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VIERSAITIGER GESANG
Apocalyptica, Sturm und Drang, Stam!na in der Henrichshütte, Hattingen // 23.10.2007
Nein, diese Finnen ... gerade aus den gröbsten Stimmbruch-Problemen raus, schon eine Metal-Gitarre in der Hand und rauf auf die Bühne. Die fünf Jungs von Sturm und Drang sind so etwas wie Suomis metallische Antwort auf Tokio Hotel und waren am vergangenen Dienstag in Hattingen Anheizer für das Publikum von Apocalyptica. Doch bevor die Boygroup die Bühne in der Gebläsehalle des Industriedenkmals "Henrichshütte" enterte, eröffneten "Stam!na" - ebenfalls aus Finnland - den Heavy-Reigen des Abends. Sie boten dem Publikum in der nicht ganz ausverkauften Halle Dark Metal irgendwo zwischen Sentenced und Children Of Bodom, waren aber eine dieser Vorbands, die man am nächsten Tag wieder vergessen hat.
Ganz anders die jungen Finnen mit dem ur-deutschen Bandnamen "Sturm und Drang", was natürlich auch an ihrem ungewöhnlichen Alter liegen mag: Die Herren sind zwischen 14 und 16 Jahren alt und lieferten dafür eine erstaunlich routinierte Show ab. Musikalisch gab es wiederum traditionellen skandinavischen Heavy Metal aus eigener Herstellung, der natürlich nicht bahnbrechend revolutionär war, aber dem Hattinger Publikum doch mehr als wohlwollende Reaktionen entlockte. Obendrein spielten sie noch eine souveräne Version von Maiden's "Fear of the Dark", bei dem sich so manche gestandene Coverband die Finger gebrochen hat. Doch, doch, das kann was werden mit den Jungs ...
Man könnte meinen, dass ein Apocalytica-Konzert langweilig ist oder eine halbe Sache, weil lediglich vier Cellisten und ein Schlagzeuger auf der Bühne stehen. Gesang, wie es ihn auf den CDs der Band durchaus gibt, sucht man vergeblich. Es wäre auch organisatorisch etwas schwer, die ganzen großen Namen wie Max Cavalera, Corey Taylor oder Nina Hagen in einen Bus zu packen und durch die Weltgeschichte zu tingeln. Daher übernimmt bei den Konzerten der Band das vierte Cello die Gesangsstimme und schon funktionieren die Songs auch ohne Worte. Beim Konzert in der Hattinger Henrichshütte stand freilich das neue Werk "World's Collide" im Mittelpunkt des Abends. Das wurde schon an der Bühnenoptik deutlich. Ganz dem Cover der CD angepasst standen vier thron-ähnlich Sitzgelegenheiten aus Totenkopf-Celli ums Drum-Kit drapiert, auf denen Eicca Toppinen und seine Mitreiter im Schummerlicht des Intros Platz nahmen. Doch es hielt sie nicht lange auf den Möbeln. Schon beim zweiten Song wirbelte das langmähnige Gründungs-Duo Lötjönen und Toppinen über die Bühne und bangte was das Zeug hielt. Man wartet zwar jeden Moment darauf, dass sich die wilden Zotteln in den filigranen Instrumenten verheddern, aber es geschieht nicht. Neben den grandiosen aktuellen Songs wie "I'm not Jesus", "Helden" oder "S.O.S", vergaßen Apocalytica natürlich auch ihre Wurzeln nicht und feuerten ihre ganz eigene Art der Heldenverehrung ab, mit der sie einst groß geworden waren: Metallicas "Seek and Destroy" und "Enter Sandman" wurde vom Publikum frenetisch mitgesungen. Aber auch ihr finnischer No.1-Hit "Bittersweet" und Griegs "Hall of the mountain king" gehörten in der ungewöhnlichen Atmosphäre der Henrichshütte zum gefeierten Programm. Absolut ein Besuch wert, dieser Abend.






