shirts bombardiert werden nach dem Motto: „Hey guck mal, das ist auch Teil der Band.“
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