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"ICH WÜRDE UNS ALS MITTELDEUTSCHE WELLE BEZEICHNEN"
Interview mit EL*KE im FZW, Dortmund, 6. August 2006
Nein, EL*KE ist keine Ärzte-Coverband, hat nichts mit Elke Heidenreich zu tun, sondern ist einfach eine Band aus Berlin, die "mitteldeutschen Rock" macht (siehe unten) und mal eine alte Karre mit dem Kennzeichen EL-KE 573 fuhr, bevor sie aus dem Emsland nach Berlin übresiedelte. Im "Wilden Westen" des Ruhrpotts traf ich die drei zum Plausch, der nur gelegentlich durch die wild schwatzenden Madsen unterbrochen wurde, die zwischendurch wie selbstverständlich ins Interview platzten.
getaddicted: Euer Video zur ersten Single Adrenalin: Schwitzende Oberkörper,
weiße Unterhemden, leicht bekleidete Mädels im Pool –
ist das nicht ein bisschen viel Rockerklischee?
Hubi: Das wollten wir ja damit ausdrücken, weil wir dachten, es
passt halt genau zu dem Song.
Peter: Und weil es live auch so ist: Ich trage ein weißes Unterhemd
und bin auch genau so am schwitzen wie in dem Video. Wir wollten es
eigentlich so realistisch wie möglich machen – ob das jetzt
Klischee ist oder nicht.
Mücke: Wenn die Hip Hopper alle mit Frauen in der Badewanne oder
in dicken Autos sitzen können, dürfen wir das auch!
Peter: Und wieso überhaupt Klischee? Das Leben ist doch so! Immer
auf der Überholspur!
getaddicted: Jeder Musiker, der im deutschsprachigen Rock was auf sich
hält (an dieser Stelle ziehen sich drei Augenbrauenpaare erwartungsvoll
hoch), grenzt sich stark von der ganzen Wir sind Silber-Juli-Schiene
ab. Ihr seid mit Silbermond auf Tour gegangen.
Alle (synchron): Warum denn nicht?
Peter: Wir machen ja schon seit 13 Jahren zusammen Musik, EL*KE gibt’s
jetzt seit gut zwei Jahren. Silbermond haben uns das Angebot gemacht,
ob wir nicht zusammen mit denen spielen möchten und dann haben
wir gesagt, warum nicht.
Hubi: Weil es einfach auch mal geil ist, vor über 2000 Leuten zu
spielen. Wir machen ja nicht die Musik von Silbermond oder Wir sind
Helden, das ist ja was völlig anderes. Ich schätze aber auch,
dass ein großer Teil vom Silbermond- oder Helden-Publikum auch
zu anderen Konzerten geht, meinetwegen zu den Ärzten oder den Toten
Hosen.
Peter: Wir sind auch vorher extra zu den Konzerten hingegangen, um zu
schauen, was da für ein Publikum ist, dass da eben nicht nur dieses
14-jährige Teenie-Publikum ist. Und wenn von 2000 Leuten auch nur
50 unsere Musik gefällt, dann ist das doch auch schon gut. So sind
wir daran gegangen, ohne irgendwie zu sagen, wir wollen jetzt unbedingt
mit Silbermond zusammen spielen.
Hubi: Wir haben ja auch keine Silbermond- oder Juli-Platten im Schrank.
Mücke: Wir kannten die ja auch vorher schon. Letztes Jahr haben
wir mit denen in Belgien gespielt, da waren sie auch total nett. Den
Manager kennen wir daher auch ganz gut.
Peter: Der Schlagzeuger von Wir sind Helden war WG-Kollege von uns und
deswegen ist das auch alles eher persönlich, weil wir die Leute
kennen und nicht weil wir unbedingt mit denen spielen wollen, nur weil
die bekannt sind. Und deswegen ist es uns auch egal, wenn die Leute
sich darüber aufregen. Wir klingen ja definitiv nicht so wie Silbermond.
getaddicted: Wie seid ihr beim Silbermond-Publikum angekommen?
Mücke: Eigentlich immer ganz gut.
Hubi: Wir waren ja auch mal mit The Rasmus auf Tour und da ist das Publikum
schon ein bisschen näher dran.
Peter: Das Publikum bei The Rasmus ist ein bisschen rockiger. Zwar auch
jung, aber eben rockiger. Da ist dann auch mehr auf unserer Internetseite
passiert und wir wurden auch öfter mal persönlich angesprochen.
getaddicted: Es gibt Gerüchte, ihr hättet bei der Silbermond-Tour
hinterher ein Alkoholverbot gekriegt.
Alle lachen.
Hubi: Bei der Rasmus-Tour war Alkoholverbot.
Mücke: Aber wir haben trotzdem gesoffen! Die wollten selber keinen
Alkohol trinken. Die sind da schon ewig auf Tour gewesen und haben wohl
schlechte Erfahrungen gemacht. Aber die Crew von denen hatte auch ein
bisschen Bier und wir auch, aber die Band hat sich dran gehalten. Am
Abschlusstag haben wir dann aber alle reingehalten wie blöd. Und
das war bei Silbermond auch so. Die trinken vielleicht mal ein Bier,
aber würden auch nicht über die Stränge schlagen. Wir
haben dann mal Bier getrunken. Es muss ja auch Spaß machen.
getaddicted: Ihr wohnt ja schon seit Jahren zusammen. Aber als Band
gibt es euch ja nicht so lange.
Mücke: Intensiv gibt es uns seit letztem Jahr, dass wir auch Tourneen
am Stück machen.
Peter: Vorher haben wir auch schon zehn Jahre zusammen Musik gemacht.
Da haben wir noch auf einem Bauernhof im Emsland gewohnt. Wir drei haben
da gewohnt und ein Studio gebaut. Dazu kamen noch zwei andere Leute.
Die sind irgendwann ausgestiegen und wir sind nach Berlin gezogen und
haben da weiter gemacht. Und seitdem gibt es auch die Band.
Hubi: Wir haben auch vorher zusammen Musik gemacht. Wir sind mal mit
einem Riesenwohnwagen von einem Kumpel nach Spanien gefahren und da
auf den Straßen Rage Against The Machine gecovert. Aber das war
halt alles nicht mit dem Hintergedanken, da mal eine Band heraus entstehen
zu lassen.
getaddicted: Wie muss man sich dann jetzt einen WG-Abend bei euch vorstellen?
Mücke: Im Moment ja gar nicht, weil wir nur unterwegs sind. Und
wenn wir zu Hause sind, ist jeder froh, wenn er mal so ein bisschen
rumlungern kann, Freunde einladen, Frauen treffen.
Peter: Unter anderem bauen wir ja auch noch ein Ramones-Museum unten
im Keller. Wir haben eine Zwei-Stock-Wohnung und wir haben einen Typen
kennen gelernt, der seit 20 Jahren Ramones-Sachen – von Jeans-Hosen
über Turnschuhe bis was weiß ich was alles – und der
hat halt den Raum von uns bekommen und baut sich da gerade ein Ramones-Museum.
Wir helfen ihm dann dabei immer ein bisschen mit. Am. 15. September
ist dann die Eröffnung – passend zur Popkomm. Dann sind eh
zig Leute da.
getaddicted: Olaf Opal hat ja eure Platte produziert. Wie ist die Verbindung
zu ihm zustande gekommen?
Hubi: Er hat die Demos von unseren Songs gehört und da fand er
einen supergeil. Er war auch der erste, der sich auf diese Bewerbung
gemeldet hat.
Peter: Er hat das Demo von „Wilder Westen“ im Auto bis zur
Hälfte gehört, hat sofort die Plattenfirma angerufen und gesagt,
dass er das macht.
Hubi: Er hat sich die Demos dann hinterher genauer angehört, hat
bei der Hälfte die Regler runtergezogen, hat uns angeguckt und
gesagt: 'Jau, das mach ich! Über das Geld redet nicht mit mir,
fragt meinen Manager’.
Peter: Es war auch eine Superentscheidung, die Platte mit ihm zu machen.
Wir haben den EL*KE-Sound erst richtig mit ihm definiert.
Mücke: Und er hat auch unheimlich viel Ruhe reingebracht, dass
man nicht gestresst war bei den Aufnahmen. Durch die ganzen Platten,
die er schon aufgenommen hat, hat er eine unheimliche Erfahrung. 'Jungs,
locker. Wir gehen jetzt erst mal kochen, was in Ruhe essen.’ Dadurch
konnten wir an alles ganz easy heran gehen. Er hat uns auch bei der
Musik unheimlich geholfen, noch mal in die Songs reinzugehen und zu
gucken, was der Song wirklich braucht und was überflüssig
ist, was man noch mal verändern kann. „Adrenalin“ war
vorher eine ganz andere Version.
Peter: Er hat viel mit den Rhythmusgitarren gearbeitet, sehr viel, vor
allem, wenn es darum ging, Akzente zu setzen, auf den Punkt zu kommen.
Hubi: Es war auch oft so, dass ein Vorschlag von der Band kam und wir
dann zusammen geguckt haben, ob man das machen kann oder nicht.
Mücke: Er hat einen unglaublichen Riecher dafür, dass man
alles auch eine Woche später noch geil findet. Das war echt cool
und hat uns auch viel weiter geholfen. Dann war ja auch noch der Olli
Zülch dabei, der unheimlich viel gemacht hat und unheimlich fix
am Rechner war. Wir konnten alles einspielen, dann in Ruhe noch mal
drüber reden. Das war alles schon echt cool.
getaddicted: Im Video zu „Adrenalin“ schmeißt ihr
ja ein Sido-Tape aus dem Autofenster. Mögt ihr den Jungen etwa
nicht?
Hubi: Nö! Wir mögen das, was er macht einfach nicht. Und um
dieses Klischee noch mal wieder zu bedienen: Als Rockband muss man so
etwas natürlich aus dem Fenster werfen. Wir wollten das im zweiten
Video auch machen, also da wollten wir es vom Dach schmeißen,
aber da war es natürlich schon kaputt!
getaddicted: Wie ist das dann in Berlin? Geht ihr dann mal in seinen
„Block“?
Hubi: Zum Glück sieht man sich da nicht. Wir haben mal aufgelegt
– als EL*KE-Soundsystem – und da kam er dann auf die Bühne.
Da standen dann da sofort 100 Leute mit dem Mittelfinger hoch und haben
ihn erst mal ausgebuht.
Mücke: Diese Sache, die er mit den Brainless Wankers gemacht hat,
das fand ich super. Aber diese Gangster-Rapper-Scheiße. Das braucht
keine Sau.
getaddicted: Fler bezeichnet sich als die „Neue, neue deutsche
Welle“. Zusammen mit anderen deutschen Acts wie Dorfdisko oder
Madsen wurdet ihr auch schon so ähnlich bezeichnet. Die wievielte
neue, neue deutsche Welle seid ihr eigentlich?
Mücke: So ein Blödsinn! Rock gab’s doch immer schon.
Seitdem es Rock gibt, gibt es doch auch in Deutschland Rock!
Hubi: Ich würde uns als mitteldeutsche Welle bezeichnen dann! Nicht
ganz so neu, aber auch nicht ganz so alt!
getaddicted: Im Tour Diary auf eurer Homepage steht, dass euer letztes
Konzert in Dortmund das schlechteste überhaupt war. Was genau war
nicht gut?
Peter: Es war einfach nicht unser Tag. Es ist irgendwie alles daneben
gegangen. Wir haben uns auch selber dabei nicht wohlgefühlt.
Hubi: Es war einfach, dass uns alles aus der Hand geglitten ist, dass
wir völlig die Kontrolle über alles verloren haben-. Es war
halt einfach ein einziges Gesuppe oben auf der Bühne. Wir haben
noch versucht, das irgendwie hinzubiegen, aber dann lief uns einfach
alles aus dem Ruder.
Peter: Man muss sich ja beim Gesang schon selber hören, aber das
alles so eine Soundblase in dem Laden. Deshalb haben wir uns ja auch
über die Leute gefreut, die dann trotzdem drin geblieben wären.
Ich weiß nicht, ob ich auch da geblieben wäre. Von überall
kam Gedröhne her und man konnte nichts davon so richtig ordnen.
Und dann baut man als Musiker selber ab.
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- EL*KE - Wilder Westen






