"SCHÖNES RESTLEBEN NOCH"

 

Jupiter Jones unplugged im Cineplex, Münster // 22.05.2008

 

Zwei Punks mit Iro hocken vor der Saaltür - so weit so normal, nur dass sie eben im zweiten Stock des Münsteraner Cineplex sitzen, auf einem Teppich. Anderen stellt sich die Frage: Zum Akustikkonzert im festbestuhlten Kinosaal eher Nachos bzw. Popcorn oder einfach nur Bier? Der Auftakt der "Leise"-Tour von Jupiter Jones ist eben doch nicht so alltäglich.

 

Zum Beginn gibt es erstmal ein relativ überflüsig anmutendes Geplänkel mit dem (?) Kulturbeauftragen (?) des Kinos oder der Stadt Münster (?), der Nicholas und Sascha zum Thema befragt. Höhepunkt: "Was ist denn da euer Konzept?" - Nicholas: "Ja, unplugged, ne?". Nach einer etwas lang geratenen Kurzvorstellung der DVD kommt dann endlich der Teil, auf den der große Saal gewartet hat. Tobias Schmitz leitet am Piano "Unter uns Darwinfinken" ein, die Leute sinken in ihren Sesseln zusammen, der Rest der achtköpfigen Bandbestzung kommt auf die Bühne und lässt eine Show folgen, die zwischen Standing Ovations der Nackenhaare und bestem Ansagen-Entertainment pendelt.

„So kann ich immer jeden sehen, der rausgeht“, kommentiert Nicholas hämisch seinen Blick aufs Publikum und drückt quasi allen Beteiligten irgendwann mindestens einen Spruch. Symbolisch für den Abend stehen dann die beiden (vorerst) letzten Songs. E-Pianist Tobias wird eine „sadistische Freude“ an „Hank Williams wäre stolz auf uns“ unterstellt und dann geht’s los: Thorsten Schmitz lässt die die Finger in doppelter Schallgeschwindigkeit über die Tasten fliegen, dass selbst die Musiker angestrengt versuchen, nicht zu sabbern, vor allem als Drummer Marco Hontheim noch das Tempo grinsend anzieht. Nach diesem Rodeo-Ausritt sorgt „Auf das Leben“ für glasig-verträumte Augen. Mit dem letzten verklingenden Akkord reißt es den Saal aus den Sitzen.

Vor der Zugabe wünscht Nicholas dem Publikum herzlich: „Ein schönes Restleben“ noch, Jupiter Jones bieten ein schönes Restkonzert mit „Jupp“ und „Fulda, Horasplatz“. Endlich komt auch aus dem Publikum der Zwischenruf: „Großes Kino!“ gefolgt von Nicholas’ Konter: „Wenn der jetzt nicht endlich gekommen wär, hätten wir nächstes Mal auf dem Tennisplatz gespielt.“ Zwischen leeren Bierflaschen und Nachokrümeln bleibt die Erkenntnis, ein wahnsinnig beeindruckendes Konzert einer äußerst sympathischen Band erlebt zu haben. Dafür braucht man schließlich nicht Metallica.

 

 

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Text und Fotos: Jens Becker