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DAS PRINZIP DER GESCHLOSSENHEIT
Interview mit Jason von Hot Water Music in Köln, August 2004
GETADDICTED: Hallo, wie geht’s? Wie fühlt man sich an solch einem Promotiontag, an dem man wahrscheinlich zigfach dieselben Fragen gestellt bekommt?Jason: Man könnte meinen, dass es die schlimmste Arbeit ist, die man als Musiker machen muss, aber ich empfinde es keineswegs so. Es gehört halt als Musiker dazu. Wenn man auf Tour ist, freut man sich halt, dass man ein wenig Abwechslung hat. Bei einem solchen Promotiontag ist es auch nicht anders. Besser mal 2-3 Tage nur Interviews geben, als total von der Welt ignoriert zu werden. (lacht)
GETADDICTED: Ich mag „The New What Next“ sehr gerne. Was war dein erster Eindruck über das Album?
Jason: Ich bin sehr stolz auf dieses Album. Es unterscheidet sich wirklich sehr von den anderen. Zum ersten Mal war es so, dass wir alle Vier Songs zu dieser Platte beigetragen haben. Jeder kam mit seiner Idee und wir haben alle zusammen an diesen Songs gearbeitet. Es wurde über alles diskutiert: Ob es die Riffs, die Melodien oder auch die Drum-Parts waren. Dadurch flossen viele Ideen zusammen und ich denke, dass man das auch auf der Platte hören kann. Kein Song klingt wie der andere. Die neuen Songs sind keine Einzelgänger mehr, die nur von einem geschrieben wurden, und das spricht für die Qualität als Band.
GETADDICTED: Kommt daher deine Aussage: „By a long-shot the easiest record we`ve ever made”?
Jason: Ja genau. Nach der langen Tour, die wir machten, war es einfach sehr entspannend, mit der gesamten Band an den neuen Songs zu arbeiten. Es vereinfachte vieles und es war die angenehmste Zeit, die ich bei einer Aufnahme je hatte. Ich denke auch, dass wir es durch diese Teamarbeit geschafft haben, einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen und wieder etwas Neues geschafft zu haben. Hätten wir es so gemacht, wie bei den Platten zuvor, wäre das Album nicht so gut geworden, wie es jetzt ist.
GETADDICTED: Wer hat die Reihenfolge der Songs auf der Platte entschieden? Denn sie wurde kurz vor der Veröffentlichung noch einmal geändert.
Jason: Chris und ich haben, als wir aus dem Studio kamen, der Plattenfirma unsere Tracklist geschickt. Sie wollten sie direkt haben, um so die Promotion starten zu können. Aber je länger wir drüber nachdachten, umso mehr Zweifel hatten wir. Deshalb sind wir noch einmal ins Studio gegangen und haben die Scheibe noch einmal abgemischt. Einige Songs bekamen eine neue Dynamik und wir stellten darauf hin auch die Trackliste neu zusammen.
GETADDICTED: Wir alle haben von Chucks Unfall gehört, dass er sich die Hand ziemlich stark verletzt hat. Hatte das irgendeinen Einfluss bei den Aufnahmen?
Jason: Wir hatten Glück im Unglück, wenn man so will. Der Unfall geschah einige Tage nachdem wir die Aufnahmen zu „The New What Next“ im Kasten hatten. Leider mussten wir dann im Frühjahr unsere geplante Tour absagen.
GETADDICTED: Wie geht es seiner Hand jetzt?
Jason: Er muss jetzt eine Therapie machen und wir hoffen alle, dass die Hand wieder so wird, wie es vor dem Unfall war. Die Wunde, die er hatte, ist verheilt, aber er kann immer noch keine Faust ballen.
GETADDICTED: Was genau ist denn passiert?
Jason: Es ist schwer, das detailgetreu zu erzählen. Er saß mit seiner Freundin am Strand in einem Liegestuhl. Beim Aufstehen ist er mit der Hand von der Lehne in ein Glas gefallen. Die Scherben drangen sehr tief ein und hinterließen eine fürchterliche Wunde. Zwei Sehnen und eine Arterie wurden durchtrennt.
GETADDICTED: Soviel ich weiß, steht doch jetzt auch eine Tour an. Habt ihr jetzt einen Gastgitarristen dabei?
Jason: Der Notfallplan ist vorhanden. Momentan übt Lawrence von den Mighty Mighty Bosstones die Tracks und wird sicherlich auf Tournee gehen. Wenn es nicht anders geht und die Hand nicht wieder 100% einsetzbar wird, werden wir uns sicherlich früher oder später nach einem neuen Gitaristen umschauen müssen und Chuck wird dann fortan nur noch singen. Aber wir alle hoffen, dass dieser Fall nicht eintreten wird und Chucks Hand wieder gesund wird.
GETADDICTED: Wie kommt ihr auf den Titel „The New What Next“?
Jason: Den Titel haben wir von einem alten Kinderbuch entnommen. Der Inhalt des Buches hat sehr gut zu der ganzen Situation gepasst in der wir uns befunden haben.
GETADDICTED: Ihr habt auch euren Namen, HOT WATER MUSIC, eines Buches von Charles Bukowski entnommen. Wo siehst du die Verbindung der einzelnen Wörter zueinander? Hot Water ist klar. Water Music ist schon etwas abstrakt wie auch Hot Music, was man aber wieder verstehen kann.
Jason: Uui. Über so was habe ich noch nie nachgedacht. Der Grund warum wir uns so nannten war der, dass wir nach einem Titel suchten der tight das widerspiegelt, was unsere Musik wiedergibt. Jetzt dort nach dem Zusammenhang der einzelnen Wörter zu suchen, spielt dabei keine Rolle. Aber es ist mal interessant, darüber nachzudenken.
GETADDICTED: Es ist euer letztes Album auf Epitaph, nicht wahr?
Jason: Ja, das stimmt. Der Vertrag, den wir mit ihnen gemacht haben, ist mit diesem Album jetzt erfüllt. Wir sind jetzt quasi frei und werden diese Freiheiten auch mal wieder ausnutzen. Wir wollen uns jetzt auch keine großartigen Gedanken darüber machen, was nächstes Jahr passiert. Wir sind sehr zufrieden mit dem Vertrag gewesen, aber jetzt wird es Zeit, was Neues zu suchen. Mal schauen was sich ergibt.
GETADDICTED: Welchen Song favorisiert du auf „The New What Next“?
Jason: Zum ersten Mal mag ich wirklich alle Songs auf einem Album. Da gibt es wirklich keinen Unterschied.
GETADDICTED: Ich finde, dass einige Songs sehr melancholisch wirken.
Jason: Es ist unterschiedlich. Ist zwar die dunkelste Platte, die wir wahrscheinlich je gemacht haben, dennoch gibt es auch positiv wirkenden Songs auf dem Album. Deshalb ist es nicht gerade melancholisch. Es spiegelt hat nur den Moment gut wider, in dem wir uns beim Songwriting gefunden haben.
GETADDICTED: Wie ist es denn, Teil einer Szene zu sein?
Jason: Klar wäre es schön, wenn jeder unsere Musik hören würde. Aber ich weiß, dass wir Teil einer bestimmten Szene sind und uns in dieser auch sehr wohl fühlen. Wir entstanden aus der Punk- und Hardcore-Szene und bezogen daraus die ganze Unterstützung, die wir brauchten, um uns so zu entwickeln, wie wir jetzt sind. Hätten wir nicht den Support gehabt, wären wir definitiv nicht hier. Denn als Band, die solche Musik macht, wie wir es machen, braucht man eine Fanbasis, um auf sich aufmerksam zu machen. Obwohl uns bewusst ist, dass nicht jeder Fan der ersten Stunde mit den neuen Sachen glücklich ist. Aber man kann es nie allen Recht machen. (lacht) Stillstand ist bekanntermaßen der Tod.
GETADDICTED: Freust du dich eigentlich schon wieder auf Tour zu gehen?
Jason: Ja, klar! Vor allem mit dem neuen Material wird es sicherlich sehr spannend sein, auf der Bühne zu stehen. Nach der relaxten Zeit zu Hause und im Studio bin ich echt wieder heiß darauf zu reisen.
GETADDICTED: Was ist das Geheimnis, sich während der Tour nicht auf die Eier zu gehen? Ihr sitzt wochenlang aufeinander und seid in einem kleinen Van unterwegs…
Jason: Es ist schon hart und Ende der Neunziger hatten wir auch eine Krise gehabt, dass wir untereinander eine Pause brauchten. Aber gerade in dieser Pause wurde uns klar, dass wir uns viel zu sehr mögen. Es hat einfach was gefehlt. Wir kennen uns schon so gut, dass wir wissen, wenn wir uns gegenseitig mal für eine Weile in Ruhe lassen. Jeder hat mal einen schlechten Tag und es ist normal, dass man ein wenig Abstand braucht. Die Macken des anderen sind bekannt und von daher ist das Zusammenleben auf dem begrenzten Raum möglich
GETADDICTED: Ihr habt euch 1994 gegründet. Das sind jetzt 10 Jahre HOT WATER MUSIC. Was war für dich der größte Moment in dieser Zeit?
Jason: Da gibt es wirklich viele Momente an die ich mich zurück erinnere. Zum Beispiel ist jede Veröffentlichung einer neuen HOT WATER MUSIC Platte für mich immer noch was Besonderes. Denn damals, als wir anfingen, hätten wir niemals daran gedacht, überhaupt in diesem Stile Alben zu machen.
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