UND ICH ... ICH BIN DIE DIVA

 

Interview mit Ole von Fire In The Attic im FZW, Dortmund am 3. Juni 2005

 

getaddicted: Die Support-Show für Taking Back Sunday war eurer bis dahin denkwürdigstes Konzert. Ihr habt an dem Tag auch noch die Arbeit an euerm Album abgeschlossen. Was ging dir durch den Kopf, als ihr nach dem Gig von der Bühne gegangen seid?
Ole: Das war großartig natürlich, aber viel geht dir da nicht durch den Kopf. Das Problem ist, du realisierst es ja dann noch gar nicht. Wenn so viele gute Sachen kommen, ist das eigentlich schade, weil die werden dann verschwendet, weil du kriegst sie kaum mit. Du denkst dann natürlich „Wow“. In der letzten Zeit habe ich aber erlebt, dass du einfach denkst „ach cool“. Wenn es so viele gute Neuigkeiten gibt und so viele tolle Sachen passieren, wo du früher hochgesprungen wärst und dich eine Woche drüber gefreut hättest, verschwimmen die dann aber heute irgendwie. Das geht dann so in der Dauer-Euphorie unter. Es macht eben immer noch alles richtig Spaß. Die Platte läuft gut und wir haben viele, viele Shows, tolle Shows.
getaddicted: Wie ist es dann mit den großen Acts? Lernt man die kennen? Ignorieren die einen?
Ole: Man erlebt halt mit solchen Bands wenig. Es ist ja nicht so, dass die mit uns nachher noch irgendwo auf irgendwelche Parties gehen. Die fahren meistens nach dem Konzert weiter. Aber was sehr schön war: Normalerweise gucken solche Bands höchstens einmal kurz auf die Bühne, und bei Billy Talent war es so, dass der Schlagzeuger hinten kurz auf der Bühne saß. Dann ging er weg – wie es halt bei den meisten ist – aber der kam dann mit alle Mann wieder. Und das war richtig super, die haben sich das ganze Set angeschaut. Das war echt super. Normalerweise guckt der Hauptact nicht die Vorband an.

getaddicted: Die CD ist ja insgesamt sehr gut angekommen, aber es gab auch immer mal wieder Zurückhaltung. Mit welcher Art Kritik kommst du nicht klar?
Ole: Ich komme mit Kritik immer gut klar, wenn ich das Gefühl habe, dass derjenige eine Meinung dazu hat und uns nicht einfach denunzieren will. Es gibt gerade ein paar Fanzines, die sich besonders szene-zugehörig fühlen, die meinen, eine Band kann nur so lange gut sein, wie sie nur acht Leute kennen. Sobald der neunte dazu kommt, ist das nicht mehr gut und dann muss man das zerreißen. Ich habe letztens ein Review gelesen, da konnte man merken, der schrieb sich die Finger wund, um uns irgendeinen fadenscheinigen Mist unterzujubeln. Die Texte wären ja so kacke, und dann ist das der gleiche Typ, der im letzten Jahr die EP besprochen hat und die total toll fand. Und auf der waren die Texte mit Sicherheit nicht besser. Das ist so eine Art Kritik, mit der komm ich nicht klar. Dann denke ich mir echt: „Alter, mach selber!“. Gut fand ich, dass es bei der letzten Platte oft positiv hieß, dass da mal eine Band aus Deutschland kommt und nicht: Das ist die schlechte deutsche Antwort auf...“ Ich meine, es hat immer schon Musik in dieser Richtung gegeben, wir haben bestimmt kein Rad neu erfunden, das haben wir auch nie vorgehabt.

getaddicted: In der Bravo stand ja zu My Chemical Romance die Schlagzeile: „Der Sound heißt Emocore, ihre Message ist der Tod“, was ihr beim Konzert vorgelesen habt. Welche Headline würdest du über Fire In The Attic in der Bravo lesen wollen?
Ole: Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich überhaupt eine Schlagzeile über uns in der Bravo lesen möchte. Bravo-Journalismus hat ein bisschen was von Bild-Zeitungs-Journalismus und da muss ich weinen! Das ist alles so einfach und reißerisch geschrieben – da bin ich vorsichtig. Und wenn eine Schlagzeile, dann bitte nichts ernstes. Wir malen zwar viele dunkle Bilder, aber dann bitte so richtig daneben (posiert als Sensemann).
getaddicted: Die Bravo analysiert ja auch gerne Boygroups. Wer ist der Süße? Wer ist der Draufgänger? Um vorzubeugen, dass Mist über euch geschrieben wird, darfst du dann jetzt die Band charakterisieren.
Ole: Der Süße ist eindeutig der Schlagzeuger, der Plotzki. Das ist der Mann mit den 1001 Emopunk-Freundschaften. Der hat die ganze Mädelsliste immer komplett auf der Gästeliste stehen. Dann haben wir den Partyhannes, das ist der Richard. Den kann man nicht schocken. Je länger unsere Touren werden, umso mehr mache ich mir Sorgen um seine Gesundheit. Der schafft es, jeden Abend Vollgas zu geben und jedes Mal bis irgendwann morgens zu saufen und das geht nicht gut aus!
Dann haben wir noch den Tollpatsch, das ist der Crebelli, eindeutig! Das ist schön, so eine Charakterisierung wollte ich immer schon mal machen (lacht). Der hat’s erst gestern wieder geschafft, die Hotelnummernkarte im Zimmer zu haben und sich auf dem Flur zu befinden. Und das ist nur ein kleines Beispiel im Kosmos seiner Missgeschicke! Dennis ist der echte Punkrocker – immer noch. Der lebt noch Ideale und Werte. Er ist Straight Edge und kennt eine Million Bands! Nee, eine Million und fünf! Und er hat auch alle schon mal live gesehen. Immer wenn man sagt, hey die und die Band spielt irgendwo, sagt er nur „Hab ich schon gesehen“.
Und ich...ich bin die Diva (lacht)
getaddicted: Die Diva, die auch schon mal gerne die Bandkollegen mit Mineralwasser bespuckt.
Ole: Wenn sie nicht artig sind (lacht).
getaddicted: Die Diva, die auch schon mal gerne die Bandkollegen mit Mineralwasser bespuckt.
Ole: Wenn sie nicht artig sind (lacht).

getaddicted: Waren sie aber wahrscheinlich nicht bei Giga TV. Wie war euer erster Fernsehauftritt? Der Anfang vom Rockstarleben?
Ole: Das war auf jeden Fall eine krasse Erfahrung. Fernsehen ist total crazy. Das läuft auch total anders ab, als man sich das immer vorstellt. Da muss alles haargenau stimmen, weil wenn du irgendwo zwei Sekunden zu spät bist, läufst du durchs Bild. Du wirst immer irgendwo hingeschoben, es muss alles perfekt sitzen. Diese Leute sind da auch unheimlich fähig. Wir sind nur dahin gegangen und haben uns treiben lassen. Das war für uns irgendwie chaotisch, aber die hatten das voll im Griff.
getaddicted: Wie war es, in der Maske zu sitzen und schön gepudert zu werden?
Ole: Die haben gar nicht so viel gemacht, aber es war schon lustig. Die haben uns richtig die Haare gemacht. Wir haben die Hair Stylistin gefragt, ob sie nicht mitkommen will. Die könnten wir gebrauchen, aber sie wollte nicht.
getaddicted: Wie nervös ward ihr?
Ole: Normalerweise sind wir vor Auftritten nicht mehr so nervös, nur vor großen Sachen halt und Sachen, die sehr wichtig sind. Aber beim Fernsehen hast du eben nur eine Chance, also die ganze Sache war live! Die meisten Bands machen halt den Playback-Affen. Aber da hatten wir kein Bock drauf. Da ist Dennis halt wieder der richtige Punkrocker, der sagte, das machen wir auf gar keinen Fall, wir machen das live. Die fanden das okay. Es war aber tierisch aufwändig.

getaddicted: Also etwas anders als beim allerersten Mal, das du auf der Bühne gestanden hast. Was war das? Wie war das?
Ole: Das war, als ich 13 war. Das war Karneval bei uns in der Schule. Ja, sicher! Lach nicht! Wir kommen aus dem Rheinland, da musst du Karneval mitfeiern, sonst kommst du in den Rheinlandknast. Da haben wir dann mit unserer Band, also das war einfach eine Formierung von ein paar Leuten, ein paar Coversongs gespielt. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ war der erste Song, den ich überhaupt mal auf einer Bühne gespielt hab. Und da war ich tierisch aufgeregt – aber es war toll!
getaddicted: Was habt ihr da noch gecovert?
Ole: Nur die ganz schlimmen Sachen! „Zu Spät“ von den Ärzten und nur so ein Kram halt. „Teenagerliebe“ war auch dabei – ganz schlimm! Es gibt auch noch Videoaufnahmen davon. Das sieht super aus!
getaddicted: Wollt ihr die nicht mal veröffentlichen?
Ole: Nein! Nein! Nein! Die wollte uns Giga auch schon abquatschen! Die bleiben für unsere Lebenszeit unter Verschluss.

getaddicted: Wie weit sind deine Untersuchungen von Fast Food fortgeschritten?
Ole: Ja, ich habe heute morgen noch Tests bei Burger King gemacht. Der neue Dings-Burger...ich habe vergessen, wie er heißt, aber er schmeckte echt kacke! Nicht zu empfehlen! Ich bin bekennender Fast-Food-Fresser, auch wenn man die Großkonzerne eigentlich nicht unterstützen sollte. Aber das macht der Dennis bei uns dann eben nicht. Er geht nur mit rein.

 

 

Interview: Jens Becker