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KRITIK MUSS ZIELSICHER SEIN, WENN SIE TREFFEN WILL
Interview mit Peter von den Beatsteaks in Köln // 4. April 2007
Die Beatsteaks ... Was soll man da noch als Einleitung schreiben? Jeder kennt sie, jeder mag sie. Mit „Limbo Messiah“ steht nun das neuste Werk der aus Berlin-Kreuzberg stammenden Band auf dem Markt. In Köln spielten die Jungs im Rahmen der 1LIVE-Radiokonzerte im Gloria. Vor der Show traf ich mich mit Gitarrist Peter Baumann.
GETADDICTED: Woran liegt es, dass jeder die Beatsteaks mag? Anders formuliert, warum kann man euch nicht hassen?
Peter: (lacht) Gute Frage. Ich weiß es nicht genau. Direkt hassen kann man uns nicht, da wir schließlich auch keinen hassen. Wir geben keine weltpolitischen Statements ab….Ich hoffe einfach, dass es an unseren Livekonzerten liegt, dass die Leute uns mögen. Wir haben einfach viel Spaß auf der Bühne und das merkt man. Es wirkt nicht so, als ob es unser Beruf sei oder wir die coole Band sind, die den Leuten lässig was runter spielt. Es passiert einfach immer was Neues auf der Bühne.
GETADDICTED: Dazu gehört es auch, dass ihr eine Band seid, die eigentlich ständig auf Tour ist. Man konnte euch in den letzten Jahren nicht entfliehen…
Peter: Wir geben uns die größte Mühe, dass man nicht drumherum kommt uns zu sehen. (lacht)
GETADDICTED: Ihr wolltet mit „Limbo Messiah“ eine Granate, eine Bombe auf den Markt bringen. Jetzt ist das Album 31 Minuten lang. Habt ihr es deshalb auf diese kurze Zeit komprimiert, damit der Druck für die Explosion letztendlich umso stärker wird?
Peter: Wir sind auf jeden Fall keine Freunde von ausufernden Liedern. Hätten wir noch einen Song gehabt, der ein ähnliches Niveau wie die anderen gehabt hätte, wäre er wahrscheinlich auch noch mit drauf gewesen. Unser Ziel war eh schon mehr Songs, aber am Ende waren wir nur mit den elf Songs wirklich zufrieden und glücklicherweise sind es 31 Minuten Spielzeit. Lieber so, und man sagt sich: „Wow, was war denn das?“, und hört es sich gleich noch mal an, anstelle, dass man sich am Ende langweilt.
GETADDICTED: Wie viele Songs hattet ihr im Vorfeld für diese Platte?
Peter: Insgesamt waren es 60 Demos/Ideen, wie man’s nimmt. Das ist dann runtergeschrumpft auf 16-17 Songs mit denen wir dann ins Studio gegangen sind, und elfhaben es auf die Platte geschafft.
GETADDICTED: Ich hab bei euch ihm Gästebuch gestöbert. Da schreibt
Kjeld: ...das Album ist absolut geil!!!!! Allerdings finde ich es ein bisschen kurz auf der DVD war die Rede von "ein Buch voller Songtexte" aber es sind nur elf Lieder!!!
Ich persönlich finde elf Songs völlig normal.
Peter: Elf Songs reichen ja auch völlig. Man muss es ja nicht übertreiben. So ganz kann ich diese Kritik auch nicht verstehen. Wir sind ja nicht die ersten, die eine Platte so kurz halten. Schau dir Weezer an.
GETADDICTED: Man sieht an solchen Einträgen, dass die Leute größere Ansprüche an euch haben.
Peter: Ganz genau. Wer hat die Dauer eines Albums denn festgelegt? Nirgends steht, dass ein Album mindestens 40 Minuten dauern muss. Wenn man die Länge einer Platte mit deren Preis in Beziehung nimmt…naja, danach kann man aber nicht gehen.
GETADDICTED: Das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Peter: So kann man es ausdrücken. Mit solcher Kritik müssen wir jetzt leben, jedoch treffen uns solche Kritiken nicht. Anders wäre es, wenn man über den Sound und Inhalt der Platte reden würde. Dann könnte man über Kritik nachdenken, aber nicht so.
GETADDICTED: Dass Kritik in dieser Form euch nicht mehr trifft, liegt das daran, dass ihr an Erfahrungen gewonnen habt?
Peter: Klar. Am Anfang hat man sich einfach alles zu Herzen gekommen. Manchmal nehmen wir uns selbst heutzutage viel zu viel zu Herzen. Zum Beispiel gab es zwei dieser Radio- und Geheimkonzerte, die nicht so geil organisiert waren wie das jetzt von 1LIVE. Da war es so, dass wer zuerst kommt mahlt zuerst. Das ist natürlich doof, weil viele Leute dann enttäuscht draußen stehen bleiben müssen. Wir wollten nämlich durch diese Aktionen nicht, dass wir uns dadurch einen künstlichen Hype kreieren. Wir wollten, dass unsere Fans kommen, und dann waren diese Geheimkonzerte ja nicht wirklich geheim. Also, es macht echt keinen Spaß, seine Fans dann wieder nach Hause zu schicken. Deshalb kamen schon einige Mails mit Kritik, worüber wir uns dann auch Gedanken machen. Aber man muss abwiegen können, denn wenn sich eine Band wie wir, ich sag mal sehr volksnah gibt, meint das Volk es könne auch Einfluss auf uns nehmen. Was natürlich nicht der Fall sein wird.
GETADDICTED: Du sprichst die erste Myspace-Show an?
Peter: Ganz genau. Glücklicherweise spielen wir bald wieder in Berlin. Ist natürlich scheiße, wenn du zwei, drei Stunden in dieser Schlange vor dem Laden wartest und genau wenn du an der Tür bist, fällt die Schranke und es heißt, dass der Laden voll ist.
MYSPACE SECRET SHOW NOCHMAL ÜBERDENKEN
GETADDICTED: Einweiterer Eintrag von Marco aus Bielefeld. Er schreibt: „Hab grad meinen Freunden euer neues Album bestimmt 4x vorgespielt und es war in Anbetracht mit blühenden Naturalien (Love to the Netherlands) einfach eine Berg und Talfahrt.“
Also keine Kiffermusik.
Peter: (lacht) Nee, das auf keinen Fall. Dafür ist sind die Songs relative physische geworden und brauchen Körpersignale.
GETADDICTED: Schaut ihr euch die Einträge regelmäßig an? Ich mein, dass einer von euch sich die Mails alle durchliest und auch antwortet.
Peter: Ja, das bin icke. So lange das noch geht, werde ich es auch weiterhin machen. Jetzt auf Tour dauert es mal zwei, drei Tage bis ich die Mails alle gelesen und beantwortet habe, ansonsten schaut man schon, dass alles beantwortet wird. Man merkt schon, dass man früher halt ausführlicher Antworten konnte, da die Masse der Mails nicht so groß war. Es nimmt auch einen recht mit, alles bis aufs Details den Leuten zu erklären. Deshalb versucht man halt kurz und prägnant die Fragen zu beantworten. So lange das noch im Rahmen ist, versuchen wir und wollen es natürlich, dass wir die Mails beantworten.
GETADDICTED: Was sind denn so typische Fragen, die gestellt werden?
Peter: Gerade im Moment sind die Fragen so, dass man wissen möchte, wo der Arnim sein Shirt her hat, wo er seinen Socken kauft und all solche Dinge. (lacht) Da muss man sich schon anstrengen, um nicht zu antworten, dass es doch eigentlich scheißegal ist, woher er das und jenes hat. (lacht)
Auf der anderen Seite kommen dann Mails, wo es dann heißt, dass unsere Musik jemand in einer bestimmten Situation einfach geholfen hat. So was merkt man sich und ist schön dann zu lesen.
GETADDICTED: Die Mails mit den Fragen zur Socke kamen wohl nach dem Auftritt bei der Echo-Verleihung. Das sah echt fürchterlich aus.
Peter: Ich fand das mit den Socken prima. (lacht)
GETADDICTED: Auf der Platte widmet ihr den Bad Brains einen Song…
Peter: Nicht ganz. Den Song haben wir halt die ganze Zeit „Bad Brains“ genannt, da er vom Sound leicht an Bad Brains erinnerte. Dann haben wir das „s“ hinten weggenommen und somit heißt der Song „Bad Brain“, was auch textlich gut zusammen passt.
GETADDICTED: Habt ihr euch start vom 80er Jahre Hardcore beeinflussen lassen? Gerade bei Bad Brains kommt ja noch der Faktor Reggae dazu.
Peter: Bei uns kommen immer wieder Wellen hoch mit dem, was wir so hören. Bei den Bad Brains war nicht der Sound, der uns so begeisterte, vielmehr war es die Energie, die bei deren Musik frei wird, und dass es so gnadenlos nach vorne geht. Da kann man sich ziemlich viel abgucken.
GETADDICTED: „She was great“ ist eine Ableitung von einem George Harrison-Zitat, als er den alternden Elvis Presley traf. Harrision meinte damals: „He was great, when he was great“. Wenn man jetzt “She Was Great” hört, könnte man meinen, dass ihr eure Ex-Beziehungen damit meint und diesen gegen das Schienenbein tretet.
Peter: Nee, das ist ja nicht abwertend gemeint. Vielmehr soll das Lied an die schönen Momente erinnern, die man mit seiner Ex hatte. Es soll versöhnlich sein und kein Angriff.
GETADDICTED: „Jeder kann die Texte so interpretieren, wie er möchte“, heißt es. Mit so einer Aussage macht man es sich relativ einfach. Heißt auch, dass ihr als Band euch nicht einigen könnt, welche Bedeutung ein Song haben soll. Oder sehe ich das falsch?
Peter: Stimmt. Liegt aber auch daran, dass wir nicht die Texte haben, die von A nach B gehen und das war’s. Wir sind keine Story-Erzähler. Vielmehr betrachte ich uns als Zeilen-Spucker. Zeilen, die dann jeder für sich vereinheitlichen kann, und daraus ergibt es sich, dass wir keine vorgefertigten Dinge von uns geben.
GETADDICTED: Dementsprechend seid ihr keine Meinungsmacher…
Peter: Stimmt. Wollten wir auch nie sein. Natürlich haben wir schon unsere Meinung und wenn es was gibt, was wir für extrem wichtig halten, gibt es andere Wege dies mitzuteilen.
GETADDICTED: Das gilt dann auch wohl für den Titel „Limbo Messiah“? Was Sinngemäß keine Bedeutung hat.
Peter: Es ist ja nur ein Titel, und ein Albumtitel hat keine große Bedeutung für uns. Wir mögen es auch nicht, nach einem Albumtitel zu suchen. Aber irgendwie muss die Scheibe ja heißen. Deshalb haben wir uns entschieden, immer einen Namen zu nehmen der lustig klingt und mit den Songs nichts zu tun hat. Und wer will, der kann ja in „Limbo Messiah“ die verrücktesten Dinge reininterpretieren.
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