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KLANGWELT EINER EINZIGEN STIMME
Feist im E-Werk, Köln // 5. Oktober 2007
ES WAR EINMAL ein Geschöpf namens Leslie Feist, das auszog, die Menschen mit seiner Stimme zu verzaubern. Und so kam die Frau aus dem fernen Kanada auch in eine deutsche Stadt am Rhein. Von überall her strömten die Menschen nach Köln und versammelten sich im E-Werk, um sie singen zu hören; viele von ihnen zum ersten Mal.
In der Wartezeit vor dem Konzert kam zum Aufwärmen der Massen eine Ein-Mann-Show namens Bob Wiseman auf die Bühne. Bob wollte den Hof mit einigen lustigen Anekdoten, mit Akkordeon begleiteter Videokunst und gesungenem Dichtwerk beglücken, doch alle warteten sehnsüchtig auf die Dame des Abends. Dann endlich kam sie und entführte die Zuschauer in eine Welt gefüllt von Klang und Emotionen, untermalt mit warmem Licht. Feist sang von der Liebe und vom Leben in einer Art und Weise, die für viele noch unerlebt war. Die Musik wurde getragen von ihrer unglaublichen Stimme, die scheinbar spielerisch alle möglichen Facetten entfaltete, wie die Farbspiele des uns umgebenden Herbstes.
Hin und wieder begleitete ihr Bandmusiker Feist mit perfekt dosierten Vocals, die ihrer Stimme zusätzlich Fülle verliehen. Manchmal nahm sie sich aber auch zurück, und die Musik entfaltete sich selbst in Klängen von Gitarre, Klavier, Blasinstrumenten oder sogar Glockenspiel, und sie fügte nur einige kleine Noten hinzu. So standen die Menschen verträumt in der Menge und lauschten. Ihre Stimme, so klar wie das Wasser und so weich wie die Wolken, tauchte ab in die Tiefen der Meere, die sie als Kind nie gesehen, und sie selbst in leuchtendes Blau. Und dann erzählte sie von „Sealion“ und brachte wieder so viel Kraft und Rhythmus auf die Bühne, dass die Menschen vor Begeisterung mitklatschten. In „Intuition“ übernahm das Publikum sogar den Part des Chors und begleitete Feists „Did I, did I“.
Wer hätte gedacht, dass ein so atmosphärisches Konzert in einer so großen Halle wie das E-Werk möglich wäre? Auch der Lichtmann verdiente ein kleines Lob; schlicht gehalten, doch geschmackvoll abgestimmt für bestimmte Songs. Beeindruckend waren zum Beispiel die fast beschwörenden, doch gleichzeitig zurückhaltenden Körperschatten der Bandmitglieder auf einer rot durchleuchteten Wand, an die Schatten von um ein Lagerfeuer tanzenden Indianern erinnerten und zusammen mit den Rhythmen der Musik für Atmosphäre sorgten, dem Ganzen einen fast spirituellen Touch verliehen. Dank des einwandfreien Sounds konnten die Zuhörer die Klangwelten einer einzigen Stimme auch ungestört erleben; mal hell, mal dunkel, atemberaubend gefühlvoll und geduldig, dann wieder schnell oder plötzlich innehaltend. So entstand ein kleiner Zauber, der sich bis zum Schluss über den Saal legte, und in der Erinnerung der Zuschauer mit Sicherheit unvergessen bleibt. Und wenn sie nicht gestorben ist, …dürfen wir Feist, Gott sei Dank, sicher noch eine ganze Weile singen hören.






