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"SCHNAPPI" IST EINE BEDAUERNSWERTE ENTWICKLUNG
Interview mit Days in Grief im Underground, Köln (10. Juni 2005)
getaddicted: Zwei Jahre nach „Portrait of Beauty“ sind nun vergangen. Wisst ihr noch wie viele Interviews ihr gemacht und über eure Bandhistory erzählt habt?(Beide lachen)
Sebastian: Das ist fast immer die erste Frage gewesen, die gestellt wurde. Ansonsten weiß ich es nicht, wie viele Interviews es bis jetzt waren, die wir gemacht haben. Waren halt auch viele Email-Interviews dabei gewesen.
Jörg: Ich glaub, es waren so 50 bis 60 Interviews.
getaddicted: Merkt man sich besonders gute und schlechte Interviews?
Sebastian: Joah. Ein Interview mussten wir zweimal machen, da das Diktiergerät beim ersten Mal nicht aufgenommen hat. Das war halt ein bisschen blöd, da man alle Fragen noch einmal beantworten musste. Da kommt man sich auch selbst ein wenig blöd vor. Und dann wurde das Interview auch nicht einmal veröffentlicht. Wahrscheinlich hat das Diktiergerät auch beim zweiten Mal nicht funktioniert. (lacht)
Jörg: Läuft dein Diktiergerät?
getaddicted: Ich hoffe, dass die Batterien halten. Auf eurem Myspace.com-Profil steht „Punkrock from Cologne“. Seien wir mal ehrlich: Soviel Punkrock ist auf der neuen Scheibe „Behind the Curtain of a Modern“ aber jetzt nicht zu finden.
Sebastian: Wir empfinden es immer noch, dass unsere Basis der Punkrock ist. Das ist halt die Musik, die wir frührer alle gehört haben und die wir anfänglich auch gemacht haben. In der Basis schwingt es auf jeden Fall noch mit.
Jörg: Ich glaub, dass heutzutage die Übergänge in der Musik extrem dicht beisammen sind. Früher gab es halt die klassischen Punk- und Hardcorebands usw. Das gibt es ja heutzutage nicht mehr.
getaddicted: Wie sieht ihr selbst eure Entwicklung in den metallischen Sound?
Sebastian: Das hat sich halt so ergeben. Flo und Jörg haben früher sehr viel Metal gehört und es ist auch von der Gitarrenarbeit um einiges interessanter, als Drei-Akkord-Punk zu spielen. Wir haben es dann halt ausprobiert, es hat funktioniert und Spaß gemacht.
getaddicted: Man lässt sich aber auch von der aktuellen Musikentwicklung beeinflussen, oder?
Sebastian: Ich weiß nicht….Vielleicht ein bisschen. Man hört halt sehr viele Bands und da kann man sich jetzt nicht von ganz frei machen, dass man sich von denen nicht inspirieren lässt.
getaddicted: Wie kamen die Ideen zu den neuen Songs?
Jörg: Der Flo sitzt immer fleißig zuhause und probiert ständig neue Riffs aus. Dann hatten wir auch sonst jede Menge neues musikalisches Material gehabt und dachten uns, dass wir daraus jetzt das nächste Album machen könnten. Weil, das Material einfach cool war und wir voll dahinter standen. So kam es dann halt, dass auch unser Label begeistert von einer neuen Platte war und so ging es dann auch mit dem texten los. Dabei haben wir oft Tage gehabt, wo wirklich nix lief und es einfach frustrierend war, überhaupt Musik zu machen. Aber letztendlich verlief später alles besser und es hat dann doch prima geklappt.
getaddicted: Euer Album heißt „Behind the Curtain of a Modern“ Was siehst du denn hinter dem Vorhang?
Jörg: In meinen Texten zeige ich mehr die negativen Tendenzen auf, die meiner Meinung nach klar spürbar sind. Themen wie Globalisierung und Kapitalismus spreche ich dabei an. Und immer wieder ein Thema für mich ist die Endfremdung des Menschen zur Natur. Ich habe früher sehr viel über indianische Kultur gelesen und aus dem einstigen Zusammenleben ist nur noch ein Gegeneinanderleben geworden. Das sind halt meiner Meinung nach Themen und negative Tendenzen, die man ansprechen sollte. Auf der anderen Seite treffe ich so viele Leute, die auch diese Ideale haben und an bestimmte Dinge glauben, wo es dringlich ist, sich einfach zusammenzuschließen, um halt stärker zu sein. Daran appelliere ich halt.
getaddicted: Findest du es selbst einfacher, über negative Dinge zu schreiben, als wenn man quasi in den Texten dennoch dem ganzen eine positive Entwicklung zeigt?
Jörg: Ich find schon, dass es einfacher ist über negative Dinge zu schreiben. Auch bedingt durch die Musik, die teils einen melancholisch und sehr aggressiven Touch besitzen kann. Es ist halt besser, wenn man sich so richtig auskotzen kann. Andererseits versuche ich dennoch etwas zu vermitteln. Musik darf eigentlich nicht negativ sein und ist sie ja definitiv nicht. Sie hilft so vielen Menschen in bestimmten Situationen und gibt einem Halt. Musik ist eine positive Sache und deshalb sollte man in Texten nicht nur schreiben, dass der Tod schön ist und dass das Leben hoffentlich bald vorbei sei. (lacht)
getaddicted: Wie bekommt ihr des alles unter einem Hut, dass ihr als Band mit Jörgs Texten einverstanden seid?
Sebastian: Bisher kam es deswegen noch nie zu einer Auseinandersetzung. Wir kommen sehr gut klar mit dem, was der Jörg schreibt. Wir geben ihm auch alle Freiheiten, auch im Bewusstsein, dass Texte auch für die ganze Band stehen müssen.
Jörg: Wir wollen uns jetzt auch nicht als politische Band hinstellen und dies in den Vordergrund stellen, indem wir sagen, dass wir eigentlich unsere Message mit der Musik darstellen. Es ist eher umgekehrt. Wir machen Musik, die eine Message beinhaltet. Wir kennen uns ja eh seit Jahren und haben alle den gleichen Background. Von daher interessieren uns auch dieselben Themen. Davon abgesehen, so radikale Texte schreibe ich nun auch nicht, dass die anderen Angst haben müssen. (lacht)
getaddicted: Dabei gibt es einen Song der „Kill The Music“ heißt.
Jörg: Dieser Song hat eine ziemlich klare Aussage. Es ist ein Song über die Plattenindustrie. Selbst wir merken es schon, dass, wenn es um Plattenverkäufe und Labelverträge geht, viel mehr andere Sachen plötzlich im Vordergrund als die Musik. Dabei geht es gegen Leute, die meinen zu müssen, sich ständig dem Trend unterzuordnen, um so halt mehr Platten zu verkaufen.
getaddicted: Was kotzt dich denn sonst noch so in dieser Industrie an?
Jörg: Das es wirklich nur noch darum geht, wie viele Platten man verkauft. Und wie viele Platten man verkauft, hängt ja nicht mehr davon ab, ob die Musik gut ist. Ich empfinde es als beleidigend, wenn ein Song wie „Schnappi“ wochenlang Platz 1 der Charts ist. Es spiegelt also den besten Song Deutschlands wider. Das kann es doch nicht sein, oder? So was ist sehr traurig und solche Entwicklungen sind bedauernswert. Ich glaub, dass es vor 30 Jahren da ganz anders aussah. Man merkt es dennoch ein bisschen, dass es mehr und mehr zurück geht zur ehrlichen Musik.
getaddicted: Ein leidiges Thema war für euch, dass eurer Label EAT THE BEAT einen Kooperationsvertrag mit PIRATS RECORDS, dem Label von Michael Mittermeier, hatte, deren Vertrieb über Sony Music läuft. Somit seid ihr plötzlich eine HARDPLACE Band geworden. Neuerdings hat eurer EAT THE BEAT einen Kooperationsvertrag mit ROADRUNNER abgeschlossen. Deren Vertrieb über UNIVERSAL läuft. Jetzt zur Frage. Fühlt man sich in der ROADRUNNER-Familie besser aufgehoben als bei Hardplace?
(Beide lachen)
Sebastian: Von der Hardplace-Sache haben wir eigentlich nicht viel mitbekommen. Wir standen auf deren Internetseite, was auch ganz nett war, mit Bands wie Boy Sets Fire, Korn usw. Aber das war uns eigentlich wurscht. Was uns genervt hat war, dass die Leute halt immer nur das Sony Logo als erstes auf unserer CD sahen und uns somit gleich als Major-Band abstempelten.
getaddicted: Ist es bei Roadrunner denn anders?
Sebastian: Das sehe ich schon so. Die haben auf jeden Fall keine Veröffentlichung, die wie Schnappi klingt. (lacht)
Jörg: Im Endeffekt nimmst du als Band auch das, was dir gerade angeboten wird. Ich denke, dass die Partnerschaft mit ROADRUNNER viel effektiver für unser Label und auch für uns selbst sein wird. Es ist auch besser, wenn man die Leute auch kennenlernt, die für einen arbeiten, wie es bei ROADRUNNER der Fall ist. Von PIRATS RECORDS oder SONY haben wir niemals einen gesehen.
Sebastian: Sony war ja auch nur der Vertrieb. Ich denke, dass wir von UNIVERSAL auch nie ein Gesicht sehen werden. (lacht)
Jörg: Dabei sollten wir jetzt noch einmal betonen, dass unser Label EAT THE BEAT ist und nicht ROADRUNNER. Sonst gibt es wieder Verwirrungen. (lacht)
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