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KURZGESCHICHTEN UND GEJAMMER BEI 60 GRAD
Bratze und Sonah live in der Neuen Werkstatt, Köln // 5. Januar 2007
Die Visions Party in Köln bietet vor allem eins: Ein kontroverses Liveprogramm. So richtig haben die beiden Bands noch nicht gepasst, die in der Neuen Werkstatt auftraten. Doch gerade darin liegt der Reiz sich jeden ersten Samstag im Monat nach Ehrenfeld zu bewegen. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Bands war, dass sie beide deutschsprachig waren. Die einen aus Marburg, die anderen aus Hamburg. Die einen poppiger Emocore, die anderen Electro-Trash. Die einen Sonah, die anderen Bratze.
Den Anfang machten die neuen Kronjuwelen aus dem Hause Redfield Records. Mit Sonah haben die Düsseldorfer eine junge Band in ihren Reihen, die man irgendwo zwischen Days In Grief und Jupiter Jones einordnen kann. Einer Kundin von Amazon.de kam auch der Vergleich mit Tokio Hotel in den Sinn. Aber davon kann absolut nicht die Rede sein. Sänger Jost sang zwar als Intro den Opener ihres Album „Herzschlag, Gegenschlag“ akustisch an. Aber mit drei Gitarren kamen ihre „Kurzgeschichten“ live rauer und mit mehr Charme als auf ihrer Platte rüber. Allen, denen die Platte etwas holprig zu scheinen mag, zeigten Sonah auf der Bühne, dass sie die Hürden problemlos meistern. Wenn sich die Bandmitglieder zwischendurch mal schubsten oder traten, wirkten sie wie kleine Jungs, die sich im Sandkasten um die Förmchen „raufen“. Ein guter Einstieg in den Abend mit einer Band, die ihren Auftritt offensichtlich sehr genoss.
„Wir sind nicht aus Zucker“, so eine Textzeile von Bratze, das neue Projekt von ClickClickDecker und Der Tante Renate alias Kevin Hamann und Norman Kolodziej. Seit zwei Jahren machen die beiden Hamburger nun gemeinsam Musik und haben mit „Kraft“ ihr erstes Album draußen. Das Indie-Electro-Duo, bezeichnet sich selbst als „boshaft, doch auch liebenswert“ - eben Bratze. Die charmant dreisten und frechen Texte kamen gut an.
Dazu brachten die beiden ein kleines Spielzeug Drum-Set mit. "Gestern in Bielefeld hat einer gesagt, wir brauchen einen Live-Drummer", erzählte Clickclickdecker, wies auf das Mini-Schlagzeug, setzte sich sofort dahinter. Kaum spielte er einen Takt, stieg Der Tante Renate mit dem Intro von „Raining Blood“ ein. Natürlich fiel das Drumset dem Rock’n’Roll später noch zum Opfer und wurde in tausend Teile von den Protagonisten zerlegt. Der Tante Renate wunderte sich, dass es kein Früh Kölsch gab und er musste mit Becks anstoßen. Da kam einem die Textzeile aus „Jean Claude“ wie gerufen: „Das ewige Gejammer geht auch bei 60 Grad nicht raus…“.
Es wurde viel gelacht und getanzt. Der Beat ließ es zu und so war es mit den spaßigen Ansagen und dem Gehabe auf der Bühne ein kurzweiliger Unterhaltungstrip.






