DIE ETWAS ANDERE CASTING-SHOW

 

The Casting Out in Anzügen in der Matrix, Bochum // 16.02.2008

 

The Casting Out spielen auf in der Matrix zu Bochum. Das ruft selbstverständlich all jene hoffnungsvollen Musikfreunde herbei, die sich mit der Trennung der Genrehelden Boysetsfire im vergangenen Jahr nie so richtig abfinden konnten. Zwei Fünftel der eben Genannten - namentlich Nathan Gray und Joshua Latshaw – sind also nun mit zwei weiteren Sechssaitern, Bass, Drums und Piano (sic!) nach der komplett in Eigenregie geführten Vinylwerdung sieben neuer Songs auf Tour durch Europa.

 

Supportet wurden sie von The Die Is Cast, die kurzfristig für die verhinderten Phoney 14 einsprangen. Diese erledigten ihre Sache solide, wenn auch Mathias’ Gesang hier deutlich monotoner daherkam als auf ihrem Debütalbum „Journey“. Nach einer halben Stunde war Schluss und die Menge spendete verhaltenen Applaus. Die Selbstetikettierung des Publikums ließ sowieso keinen Zweifel daran, für welche Band hier eigentlich alle gekommen waren: Gefühlte 80% der Anwesenden waren in boysetsfire-Textilien gehüllt.

Die bejubelten entsprechend lautstark den Aufmarsch von Nathan und seiner neuen Big-Band (heute allerdings ohne Josh, der noch an seiner Rückenverltzung laboriert, und Darby Dinatale, dafür aber mit der reizenden wenn auch schlicht nicht hörbaren Dana DiLullo an den Keys). Gekleidet in feinsten Zwirn und nach dem Abspielen eines unverständlichen Introsamples erklärte Nathan, dass die Band zwar bisher nur sieben Songs aufgenommen habe, an diesem Abend jedoch noch neun weitere zum Besten geben werde. Gesagt, getan. So spielten sie sich durch ihre komplett selbsteingespielte Demo-EP, die bislang auf keinem Plattenlabel erschienen ist und an diesem Abend am Merchstand viele dankbare Abnehmer fand ¬– DIY at it’s best. Besagtes Demo war auch dem Publikum weitestgehend bekannt, so dass vorne neben einiger Bewegung vor allem lautstark mitgesungen wurde. Mit The Casting Out führen Nathan und Joshua hörbar weiter, was auf der letzten Boysetsfire-Scheibe mit einigen Songs begonnen wurde: Sehr viel ruhiger, wenn auch nicht allzu viel leiser kommen sie daher, poppiger, melodiöser und überhaupt nicht mehr wütend. Locker-flockiger Pop-Rock statt emotionalem Hardcore.

Die Beschallung der Anwesenden ließ am lokalen Maßstab gemessen kaum Wünsche offen, lediglich Danas Gesang und Keyboard ging unter und war nur in den ruhigeren Passagen überhaupt wahrnehmbar. Nathans Erzählungen zufolge hatte die Fluglinie, mit der die Band am Vortag angereist war, ordentlich Mist gebaut und mal eben nebenbei das Equipment der Band verschludert, so dass man sich sämtliche Gerätschaften bei The Die Is Cast leihen musste. Der musikalischen Qualität tat dies jedoch keinen Abbruch. Neues Material wechselte sich ab mit bereits bekanntem, bevor nach etwas über einer Stunde die Ressourcen schlicht erschöpft waren und die Band sich zugabenlos verabschiedete: „We played everything we have for you, thank you, good night.“ Danke auch.

 

 

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Verfasser: Philipp Schulte