JONAS GOLDBAUM

 

UNSERE WELT BRAUCHT DICH

[ROADRUNNER RECORDS]

 

Kleine Quizfrage: Was haben Reinhard Fendrich, Toni Polster, Christina Stürmer und Jonas Goldbaum gemeinsam?
Allesamt Österreicher mit dem Vorhaben, in Deutschland was zu reißen. Nur während die ersten drei dabei mehr oder minder erfolgreich waren, hat sich letzterer gerade erst auf den Weg über die Alpen zu uns gemacht. In Wirklichkeit sind Jonas Goldbaum zu viert, kommen aus Wien und benannten sich – wie die Legende es so will – nach der kleinen Nichte des Sängers. Als die zum ersten Mal im Leben mit leuchtenden Augen einen Weihnachtbaum sah, benannte sie diesen in Goldbaum um.

Musikalisch bewegt sich das Debüt zwischen Gitarrenrocknummern und Alternative-Pop mit eingängigen Hooklines. Auf Gefrickel wird hier komplett verzichtet – weniger ist für Jonas Goldbaum mehr. Textlich konzentriert sich „Unsere Welt braucht Dich.“ auf Zwischenmenschliches. “Sternenparties“ zum Beispiel schwelgt in Erinnerungen an erste Erfahrungen mit Frauen, Feiern und freudespendende Mittelchen – oh du holde, sorgenfreie Jugend. Songs wie der Opener „Nichts mehr wie es war“, „Yeah Yeah Yeah“ und „Das dritte Jahrtausend fängt ja gut an“ dokumentieren Veränderungen im Leben und das Älterwerden. Alles in allem Momentaufnahmen, die jeder so oder so ähnlich schon mal erlebt hat. Wiedererkennen statt Weichen stellen ist hier angesagt.

Das große Problem von „Unsere Welt braucht dich.“: Vom ersten Track an denkt man, Frontgoldbaum Arne Lechner hätte Peter Sportfreund aka kleinster musizierender FC Bayern-Fan ever die Stimmbänder geklaut und wäre dann mit Peter Madsen zum Songwriting im Studio verschwunden. Wenigstens wird hier auf alberne „Wurst-Durst“-Reime verzichtet.
Insgesamt nicht viel Neues, aber auch nichts Schlechtes – nur an der Weltherrschaft werden Jonas Goldbaum wie die oben genannten Alpenrepubliker ebenfalls scheitern. Vielleicht wollen sie die aber auch gar nicht.

 

 

Verfasser: Henning Haake

Artverwandt: Sportfreunde Stiller, Madsen