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ILL NINO
ENIGMA
[CEMENTSHOES RECORDS]
Hier und da versuchen Ill Niño, ein paar lateinamerikanische Wurzeln in ihre Musik einzustreuen, aber es klingt schon recht gewollt und ist meilenweit von den gelungenen Experimenten auf Sepulturas "Chaos A.D." oder "Roots" entfernt. Der Teil der Musik, der nicht gezwungen "eingeboren" klingen will, ist aber gar nicht mal so schlecht - der Opener "The Alibi Of Tyrants" ballert mit ordentlich Druck aus den Boxen und hat auch einen hübsch eingängigen Refrain. Die nächsten beiden Songs stehen ihm in nichts nach. Klasse eigentlich - leider ist die Platte aber komplett überproduziert und klingt so glatt gebügelt wie man es vom "Stock-Aitken-Waterman"-Metal à la Limp Bizkit, Slipknot oder Linkin Park ja schon zur Genüge kennt.
Zum ersten Mal kräftig schlucken musste ich dann bei Song vier. "March Against Me" klingt als ob Kajagoogoo und Santana sich mit Fred Durst zusammen getan hätten - keine Ahnung, was so ein Song auf der Platte zu suchen hat. Aber es sollte noch schlimmer kommen. "Me Gusta La Soledad" hat mir auf der Hälfte von "Engima" einen erfrischenden Lachanfall beschert. Mit dem Stück gewinnen Ill Niño jeden Schlagerwettbewerb auf Mallorca, da bin ich mir ziemlich sicher. Mit schwülstigen Streichern unterlegter Latin-Pop, der textlich genauso grausam ist wie musikalisch. Geht gar nicht. Überhaupt nicht. Nach diesem Tiefpunkt kommen noch ein paar ganz ordentliche Stücke, aber irgendwie ist mir der Appetit vergangen. Wenn man 'ne Kakerlake im Essen findet, hat man selten Lust auf Nachschlag.
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