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HEINRICH HEINE GUT VERDAULICH
Interview mit Heaven Shall Burn in der Weststadthalle, Essen // 26. Dezember 2006
Zum feierlichen Metal(core)-Festmahl lassen sich Heaven Shall Burn am 26. Dezember bei ihrer ersten gemeinsamen Tour mit Caliban im Ruhrpott nieder. Buffettstövchen heizen den Backstage-Bereich der Essener Weststadthalle auf. Maik Weichert, Gitarrist und Liedtexter von Heaven Shall Burn, trägt unbeeindruckt davon seine Wollmütze. Rhetorische Fauxpas, Ähs, Mhms, Tjas und Puhs, sind bei meinem ersten Interview zwar mein ständiger Begleiter. Die einzigen Zeugen für diese Ausrutscher sind aber nur das Diktiergerät und Maik, der relaxt und unbefangen meine Fragen mit seinem Thüringer Akzent beantwortet.
GETADDICTED: Liegt das Zustandekommen eurer Texte an der „unruhigen Seele“ des Texters oder an einem Studium mit dem Schwerpunkt Geschichte?
Maik: (grinst) Da ich die Texte schreibe, kann ich den Aggregatzustand meiner Seele am schwersten einschätzen. Ich bin niemand der irgendwelche Tiefphasen benutzt, um kreativ zu sein. Das trifft bei einigen Künstlern zu, bei denen schwere oder depressive Phasen am fruchtbarsten oder produktivsten sind. So ist das bei uns eigentlich nicht. Ich würde eher sagen, es ist geschichtliches Interesse. Gerade Heinrich Heine hat es mir besonders angetan, weil er eine völlig untypische, deutsche Eigenart hatte, alles sehr sarkastisch, aber auch ziemlich visionär zu sehen. Ich denke, er ist einer unserer größten, poetischen Analytiker der deutschen Nation und ist immer noch ein bisschen unterbewertet. Da wir auch alle sehr politische Menschen sind und durch Musik die Möglichkeit haben, auf so viele Leute und junge Menschen zuzugehen, wäre es schade, dieses Medium dafür zu verschwenden, den Leuten die Ohren voll zu heulen. Man sollte lieber die Medienpräsenz, die man hat, dazu benutzen, den Leuten etwas zu vermitteln und nicht seinen Seelenmüll bei ihnen abstellen.
GETADDICTED: Seid ihr zufrieden mit euren neuen Aufnahmen oder seit ihr haltlose Perfektionisten?
Maik: Der Ansatzpunkt, es besser zu machen, sollte immer gegeben sein. Wir machen uns aber keinen Druck. Wir müssen zu dem Zeitpunkt, an dem wir ein Album fertig gemixt haben, zufrieden sein. Bis jetzt hat es auch immer eine Weile vorgehalten. Meist entdeckt man nach einem halben Jahr die Ecken und Kanten, die man beim nächsten Mal verbessern möchte. Die Gefahr ist jedoch, dass man genau die Fehler ausmerzt, die einige Menschen an der Band sympathisch und cool finden. Insofern sind wir da auch immer offen für Kritik von außen.
GETADDICTED: Ist euer Ehrgeiz so groß, dass ihr versucht ein Album zu toppen, um dementsprechend mehr Medienpräsenz zu erreichen? Vergleicht ihr euch auf Grund dessen auch mit anderen Bands, oder ist euch dieser Vergleich unwichtig?
Maik: Wenn Bands behaupten, dass der Vergleich mit anderen Bands egal sei, dann sind das Lügner. Solang man sich jedoch über den Erfolg der Anderen freut, geht man selber lockerer an die Sache ran. Neid und ungesunder Wettkampfgeist bringen einen nicht weit. Dass wir versuchen, mit einem neuen Album eins drauf zu setzten, ist ganz klar. Unter anderem schaut man auch zu Bands auf, die man mit uns nicht vergleichen kann. Eine Band, von der wir Riesen-Fans sind, weil sie mitunter auch aus unserer Gegend kommt und dort ihre ersten Konzerte gespielt hat, ist Rammstein. Wenn man sieht, was für coole Promoaktionen sie machen oder was für super Shows sie geben, kann man sich sicher auch ein bisschen was abschauen. Man sollte dem Stillstand entgehen und versuchen, besser zu werden oder zumindest gleich gut zu bleiben, aber sich dabei weiter zu entwickeln.
GETADDICTED: Die Frage, die ich dir jetzt stelle, interessiert mich persönlich sehr. Aus welchem Grund habt ihr für eure vorletzte Platte den Namen einer Frau aus der griechischen Antike gewählt?
Maik: (lacht und spricht „Antigone“ griechisch aus) Die Grundidee, war einen Freiheitskämpfer zu wählen. Da es in diesem Album nun mal um solche Menschen geht. Es ist aber relativ schwer, jemanden zu finden, der nicht schon von einer ideologischen Richtung okkupiert ist. Um das zu vermeiden, greift man auf die griechische Antike zurück. Politisch interessant ist, dass Antigone ein weiblicher Freiheitskämpfer war. Es hat auch in Griechenland relativ gutes Feedback gegeben. Wir haben zweimal dort gespielt. Dass das Album in den griechischen Charts eingestiegen ist, war eine super Überraschung. Uns ist dieses Völkchen schon sehr ans Herz gewachsen. Sie haben diese südländische Freundlichkeit, aber ohne dabei überheblich zu sein. Sie sind weltoffen. Das hat uns begeistert. Ich hoffe wir werden 2007 auch mal in Thessaloniki spielen.
GETADDICTED: Da ich dort noch keine Show dieser Musikrichtung gesehen habe, muss ich weiter bohren. Wie sind die Leute dort abgegangen?
Maik: (grinst) Ja, Wahnsinn. Es war schon eine Ecke lauter und herzlicher als hier in Deutschland. Jeder will einen umarmen und einladen.
GETADDICTED: Zurzeit tourt ihr mit Caliban. Wie ist das Verhältnis zu Caliban zustande gekommen? Habt Ihr ein inniges, freundschaftliches Verhältnis zueinander?
Maik: Das ist in den aller ersten Anfangstagen der Band zustande gekommen. Es gab damals noch nicht so viele Bands, die diese Musikrichtung eingeschlagen haben. Da Caliban und HSB später auch zusammen bei Lifeforce Records unterwegs waren, hat sich unser Verhältnis intensiviert. Zwischendurch bin ich auch mal aushilfsweise bei Caliban eingesprungen. Wir waren uns menschlich von Anfang an sehr sympathisch. Schön ist auch, dass man auf diesem höheren Level gut zusammen arbeiten kann und einen gesunden Konkurrenzkampf hat, ohne sich gegenseitig zu dissen. Es ist eine schöne Zusammenarbeit. Das haben wir auch mit den beiden Split- CDs dokumentiert.
GETADDICTED: Wie lange haben sich die Bandmitglieder von Caliban und HSB bis zum heutigen Tage nicht mehr gesehen?
Maik: Caliban-Gitarrist Marc und ich sind ziemlich gute Freunde und sehen uns auch privat öfter. Er kommt nach Weimar oder ich besuche ihn im Ruhrpott. Wir machen auch aus Spaß ein bisschen Musik zusammen. Es ist ganz selten, dass wir uns länger als ein Vierteljahr nicht sehen. Das jetzt ist allerdings die erste Tour, die wir zusammen machen.
GETADDICTED: Du bist ab und zu im Ruhrpott unterwegs?
Maik: Im Ruhrpott bin ich ganz oft unterwegs. Ich bin ja auch Fußballfan. Ich hab in den letzten zehn Jahren gemerkt, dass sich im Pott eine Menge getan hat. Viele graue und dreckige Plätze sind auf einmal grüne Veranstaltungsorte mit Edelrestaurants. (Maik sagt das mit einem gut gemeinten Schmunzeln.)
GETADDICTED: Themawechsel. Mit welcher Musik beschallt ihr euren Tourbus?
Maik: Bis jetzt haben wir noch gar keine Musik gehört. Da gerade das iPod-Zeitalter ausgebrochen ist, hört jeder was er will. Insofern schauen wir uns ab und an einige Musik-DvDs an. Wir haben Rammstein- und Kreator-DVDs mit. Zwischendurch wird auch mal ganz ruhige Musik gehört wie Sigur Rós.
GETADDICTED: Wonach seid ihr süchtig?
Maik: Also ich persönlich bin süchtig nach Musik und Sport. Wenn ich eine zeitlang keinen Sport getrieben habe, werde ich hibbelig und muss was dagegen tun.
GETADDICTED: Ihr habt also Hanteln mit im Tourbus?
Maik: (lacht) Ja nee. Wir haben so Gummibänder und ein paar Sachen für Liegestütze mit.
GETADDICTED: Meine letzte Frage ist die altbewährte Frage so kurz vor Jahresende. Was sind deine Vorsätze für das neue Jahr?
Maik: Ich hab mir vorgenommen, meinen Vater endgültig dazu zu bringen, mit dem Rauchen aufzuhören. Ansonsten möchte ich mir meine Zeit nächstes Jahr besser einteilen. Den inneren Schweinehund überwinden und ganz produktiv etwas zu machen, und nicht immer nur, wenn man muss. Aber es sind ja nur Vorsätze, hehe.
- Heaven Shall Burn . Iconoclast
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- Heaven Shall Burn - Deaf To Our Prayers






