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DEN WOLF HALTEN BIS ER BEISST
Interview mit From Autumn To Ashes // 4. Juni 2007
GETADDICTED: Ihr habt gestern und vorgestern bei Rock am Ring und Rock im Park gespielt. Wie war’s?
Brian: Großartig, da waren etwa 85.000 Leute, das ist Wahnsinn.
GETADDICTED: Heute spielt ihr in einem Club vor etwa 200 Leuten – kleiner Unterschied. Ist man da vorher überhaupt noch nervös?
Brian: Nein, nervös nicht. Und es macht immer Spaß, egal, ob 100.000 Leute da sind oder 200. Es ist nur eine ganze andere Erfahrung, in einem kleinen Club oder auf einer riesigen Bühne vor Tausenden von Leuten. Spielen tut man aber genauso, bloß dass du auf einer großen Bühne mehr Platz hast, dich zu bewegen.
GETADDICTED: Im vergangenen halben Jahr ist viel passiert bei From Autumn To Ashes. Euer Drummer ist zum Beispiel Frontmann geworden, nachdem euer Sänger ausgestiegen ist. Du siehst ganz glücklich aus damit.
Brian: Unheimlich glücklich. Das war so mit das Beste, was unserer Band je passiert ist.
Ich glaube, wir sind besser als jemals zuvor.
GETADDICTED: Eure neue Platte heißt „Holding the Wolve by the Ears“ – was hat es damit auf sich?
Brian: Das ist eine alte lateinische Redensart. Es bedeutet, dass du verdammt bist, wenn du etwas tust und verdammt, wenn du’s nicht tust. Du kannst etwas nur so lange machen, bis es sich plötzlich gegen dich wendet und dir um die Ohren fliegt – aber du musst es trotzdem tun. Manchmal enden Dinge eben, doch das kann dich nicht aufhalten. Es ist wie die Sache, dass Ben, unser alter Sänger, die Band verlassen hat – wir mussten auch weitermachen.
GETADDICTED: Ihr habt mal gesagt, es geht dabei um sehr gefährliche Dinge. Was heißt das genau?
Brian: Die Situation ist gefährlich: Du kannst eine Sache nur machen, bis sie sich gegen dich wendet. Es ist, wie den Wolf bei den Ohren zu halten – du kannst dich nur so lange an ihm festhalten, bis er dich beißt.
GETADDICTED: Wenn wir gerade schon über gefährliche Dinge reden: Das hier ist eine deutsche Zeitung von heute morgen. (Wir zeigen ihm ein Titelbild, auf dem steinewerfende Demonstranten und brennende Barrikaden bei den G-8-Protesten in Rostock zu sehen sind.) Was denkst du, wenn du dieses Bild siehst?
Brian: Sieht nicht gut aus. Wow. Wo ist das? Ist das hier?
GETADDICTED: Nur etwa 200 Kilometer von hier entfernt. Es sind Proteste gegen den G-8-Gipfel und teilweise wurde es gewalttätig. Euer alter Sänger war immer sehr politisch interessiert. Wie sieht es mit euch aus?
Brian: Ich würde sagen, wir sind interessiert, jeder sollte interessiert sein, aber es hat nichts mit unserer Band zu tun.
GETADDICTED: Ist es in deinen Augen ok, Gewalt zu nutzen, um politische Ziele durchzusetzen?
Brian: Ich denke nicht, dass es viel bringt. Genauso wie ich denke, dass Gewalt auf lange Sicht nie etwas bringt - ich glaube an keine Art von Gewalt. Es ist eine Schande, dass solche Dinge geschehen - aber ich vermute, manchmal braucht es bestimmte Taten, damit etwas passiert.
GETADDICTED: Habt ihr in Amerika davon gehört, dem G-8-Gipfel, Georg Bushs Klima-Versprechen und all dem?
Brian: Ich bin sicher, dass es ein Thema ist, aber ich es weiß nicht genau, denn ich war schon seit dreieinhalb Wochen nicht mehr in Amerika.
GETADDICTED: In der Hardcore-Szene setzen sich viele Bands für Tierrechte und Umweltschutz ein. Gibt es irgendetwas, das dir am Herzen liegt?
Brian: Ich glaube, Tierrechte sind wichtig. Mehr als Menschen, ich mag Menschen nicht so sehr, sie sind mir relativ egal. Aber es ist wichtig, dass die Leute über Politik reden und solche Dinge. Jeder in meiner Band hat seine eigenen Ansichten, aber wir verbinden das nicht mit der Musik
GETADDICTED: Von euch war schon öfter zu hören, dass ihr ein Problem damit habt, als Teil der Emo- und Metal-Core-Szene angesehen zu werden. Ist das immer noch so?
Brian: Wir betrachten uns selbst überhaupt nicht als Teil von irgendetwas. Wir sehen uns einfach als eine Rockband, und spielen mit allen möglichen Bands zusammen. Gestern Abend sind wir mit Slayer aufgetreten, aber wir spielen auch mit Taking Back Sunday. Letzen Endes machen alle Rockmusik.
GETADDICTED: Was sind die Top 3 auf deinem MP3-Player?
Brian: The Smiths, Billy Joel und Crosby, Stills & Nash. Ich glaube, keiner von uns hört harte Musik. Wenn du selber laute Musik machst und dir bei einer Show eine Stunde lang die Seele aus dem Leib schreist, willst du danach nicht noch jemand anderen hören, der dich anschreit. Da bevorzuge ich definitiv sanftere Musik.
GETADDICTED: Vor vier Jahren hattet ihr die Chance, als Vorgruppe mit Metallica auf Tour zu gehen, aber ihr hattet keine Zeit, weil ihr im Studio wart.
Brian: Wir haben sogar ein paar Auftritte mit Metallica gespielt und es war gigantisch.
GETADDICTED: Glaubst du, dass ihr eine zweite Chance auf eine ganze Tour bekommt?
Brian: Das würde ich liebend gerne, jederzeit. Wir sind auch mit Anthrax durch Japan getourt und das war großartig und wirklich verrückt.
GETADDICTED: Wie hast du dich in Japan gefühlt?
Brian: Du fühlst dich wie ein Außerirdischer. Hier laufe ich über die Straße und sehe aus wie jeder andere. Ich kann zwar nichts lesen oder sprechen und es ist manchmal schwierig, Essen zu bestellen oder solche Sachen, aber ich fühle mich nicht sehr deplaziert. In Japan siehst du anders aus und fühlst dich anders in einer komplett anderen Kultur. Mit Europa teilen wir größtenteils die gleiche Kultur, mit denselben Göttern, Geschichten und Legenden. Aber da drüben hat man gar nichts gemeinsam. Es ist großartig dort, ein phantastischer Ort, komplett bizarr. Es ist verrückt, aber cool, wirklich wirklich cool.
GETADDICTED: Sind die Shows auch anders?
Brian: Ja. Die Leute sind still wenn du spielst und sobald ein Lied zu Ende ist, klatschen sie für dich. Wenn du sagst „Hey, alles klar? Wir sind From Autumn to Ashes, danke, dass ihr gekommen seid“, kannst du eine Stecknadel fallen hören. Sie hängen an jedem Wort, das du sagst. Man muss sich erst daran gewöhnen, denn zuerst denkst du, sie mögen es nicht - aber sie versuchen nur, dir genau zuzuhören. Wenn du das verstanden und dich dran gewöhnt hast, ist es ein gutes Gefühl, weil die Leute wirklich darauf achten, was du sagst.
GETADDICTED: Gibt es einen Ort, an dem ihr gerne spielen würdet, eine Band bei der ihr gerne Vorgruppe wärt?
Brian: Als Support von Queens Of The Stone Age würden wie gerne spielen. Und auftreten würde ich überall. Wir haben überlegt, in den nächsten Jahren mal nach Südafrika zu gehen, das wäre toll, wenn es klappt. Und wenn Queens Of The Stone Age uns dahin bringen würden, wäre das auch cool (lacht).
- From Autumn To Ashes in Köln 2008
- Galerie: From Autumn To Ashes in Köln 2008
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- Interview mit From Autumn To Ashes 2007
- From Autumn To Ashes . Holding A Wolf By The Ears






