HORSE THE BAND

 

A NATURAL DEATH

[FERRET RECORDS]

 

Das neue Werk der Band, die sich Pferd nannte, hat nach einem Jahr nun endlich auch den Weg nach Deutschland gefunden. Das von Brian Virtue produzierte „A Natural Death“ präsentiert sich gewohnt genial-chaotisch, wenn auch etwas synthetischer im Sound, was wohl maßgeblich daran liegt, dass Keyboarder Erik Engstrom ein Programm zum Komponieren und Verwenden von Sounds auf dem guten alten GameBoy aufgetan hat. Sänger Nathan Winneke aka General Beam erklärt im MTV-Interview: „If you thought we were chaotic before, we’re, like, probably double chaotic now – in stranger and more unique ways, hopefully.“ Stimmt genau. Und philosophischer, wenn man es so nennen möchte.

Getreu dem Albumtitel geht es diesmal weniger um Film- und Videospiel-Metaphorik als vielmehr um Texte, die von Thematiken aus dem Bereich Natur und Sterblichkeit handeln. Engstrom aka Lord Gold dazu: “’A Natural Death’ is about the futility and arrogance of creation and destruction, the overwhelming scale of space and time, and the brutal majesty of nature, the horror of birth and the beauty of death. Everyone who will ever live will die a natural death, and will soon after be forgotten for eternity. Hopefully this album will serve as a warning to the human race to stop taking itself so seriously, as we have seen the dire consequences of its actions in the future. You are nothing.” Ganz schön pessimistisch. Dennoch: das Konzept hält durch. Der zweite Song “Murder” erzählt die Ermordung einer weißen Siedlerfamilie aus der Perspektive des Täters, eines Indianers im Jahre 1847: ¬Eine deutliche Parallele zu dem Charakter Blue Duck aus der Pulitzer-prämierten Romanserie “Lonesome Dove” von Larry McMurtry. Dieses Thema findet sich auch im Albumcover visuell verarbeitet wieder.

Die Songs “Face Of Bear” und “Kangarooster Meadows” hingegen weisen eine Sommer/Winter-Antithetik vor und wer möchte, kann das Album stundenlang unterbrechungsfrei in der Dauerschleife hören, der letzte Song “Lif” und der Opener “Hyperborea” gehen nämlich nahtlos ineinander über – wohl als Zeichen des natürlichen Kreislaufs von Leben und Tod. Bei genauem Zuhören wird der aufgeschlossene Musikfreund noch viele solcher Anspielungen finden. Keine Frage: Die Band hat ihre Hausaufgaben gemacht und serviert hier einen abwechslungreichen Kracher, der ihnen viele neue Fans bescheren dürfte, denn auch die musikalische Komponente kommt nicht zu kurz. Horse The Band sind – kaum zu glauben – noch frickeliger unterwegs als auf “The Mechanical Hand” und der großartigen “Pizza EP”. Momentan ist die Band noch auf ihrer selbstgebookten “Earth”-Tour unterwegs, die sie seit März durch 40 Länder und bald auch nach Deutschland führt. Eindeutige Pflichtveranstaltungen, ebenso wie dieses Album, dass sich niemand entgehen lassen sollte, der etwas mit Musik abseits der gängigen Metalcore-Schiene anfangen kann.

 

 

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Verfasser: Philipp Schulte

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