APOCALYPTICA

 

WORLDS COLLIDE

[SONYBMG]

 

Beim Dynamo-Festival neunzehnhundertschießmichtot betraten vier blasshäutige Männer je mit einem Cello bewaffnet zur besten Auftrittszeit als Opener für Metallica die Bühne. Sie sagten kein Wort, spielten eine Stunde lang Metallica-Songs und verließen das begeisterte Publikum mit den Worten: „Thank you, now please welcome Metallica playing Apocalyptica-Songs.“ Das war schon einigermaßen cool. Dennoch habe ich die vier Finnen danach ziemlich fix aus den Augen verloren, vermutlich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass diese Metal-Cello-Coversongs länger als zwei, drei Alben funktionieren würden. Umso überraschter bin ich jetzt vom neuen Album „Worlds Collide“ – ein erstaunlich gutes, zeitgemäßes und vor allem eigenständiges Metal-Werk. Am Schlagzeug sitzt kein geringerer als Dave Lombardo (Slayer/Grip Inc. etc.), und den Gesang – wenn vorhanden – teilen sich so illustre Gestalten wie Corey Taylor (Stone Sour/Slipknot), Cristina Scabbia (Lacuna Coil), Adam Gontier (3 Days Grace) und Till Lindemann (Rammstein). Auch wenn beim Großteil der Songs der Gesang komplett fehlt, werden die Stücke nicht langweilig. Die klassisch ausgebildeten Musiker schaffen es mühelos, die vermeintliche Lücke mit der Melancholie und Melodie ihrer für diese Musik so ungewöhnlichen Instrumente zu füllen. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches, eingängiges und überzeugendes Album, das vermutlich noch den ein oder anderen Hit hervorbringen wird.

 

 

Verfasser: Jens Büttner

Artverwandt: My Dying Bride, frühe HIM, Orphanage