DIETER BOHLEN UND ANDERE VOLLIDIOTEN

 

Die Fünf Fragezeichen mit Ghost Of Tom Joad

 

GETADDICTED: Nennt drei Schlagworte, die das Album beschreiben!
Ghost Of Tom Joad: Angepisst, minimalistisch, Freundschaft

GETADDICTED: Jedes neue Album ist „das beste, was wir jemals gemacht haben“. Warum ist dieses Album besser als das letzte oder der Rest der Welt?
Ghost Of Tom Joad: Wenn die Messlatte die Beatles „Revolver“ ist, dann haben wir uns gerade beim Hochsprung im Sportunterricht unbeliebt gemacht. Was heißen soll, dass man eine Messlatte nicht überspringen muss und versuchen sollte, etwas zwangsläufig neues zu machen. Wichtig ist, dass man das Ziel hat, die Messlatte beim Sprung runterzureißen. Im Sport hat man sich doch auch am meisten an die Vollidioten erinnert, die so beknackt aussahen beim Springen und nicht an die Überflieger.

GETADDICTED: Es kann nur einen geben: Welcher Song ist Dein Lieblingssong des neuen Albums?
Ghost Of Tom Joad: Köln-Brüssel-Paris.

GETADDICTED: Erzähl uns kurz, wie der Song entstanden ist und beschreib Deine Eindrücke oder Gefühle in der Entstehungsphase!
Ghost Of Tom Joad: Großes Thema, welches sich durch den ganzen Ghost of Tom Joad-Kosmos zieht: Freundschaft, vermissen und verzeihen. Große Worte für eine kleine Band, aber wenn du diese pathetischen Griffe runterbrichst auf das, was sie wirklich sind, dann bleiben Anrufe spät in der Nacht, lange Zugfahrten, verheulte Kissen und Augenränder. Zu Beginn war da diese Zeile „Seven days a week this bed will be too big“. Ich glaube aufgeschnappt haben wir das bei Dieter Bohlens Band Blue System. Kennt die eigentlich noch irgendwer? Egal, Wahnsinnsvideo. Was selbst Blue System nicht zerstören konnte, war diese Teenage Wahrheit in dieser Zeile. Also haben wir diese Zeile aus der quasi schmierigen Sonnenstudio- und Geschlechtsverkehr-Konnotation herausgenommen und einen Song daraus gemacht, der dieser Zeile würdiger ist. Was dann übrig bleibt, ist vermissen, vergessen, verzeihen. Klingt immer noch schmierig, ist aber leider nun mal besser....

GETADDICTED: Was bedeutet der Albumtitel? In drei Sätzen.
Ghost Of Tom Joad: Der Begriff des Fronterlebnisses hat eher eine negative Konnotation. Erster Weltkrieg, Nazis, zweiter Weltkrieg und all so was. Wir haben das aus diesem Begriffspool rausgenommen und in den Kriegsschauplatz in unserem Umfeld reingepackt: Disco. Wenn es dir gut dabei geht, in der Disco zu tanzen und jeden Abend in einem anderen Bett aufzuwachen, bitte schön. Aber ohne uns! Es wird auf dem Album „No Sleep Until Ostkreuz“ einen Song geben, der genau den EP-Titel trägt. Dabei geht es genau darum. Wenn das Wichtigste ist, zu bumsen und zu tanzen, dann sind wir gerne Langweiler und sitzen zu hause und hören Platten.

 

 

Interview: GETADDICTED