WERTHERS ECHTE UND FALSCHE PROBLEME

 

Fake Problems, Sonah und Jaques She Rock im FZW, Dortmund // 23.03.2008

 

Drei Bands, drei Ligen, drei Sportarten – der Stilmix im Dortmunder FZW war wesentlich bunter als das grau-weiße Schneematschgemisch in der Raucherecke draußen vor der Tür. Vielleicht hielt das auch einige Leute vom Kommen ab.

 

Als Opener hatten Jaques She Rock einige junge Fans im Schlepptau und lieferten eine Show, wie sie eben eine junge Band macht. Da tritt schonmal der eine dem anderen ein Kabel aus der Gitarre. Einen Bosstones-Style-Tänzer hatten sie auch dabei, und der trug wenig blickfanggeeignet nur einen BH am nackten Oberkörper. Hauptsache, es macht Spaß.

Sonah aus Marburg hatten es da ungleich schwerer. Ihre „melodramatischen Pop-Songs“ (so steht es auf ihrer Myspace-Seite) kannte vorher kaum jemand im Publikum. Dazu war das Quintett zu viert angereist, weil Gitarrist Tobi zuhause an seinem Examen werkelt. Sänger Jost widmete ihm den Song „Komm zurück“ – mit gutem Grund? Immerhin verspielte sich die zum Quartett geschrumpfte Band zwei Mal derbe. Ihre eigene Reaktion darauf: Sich beim weiterspielen einfach kaputt lachen und weitermachen. Das machte sie noch sympathischer. Die Leute im FZW kamen auch immer näher an die Bühne, Sonah wurden immer besser angenommen – nur leider war die Show mit "Herzschlag/Gegenschlag" zu Ende, als die meisten vorne angekommen waren.

Bei den Fake Problems aus Naples in Florida wirkte Bassist Derek in der Bühnenmitte wie ein riesiger Lulatsch. Das lag aber vor allem daran, dass die beiden Gitarristen Chris und Casey von der Statur als auch durch ihre Milchbubengesichte eher wie Siebtklässler aussahen. Vom Anblick her hätte man also bei Chris niemals eine Stimme vermutet, die in ihrer Kratzbürstigkeit Tom Gabel (Against Me) in nichts nachstand. Auch musikalisch schlugen Fake Problems in die selbe Kerbe – Punkrock, Conutry, Western, Americana. Mancher fühlte sich erinnert an den Gig, als Turbostaat von The Gaslight Anthem supportet wurden. Fake Problems hatten die Leute schnell mitgerissen, vor der Bühne tanzten die Besucher und auch Jaques She Rock turnten mit. Nach dem Abschluss mit „To Repel Ghosts“ verließ die Band breitestgrinsend die Bühne und freuten sich über jedes positive Feedback – wie kleine Milchbubis über Werthers Echte.

 

 

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Text und Foto (Archiv): Jens Becker