I MIGHT BE WRONG

 

IT TENDS TO FLOW FROM HIGH TO LOW

[SINNBUS RECORDS]

 

Wie sich – laut Werbung – Giotto und Kaffee dermaßen anziehen und nicht besser zusammenpassen könnten, so verhält es sich mit dem zwölften Stock eines Hochhauses in einer Großstadt, Nieselregeln, einer Tasse heißem Tee und I Might Be Wrong. Der Fünfer aus Berlin katapultiert dich federleicht auf weichen Boden und leistet dir mit „It Tends To Flow From High To Low“ knappe 40min Gesellschaft, in welcher Reden völlig überflüssig wird. Was die Damen und Herren hier leisten, ist lupenreine akustische Melancholie für die individuellen Schwelgereien zwischen Hektik und Alltag. Die zehn teilweise computerunterunterstützten Stücke zwischen Gitarrenop, Indie und Electro graben sich ihre eigene kleine Nische und harmonieren perfekt zusammen; immerhin spielen die Damen und Herren schon eine Weile zusammen und können neben diesem Debütalbum zusätzlich mit der kürzlich erschienenen EP „Cold Comfort“ aufwarten. Dass hier der eine vor Langeweile umkommen mag, kümmert den anderen recht wenig. Denn wer die brüchig-schönen, von erhabener Melancholie bestückten Songs zu schätzen weiß, wird sie wie ein altes Kinderbuch pflegen. Die Stimme Lisa von Billerbecks kommt wunderbar zu Geltung und die einzelnen Instrumente unterstützen sich gegenseitig, sind perfekt aufeinander abgestimmt, was auf die homogene Gesamtproduktion zurückzuführen ist. Starke Minuten haben I Might Be Wrong vor allen bei „Cold Comfort“ oder „She Knits Lakes“, wenn auch manche Songs wie beispielsweise „Lightning Stripes, Then Rain“ arg langsam sind und bei falscher Anwendung leicht sedierend wirken können. Insgesamt aber ein beachtliches Debüt und man sollte I Might Be Wrong bei der richtigen Gelegenheit eine Chance einräumen: Man wird es nicht bereuen. Wasserkocher an!

 

 

Verfasser: Dennis Kalusche

Artverwandt: Sister Love, Kate Nash