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HEAVEN SHALL BURN
ICONOCLAST
[CENTURY MEDIA RECORDS]
Lesson One – Die Vorgeschichte: Es begab sich zu einer Zeit, da bauten die Moshtüftler Heaven Shall Burn, die dieser Tage mit „Iconoclast (Pt.1 The Final Resistance)“ ihr neues Album veröffentlichen, in den Tiefen des heimischen Proberaums Instrumente zu Flammenwerfern um. Allerdings führten die Brutzelorgien der Protagonisten anscheinend nicht nur bei zahlreichen Metalheads zu Mattenverlusten, sondern in den eigenen Reihen zu einigen durchgebrannten Sicherungen. Diese vermeintlich kühne Annahme rekrutiert sich aus folgender Erklärung von Gitarrist Mike zum aktuellen Werktitel: „Ikonoklasten sind Krieger, die geschickt werden, um die Mörder Gottes zu richten und zu zerstören. Gott ist tot, übrig geblieben ist nur der Wunsch, seinen Tod zu rächen.” Also Seite an Seite mit Nemesis gegen das Gute, das Böse und den Rest vom Schützenfest?
Lesson Two – Die Offenbarung: Es ließe sich natürlich anführen, dass Konsument die apokalyptischen Ergüsse nicht so ernst und als künstlerisches Konzept rezipieren sollte Nur: Müssen Heaven Shall Burn als Antithese einer substanzlosen Styler-Szene angepriesen werden? Wer regelmäßig im Bollo-Glashaus verkehrt, sollte nicht allzu laut mit Silberkettchen rasseln und Mesh-Caps schmeißen. Dabei mag das „Prädikat: Wertvoll“ durchaus seine Berechtigung haben. Dafür bedarf es aber schon einer intensiveren Beschäftigung mit der Album-Synopsis, die künstlerisch hochwertig im Enhancement-Bereich „versteckt“ ist.
Lesson Three – Die Erkenntnis: Neben dem letztlich verwirrenden Gottes-Diskurs, sind mehrfach Figuren des Dritten Reiches textlicher Gegenstand, beziehungsweise deren spätere Aufarbeitung. Daumen hoch für die Kritik an der Heroisierung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg („Quest For Resistance“), sowie die Beschäftigung mit dem Holocaust-Überlebenden und Nazi-Jäger Simon Wiesenthal („Against All Lies“).
Leider bereitet „The Bombs Of My Saviours“ aufgrund des an dieser Stelle nicht in Einzelheiten vorliegenden Songtextes Kopfzerbrechen und hinterlässt Fragezeichen. Thematisiert wird dort Victor Klemperer, dessen, der Wahrheit entsprechend fragwürdigen, Tagebücher allzu gerne zur Verurteilung der britischen Luftangriffe auf Dresden herangezogen werden. So endet die Geschichtsstunde ärgerlicherweise unbefriedigend mit einer Erkenntnis-Leerstelle.
Dennoch ein wohlwollendes Schlussfazit: Es ist nicht immer alles oberflächlich, was an der Oberfläche aufgrund von Vermarktungsstrategien als solches erscheint.
- Heaven Shall Burn . Iconoclast
- Interview mit Heaven Shall Burn in Essen // 26. Dezember 2006
- Heaven Shall Burn - Deaf To Our Prayers






