ES DARF EIN BISSCHEN MEHR SEIN

 

Giving Chase, Astpai, Overhead Kick, Three To Fat im FZW, Dortmund // 23.11.07

 

Obwohl es Freitagabend war, verloren sich nur wenig mehr als 50 Zuschauer im Freizeitzentrum West. Das war vor allem deshalb überraschend, weil damit noch nicht mal die Zuschauerzahlen des vor 3 Wochen abgehaltenen HC-Festivals im Scharnhorster Zentrum erreicht wurden – obwohl das weit weg von der City und nur mit lokalen Bands stattfand.

 

Auch wenn die Jungs von Three To Fat aus der Nachbarstadt Lünen kommen, durfte man sie an diesem Abend auch als Lokalmatadoren bezeichnen, schließlich brachten sie auch ihren eigenen Fanclub mit. Der ebenfalls anwesende, wohl größte und mächtigste St. Pauli-Fan NRWs wies mich an, bei Nachwuchsbands die positiven Seiten des Auftritts zu loben, also: Die Band hatte Spaß, ihre Fans auch. Und darum geht´s ja auch. Irgendwie.

Auf Grund ihres Alters (das jüngste Bandmitglied ist 17, das älteste 20 Jahre alt) muss man Overhead Kick auch als Nachwuchsband bezeichnen; trotzdem sieht man bei den Jungs schon, dass sie einiges drauf haben. Und wie oder wo auch immer sie sich mit dem OldSchool-HC-Virus infiziert haben, sie gehen in dem Sound auf, sehr nett auch anzusehen, wie viel sie auf der Bühne gaben. Dass man als Jungmusiker aber nicht automatisch Respekt bekommt, mussten sie auch erfahren: Auf die zugegebenermaßen etwas ausufernde Bitte nach diversen Soundmodifikationen vor und auf der Bühne kam vom Mischpult ein trockenes: „Wozu macht ihr denn dann überhaupt ´nen Soundcheck, Alter!“.

Vollen Einsatz zeigten auch die Ösis von Astpai, bedankten sich dabei trotz der geringen Zuschauerzahl für die nette Einladung und die Chance, sich im Ruhrpott dem Publikum zu präsentieren. Der langgewachsene Sänger krümmte sich zwar irgendwie ungesund um das niedrig eingestellte Mikro, aber anscheinend wollte er es so – einen guten Auftritt der Wiener verhinderte auch das nicht. Der hätte gerne etwas länger dauern dürfen, schließlich gibt es ja mittlerweile auch zwei Astpai-Longplayer.

Und wenn es dann am schönsten ist, sollte man bekanntlich aufhören. Doch Schluss war hier noch lange nicht. Nach der üblichen und kurzen Umbauphase betraten dann Giving Chase, der geheime Hauptakt des Abends, die Bühne. Geheim deshalb weil die meisten Anwesenden zum bereits genannten „Fan Club“ von Three To Fat gehörten und man den Eindruck hatte, dass weniger Interesse an den aus Amerika angereisten bestand als an den Lüner Lokalmatadoren. Unbeeindruck davon legten Giving Chase aber direkt zu beginn druckvoll los und zeigten, dass nicht nur Amateure (ausgenommen Astpai) das Publikum im FZW beschallen durften. Ihre Performance wirkte auf den ein oder anderen etwas „gelackt“. Wie zu erwarten spielten sie aber ein verdammt gutes Set aus Songs des aktuellen Albums und rissen so die Fans mit sich. Besonders fiel hier Astpai-Sänger Zock ins Auge. Der stand nämlich mitgerissen vom live wirklich guten Sound direkt vor der Bühne und zeigte(wie so manch anderer auch), dass es ihm richtig gut gefällt. Giving-Chase-Frontmann Mike fiel auch, aber nicht ins Auge, sondern von der Bühne: Ein Schritt zu weit nach vorne und schon landete er auf dem Boden, keifte liegend weiter und bedankte sich nachher: „Thank you for NOT trying to catch me.“

Nach einigen Hasstiraden über den Tiger Tom Jones und dem natürlich vom Publikum konsequent geforderten Tom Jones-Cover, welches mit einem „RÜÜÜÜLPS! This is my Tom Jones Cover“ beantwortet wurde, war es dann auch schon fast wieder vorbei. Auch wenn das Publikum den Bands zahlenmäßig fast unterlegen war, war es eine gute Show, die schon fast familiären Charakter hatte, und den Anwesenden bestimmt in guter Erinnerung bleibt. Hoffentlich kommt mehr davon!

 

Text: Fred Flenner, Daniel Fehling
Fotos: Jens Becker