AUF DER SUCHE NACH DEM DURCHSCHNITT

 

Kurz bei CAPTAIN PLANET nachgefragt // Münster, 8. Juni 2007

 

Etwas mehr Glaube an die eigene Anziehungskraft, liebe Kapitäne! „Und ihr seid jetzt von Bochum hier hin gekommen? Wegen Oiro, oder was?“, erahnt Captain Planets Gitarrist Benni im luftleeren Barackenraum zu Münster nicht ganz den Grund für insgesamt 150 Kilometer Autofahrt. Nein wegen euch, ihr selbsternannten Seemannspunker! Zu allem Überfluss nicht nur zum sehen und hören, sondern mit ein paar kurzen Fragen im Gepäck. Und das geht so…

GETADDICTED: Ihr seid schon seit einiger Zeit „Unterm Durchschnitt“ [das Label]. Wer oder was liegt darüber?
Benni: Es gibt solche Abende, an denen man das Gefühl hat, ich spiele mit Leuten zusammen, die ich nicht kenne, die aber Musik machen, die mir total wichtig ist. Das sind zum Beispiel Abende, die überm Durchschnitt liegen.

GETADDICTED: Wer muss unbedingt in den Club der toten Dichter aufgenommen werden? [Die Myspace-Seite der Band heißt „captainmeincaptain“]
Benni: Wenn zum Club der toten Dichter zum Beispiel Bands gehören, die es nicht mehr gibt, bei denen man aber immer denkt, die hätte ich gerne mal gesehen, dann erinnere ich mich daran, dass ich mir eine Karte für Gorilla Biscuits gekauft habe und die ihre Tour abgesagt haben [Anm. der Red.: bzw. auf den Herbst verlegt. Zum neuen Hamburg-Termin kann der Benni aber nicht]. Jetzt weiß ich nicht, ob ich mich darüber freuen soll, oder nicht, weil solche Reunion-Shows auch wieder unterm Durchschnitt sein können.

Ansonsten gehören noch Bands wie Jawbreaker oder Minor Threat dazu. Und No For An Answer, obwohl ich die ´94 mal gesehen, als ich noch ein kleiner Sputt war. Das sind so Sachen, die vergisst man nicht. Sie beeinflussen einen auch, selbst wenn es nicht so klingt, wie man selbst.

GETADDICTED: Was gehört für dich zu einer perfekten Inneneinrichtung eines Baumhauses [Baumhaus ist der erste Titel der ´7]
Benni: Platten! Leute, die mit mir die Platten hören. Leute, die das auch gut finden, was sie da hören. Ich kann halt schlecht allein sein. Deshalb brauche ich Leute, die mit mir da sind, die mir wichtig sind.

GETADDICTED: Welche Konzertgruppe macht das beste Essen?
Benni: Das ist ein harter Kampf, aber das „Emil“ in Zittau hat die Nase vorn. Danach kommt der „Speicher“ in Usum. Der dritte Platz geht an alle anderen.

GETADDICTED: Wer muss beim Kickern häufiger Schnäpse ausgeben, oder unter dem Tisch durchkriechen? Captain Planet oder Matula?
Benni: Das ist jetzt eine entscheidende Frage. Zu null gibt es bei uns nicht. Das ist quasi auf Augenhöhe, obwohl wir schon öfter gewinnen. Also Matula sehen besser aus, aber wir sind beim Kickern vorn.

GETADDICTED: Was hältst du davon, deutschsprachige Ausgeburten von Flensburg bis zur Grenze des Münsterlandes, die im Stile von Turbostaat, Katzenstreik, oder auch Captain Planet daherkommen, „Nordisch-Punk“ zu nennen?
Benni: Hmm, kann man machen. Aber wir sind ja ein verschworener Haufen und geben uns selber auch gerne eigene Bezeichnungen. Zum Beispiel „Seemanns-Punk“.

GETADDICTED: Und wann kommt nun endlich euer ersten Album?
Benni: Es sollte eigentlich Mitte August alles fertig sein. Das Drumherum wie Layouten und so dauert halt ein wenig. Aber allerspätestens am 1. September!

 

Interview: Michael Blatt