CRACK FOREVER?

 

Babyshambles spielen ein verkürztes Konzert in der Live Music Hall, Köln // 22. Januar 2008

 

Pete Doherty, Foto: Jens BeckerKommt er? Kommt er nicht? Vor einem Babyshambles-Konzert steht die Frage natürlich im Raum. Als die Tore der Live Music Hall sich öffneten, war Pete Doherty immerhin schonmal im Hotel – und damit hunderte Kilometer näher am Konzertort als noch vor zwei Jahren. Da „verpasste“ Herr Doherty angeblich mehrere Flüge aus London, die Show im E-Werk wurde abgesagt. Beim Wiederholungskonzert stolperte die Band in Omakleidern über die Bühne.

Doch 2008 sah alles so aus, als würde die Show tatsächlich stattfinden. Nur: Was für eine Show würde es werden? Nach den Kilians, die sich Doherty als Vorband gewünscht hatte, dauerte es ein paar Minuten. Aber Babyhambles-Fans sind ja leidensfähig, die paar Minuten waren ein Klacks. Was dann passierte, war verhältnismäßig unspektakulär. Die Band kam auf die Bühne, spielte ihren Stiefel und stolperte darin nicht einmal großartig. Nicht ganz sauber alles, aber das erwartet man ja auch nicht.

Schaulustige, die Lustiges schauen wollte, wurden quasi enttäuscht – vorerst. Nach einer Dreiviertelstunde kletterte Pete Doherty dann von der Bühne, sang vor der ersten Reihe der Fans, erklomm die Bühne wieder und setzte sich erstmal aufs Drumpodest. Schließlich stand er – mit der Hand am Bauch – auf und wurde von einem Roadie von der Bühne geleitet. Die Band folgte ihm kurz darauf. Sollte es das gewesen sein? Die Leute in der ausverkauften LMH wussten auch nicht so recht, ob sie nach einer Zugabe rufen sollten.

Schließlich kam Gitarrist Mik Whitnall zurück auf die Bühne und klimperte alleine einen Song. Und jetzt? Ist das ein Babyshambles-Ersatzprogramm? Nein. Danach kam die Band samt Sänger wieder, spielte ihren Hit „Fuck Forever“. Der sollte auch laut Setlist Zugabe sein. Doch zwischen Verschwinden und Zugabe standen da eigentlich noch andere Songs drauf. Die fielen dann aber aus. Als die Fans schließlich die Halle verlassen wollten, versperrte ein Ordner die Tür. Pete Doherty musste noch schnell über den Innenhof zum Bulli geleitet werden. Als die Tür sich öffnete, sah man aus der Entfernung noch, wie der Sänger ins Fahrzeug geschoben wurde. Wankend.

Nachtrag: Diversen Quellen zufolge tauchte Herr Doherty zu späterer Stunde noch im "Stereo Wonderland" auf und performte ein kleines Akustik-Set. Darunter fanden sich auch alte Libertines-Songs. Die Diskussionen, ob sich Pete Doherty eine Virusinfektion eingefangen und deswegen das Konzert abbrechen musste, dürfte sich damit erledigt haben. Sehr nett den Fans gegenüber, die Eintritt für die Live Music Hall gezahlt hatten.

 

 

Text und Foto: Jens Becker