ZWISCHEN FLAMMEN UND MASCHINENKÖPFEN

 

Interview mit Caliban in Köln // 16. November 2004

 

Was für ein Jahr für die Jungs von CALIBAN. Nachdem sie in Eigenregie das fertige Album in der Tasche hatten, eine Tour mit IN FLAMES quer durch Europa machten, konnten sie sich in aller Ruhe ein Label aussuchen und für sich das Beste herauspicken. Wie wir alle wissen, haben sich CALIBAN für ROADRUNNER entschieden, die die Jungs dann direkt mit MACHINE HEAD auf eine fette Europatournee schickten. Nach etwa fünf Wochen stand Köln auf dem Plan, wo wir Drummer Patrick trafen und uns kurz über die Tour, den Plattendeal und über den neuen Bassisten unterhielten.

 

GETADDICTED: Ich habe gerade gehört, dass du zu Hause übernachtet hast?
Patrick: Genau. Eine Nacht zu Hause geschlafen.
GETADDICTED: Hast du es genossen?
GETADDICTED: Es war fantastisch. Ich habe nach fünf Wochen endlich meine Freundin wieder gesehen, im eigenen Bett geschlafen und in mein eigenes Klo geschissen. Es war ein Traum.

GETADDICTED: Fünf Wochen seid ihr jetzt mit MACHINE HEAD auf Tour. Kann man sich noch riechen?
Patrick: Ja. Der Bus ist groß genug. Wir teilen ihn zwar mit GOD FORBID, dennoch verstehen wir uns alle ganz gut. Wir kannten GOD FORBID schon und sind deshalb nicht blind aufeinander drauf gefallen. Und wenn man sich halt mal auf den Sack geht, hat man immer noch die Möglichkeit durch die jeweilige Stadt zu laufen, um so Abstand zu bekommen.

GETADDICTED: Welche Stadt hat dir bis jetzt am Besten gefallen?
Patrick: Auf der jetzigen Tour hat mir….Meinst du jetzt von der Stadt her oder von den Shows?
GETADDICTED: Sagen wir mal beides.
Patrick: Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in Rom, was mir sehr gut gefallen hat. Leider ist aber gerade dort die Show ausgefallen. Andererseits hatte man so mehr Zeit gehabt, sich die Stadt genauer anzuschauen. Eine geile Show hingegen war Barcelona. Es war echt die Hölle. Und nicht zu verachten ist die Tatsache, dass Barcelona an sich auch eine super Stadt ist.

GETADDICTED: Bedauert ihr es etwas, dass ihr im tristen Herbst diese große Tour macht und nicht im Frühjahr oder Sommer, wo es vom Wetter einfach besser ist?
Patrick: Ja, gut. Gerade jetzt, wo Portugal, Spanien und Italien dabei waren, wäre es super gewesen, wenn es im Juni stattgefunden hätte. Aber wir waren im April und Mai ja schon mit IN FLAMES auf Tour und da hatten wir auch ein paar schöne warme Tage im Frühjahr gehabt.

GETADDICTED: Wo siehst du denn die Unterschiede zwischen der IN FLAMES-Tour und der jetzigen mit MACHINE HEAD?
Patrick: Ich denke, dass das MACHINE HEAD Publikum doch offener ist bzw. doch eher auf die Musik steht, die wir machen. Vom Musikcharakter her passen wir doch mehr zu MACHINE HEAD als zu IN FLAMES. Bei IN FLAMES haben wir halt gemerkt, dass viele Leute noch den Metal-Tunnelblick haben, die halt nix anderes zulassen als diese Art von Metal, den IN FLAMES spielen. Obwohl IN FLAMES sich auch ein wenig gegenüber den alten Sachen verändert hat. Aber wie gesagt: Hier das Publikum ist eher für die Musik von CALIBAN gemacht und entsprechend ist die Tour echt perfekt.

GETADDICTED: Genau den Eindruck hatte ich auch gehabt, als ihr mit IN FLAMES hier gespielt habt. DEVIL DRIVER haben vor euch abgeräumt und dann kamt halt ihr und die Stimmung ging etwas verloren. Gerade bei der „Wall Of Death“ verglich man euch mit einer PAPA ROACH-Kopie.
Patrick: PAPA ROACH? PAPA ROACH macht eine Wall of Death?
GETADDICTED: Keine Ahnung. Hab sie noch nie gesehen. Aber ich gebe ja nur wieder, was ich aufgeschnappt habe.
Patrick: Ich denke halt, dass viele „True Metaler“ überhaupt nichts von der Hardcore-Attitüde verstehen, die CALBAN immer noch hat. Wir sind halt immer noch Hardcore, auch wenn es sich nicht mehr gerade in unserer Musik widerspiegelt. Aber es ist halt unsere Einstellung. Und diese Metaller kennen halt solche Attacken, wie sie auf Hardcore Shows vorkommen nicht und stehen dann halt bei einer Wall Of Death verdutzt da und wissen nicht, was mit ihnen geschieht.

GETADDICTED: Wann stand es eigentlich fest, dass ihr zu Roadrunner gehen würdet?
Patrick: Gesignt haben wir im Juni.
GETADDICTED: Waren ja ziemlich lange Verhandlungen, oder?
Patrick: Ja. Die Verhandlungen haben ewig lange gedauert. Die ersten Gespräche fanden schon ende letzten Jahres an, ob überhaupt Interesse besteht. Eigentlich kann man sagen, dass die ganzen Gespräche mit der Major-League nach dem letztjährigen With Full Force anfingen. Wir haben dort echt ne fette Show hingelegt und die Leute waren total begeistert. Selbst die Wall Of Death hat funktioniert. Frag mich nicht nach Sonnenschein. Es war unglaublich, was da abging. Selbst im MetalCore-Bericht in der RockHard wurde ein Bild davon extrem groß in den Artikel eingegliedert. Wie auch immer.
Dann fingen halt die ersten Gespräche an. Wir wollten uns keinen Stress machen und haben erst einmal Songs geschrieben und auf eigene Kappe aufgenommen. Im Januar bzw. Februar war dann das Album fertig und das letztendliche Signing war dann wie gesagt im Juni.

GETADDICTED: Was war denn ausschlaggebend aus eurer Sicht für Roadrunner?
Patrick: Wir denken einfach, dass die Musik, die wir machen, am Besten zu Roadrunner passt. Sie haben ähnliche Bands wie uns und wissen entsprechend, wie diese Musik oder dieses Produkt vermarktet wird. Sie haben die Erfahrung halt mit Bands wie KILLSWITCH ENGAGE, CHIMAIRA etc. Wir hatten auch andere Angebote gehabt wie Century Media, Nuclear Blast oder SPV. Aber bei denen wussten wir halt nicht, was die mit unserer Musik machen würden.
GETADDICTED: Obwohl Century Media…die haben ja auch kräftig zugeschlagen mit HEAVEN SHALL BURN und MAROON.
Patrick: Na gut, sie haben jetzt HEAVEN SHALL BURN, aber für uns stand fest, dass wir am besten bei Roadrunner aufgehoben seien, als anderswo. Und natürlich ist auch das Finanzielle ein Grund. Es ist halt nicht schlecht, wenn man weiß, dass etwas Kohle im Nacken ist und dass man touren kann. Live spielen ist nämlich das was wir eigentlich ständig wollen. Bei Roadrunner wussten wir auch, dass sie alles dafür machen, um uns ständig auf Tour zu bringen.

GETADDICTED: Man merkt es wirklich, dass Roadrunner auch sehr viel in euch investiert. Alleine wenn man die ganze Promotion von euch sieht.
Patrick: Ja, das machen sie wirklich.
GETADDICTED: Tja und du musst jetzt auch ständig Interviews machen, da die Nachfrage so immens ist.
Patrick: (lacht) Genau, das stimmt.
GETADDICTED: Nervt es dich oder hast du echt Freude daran, ständig zur Verfügung zu stehen? Früher, als ihr noch bei Lifeforce gewesen seid, haben doch nur Andy und Marc die Interviews gegeben.
Patrick: Da haben sich halt die ganzen Interviews nicht ergeben. Lifeforce hat einfach nicht so viele Kontakte zur Presse wie halt Roadrunner, die in einer ganz anderen Liga sind. Was Interviews angeht, kann ich sie nicht mehr zählen, wie wir alle. Aber nerven tun sie nicht, weil ich es doch recht gerne mache.
GETADDICTED: Wo ist es den Interview-technisch gesehen am schwierigsten mit der Verständigung?
Patrick: Überall da, wo es noch nicht gang und gäbe ist, Englisch zu sprechen. Spanien und Portugal. Je nachdem mit welchen Dorfleuten es zu tun hast, bist du da mit Händen und Füßen am erzählen, weil einfach überhaupt nix gerafft wird. Frankreich ist auch nicht anders. Die sind ja eh sehr ignorant der englischen Sprache gegenüber.

GETADDICTED: Kommen wir auf eure Release Show in Bochum mal zu sprechen. Was mich gewundert hat, war eure Ankündigung eigenes Equipment mit zu bringen, um den dortigen Sound zu verbessern.

Patrick: Wir wollten von der PA her mehr anmieten für die Release Show. Aber dann wurde uns von den dortigen Tonleuten mitgeteilt, dass man am Sound eh nix ändern kann, weil er halt so ist wie er ist.

GETADDICTED: Da frage ich mich, warum ihr überhaupt in die Matrix gegangen seid.
Patrick: Weil wir so kurzfristig keine andere Halle gefunden haben. Wir brauchten eine Halle, die ungefähr eine Kapazität von 1000 Leuten hat. Wir wollten es zu erst im Duisburger Pulp machen. Der Typ, der uns dort hätte reinbuchen sollen, ist aber gefeuert worden und somit war die Sache vom Tisch. In der Papestrasse, wo letztes Jahr die Release Show stattgefunden hat, war zu bzw. sie konnten es nicht machen. Also wohin? Zeche Carl ist auch zu klein und deshalb blieb nix anderes übrig als die Matrix. Deshalb haben wir es in der Matrix gemacht. Aber die ganze Organisation war eh so ne Holterdiepolter-Sache. Wir waren ja in den Staaten auf Tour und haben alles von dort aus mit Alveran organisiert.

GETADDICTED: Kam das Line Up dann von euch oder doch mehr von Sascha aus?
Patrick: Er hat halt Narziss vorgeschlagen und wir fanden es okay. Alle anderen Bands waren halt unsere Wünsche. GOD FORBID, weil sie halt schon in Deutschland wegen der MACHINE HEAD-Tour waren. HEAVEN SHALL BURN natürlich, weil es wirklich gute Freunde von uns sind. SIX REASON TO KILL wollte ich unbedingt dabei haben, weil unser Bassist und ich bei dieser Band gespielt habe. Und MACHINEMADEGOD ist die Band vom Florian, der jahrelang bei uns den Merch gemacht hat.


GETADDICTED: Euer Bassist? Ich dachte, das ist Boris Pracht von DEADSOIL?
Patrick: Nein. Der Boris ist zwei Wochen vor der MACHINE HEAD Tour quasi gegangen……..worden. Wie auch immer. Es gab halt Probleme, da er mit sich nicht im reinen war und das lange touren war auch nicht so sein Ding. Nach der USA-Tour haben wir uns zusammengesetzt und uns gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Er konnte auch nicht soeben zweieinhalb Monate mit auf diese Tour hier gehen. Da wir hierbei alle an einem Strang ziehen müssen, blieb uns nichts anderes übrig, als uns von Boris zu trennen. Dann haben wir halt einen neuen Bassisten und gesucht und uns den Gitarristen von SIX REASON TO KILL genommen. Ich wusste halt, dass er die richtige Einstellung mit sich bringt. Ich habe ihn angerufen und gesagt, dass in zwei Wochen die MACHINE HEAD Tour beginnt und gefragt, ob er Lust hat mit zu machen und auch dann als festes Mitglied dabei zu bleiben. Dann haben wir ihn innerhalb der zwei Wochen 13 Lieder eingeprügelt und die Sache hat gefruchtet.

 

Interview: Markus Tils