IRISH BLOOD, BOSTON HEART

 

Dropkick Murphys und Big D And The Kids Table entern die Weststadthalle
Essen // 27. Januar 2007

 

„SOLD OUT“, „SOLD OUT“ und noch mal „SOLD OUT“. Wo auch immer einem in letzter Zeit die Dropkick Murphys in Verbindung mit deutscher Bühnenpräsenz begegneten, las man nur noch eines: “SOLD OUT“. Kein Eintritt ohne Ticket. Niente. Gar nichts half, ohne richtig beschrifteten Eventimticketrohling. Deutschland ist geil auf flotte Bostoner Punkrocker mit irisch-schottischen (und bayrischen) Arbeiterwurzeln - und wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben.

Berechtigt ist die Hysterie definitiv. Im Jubiläumsjahr 2006 hat die Bostoner Kapelle einmal mehr bewiesen, was einige viele schon lange wussten: Die Murphys sind ganz einfach Kult! Dies dachten sich dann auch prompt die Macher des hochrangig besetzten Boston-Mafia-Films „The Departed“, veredelten diesen mit deren Song „Shipping Up To Boston“ und untermauerten deren Ausnahmestatus. In diesem Sinne wurde auch die ausverkaufte Weststadthalle zu Essen gekapert und Punkrock-Herzen erfolgreich in den Bann gezogen.

Bereits den beiden Vorbands wurde mit lauten „Let’s go Murphys“-Rufen klar gemacht, wer hier am meisten verlangt wird. In den Rahmen passen wollten „Big D and the Kids Table“ keinesfalls. Sie beeindruckten allerdings mit ihrer experimentellen Ska-Punk-Dub-Mixtur nachhaltig. Für ihr im März erscheinendes Album "Strictly Rude" haben die Bostoner auf jeden Fall beste Werbung gemacht. Schon im April wird die Band dann auch wieder nach Europa auf Tour kommen.

Punkt 22 Uhr Ortzeit erklang dann, wie gewohnt, Sinead O’Connors Stimme zum eingespielten Intro der Chieftains-Version des traditionellen „The Foggy Dew“. Die Spannungskurve stiegt unweigerlich einer Minute auf die andere Minute, bis sie bei den ersten Tönen aus Scuffy Wallaces Dudelsack explodiert: „For Boston“ schallte aus jedem einzelnen Hals im Saal. Die Murphys fiedelten und dudelten sich durch fünf Alben und feuerten einen Klassiker nach dem anderen der Menge entgegen: „Boys On The Docks“, „Rocky Road To Dublin“, „Walk Away“, „Worker’s Song“. Marc Orrell nahms zu wörtlich und feuerte sich dazu selbst mit einem gewagten Sprung in die ersten Reihen und spielte dabei fröhlich weiter.

Verschnauft werden durfte nur punktuell. „Forever“, „Kiss Me I’m Shitfaced“, sowie „Bastards On Parade“ fungierten als Pausen zum Schnunkeln und standesgemäßen Mitgröllen. Das Publikum zeigte sich wie immer als absolut textsicher. Al Barrs langgezogenes „Tiiiiiim Finnegan“ leitete dann den nächsten Tanz ein. „Ten Years Of Service“, „Dirty Glass“-mit Stephanie Fogherty-Ersatzblondine- und der berühmt berüchtigte “Spicy McHaggis Jig”, sorgten weiter für schwingende Schottenröcke und triefendnasse Glatzen. Letzterer war selbstverständlich wieder„time for the ladies“ auf die Bühne zukommen. Ken Caseys Erinnerung daran war allerdings überflüssig. Tradition um schreibt es wohl am besten. Der überwiegend maskuline Fan kam spätestens jetzt auf seine Kosten. Auf die Bühne allerdings kam er erst wenig später bei der Zugabe. Dem akkordeonlastigen OST „Shipping up to Boston“, folgte abschließend der unumstrittene „Skinhead on the MBTA“. Nach kurzem Widerstand gaben die Securityleute auf und ließen die Massen auf die Bühne stürmen. Vereint „Oi“-gröllend zelebrierte die Halle mit der Band den letzten Song des Abends.
Finale Frage: „Will the Skinhead ever return?“ Antwort: “Wenn die Dropkick Murphys rufen?! Er „will“. Muss sich nur rechtzeitig um Karten bemühen!”

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Text und Fotos: Mathias Schumacher