"UND DANN HAB ICH AUCH GEWEINT"

 

Interview mit Kettcar-Bassist Reimer in Essen // 02.09.2005

 

 

GETADDICTED: Es gab in den letzten Monaten einen unheimlichen Medienrummel um Euch. Nerven Euch einige Fragen in den Interviews langsam?
Reimer: Eigentlich würde ich sagen, die Fragen um den Hype der deutschsprachigen Musik, aber im Grunde antworte ich da auch sehr gerne drauf. Ich sage halt gerne meine Meinung dazu. Ansonsten nerven die Fragen, die langweilig sind, zum Beispiel warum wir Kettcar heißen.
GETADDICTED: Ich wollte mir die Frage über deutschsprachige Musik eigentlich verkneifen, aber dann baue ich sie gleich noch ein.
Reimer: Du kannst mich auch gerne nach dem Namen fragen. Dann bin ich ein bisschen genervt, aber das geht dann schnell wieder (lacht).

GETADDICTED: Es gibt viele Leute, die Fotos nicht mögen, auf denen sie selber zu sehen sind. Wie ist es für euch, wenn ihr plötzlich in vielen Magazinen und dann auch noch auf Titelseiten abgebildet seid?
Reimer: Man gewöhnt sich daran, aber ich fühle mich auch nicht wohl dabei. Ich bin nicht der Typ – und da spreche ich wohl für die gesamte Band – dass wir nicht diejenigen sind, die sich gerne fotografieren lassen oder sich gerne vor die Kamera stellen, die sich auch gerne unterhalten, aber eben auch nicht so gerne mit Mikrofon dabei. Wir sind nicht so extrovertiert, aber auch keine introvertierten Typen. Wir sind wohl alle ein bisschen kamerascheu. Deshalb gucke ich mir das auch nicht alles an. Natürlich habe ich mir diesen Bericht in den Tagesthemen angeguckt. Marcus nd ich haben auch ein Interview für MTV Spin gegeben, aber das habe ich mir nicht angeguckt.
GETADDICTED: Du erwähnst gerade die Tagesthemen. Da wurdet ihr als „Poprock mit deutschen Texten“ beschrieben. Da haben wir’s jetzt: Das schreit ja nach einem Vergleich mit Silbermond oder Juli.
Reimer: Das tut es natürlich die ganze Zeit. Ich fand den Bericht in den Tagesthemen noch ganz okay, wir hatten da schon wesentlich schlimmere Sachen. „SAT1 Nacht“ war die Hölle. Da wurde erst das Video von Juli gezeigt, dann das von Silbermond und dann unseres – und der Bericht war über uns eigentlich. Das ist doch völlig absurd und wir wehren uns auch dagegen. Es war so, dass die ein Interview mit uns gemacht haben. Ich habe mich auch lange mit dem Redakteur unterhalten im Vorfeld und auch im Nachhinein und habe im unsere Position klar gemacht. Der wusste auch, dass wir das erste Album 2001 herausgebracht haben und der war auch nicht auf den Kopf gefallen. Deswegen hat mich der Bericht auch sehr erschüttert. Da fällst du wirklich vom Glauben ab, weil du denkst, der Typ war eigentlich ganz reflektiert, aber dann kommt da so was bei heraus. Und was sagt dir das? Dass man einfach nicht jeden Scheiß mitmachen sollte.

GETADDICTED: In anderen Magazinen stand zu eurem neuen Album „knappe 117 Sätze Wahrheiten“. Wie genau sollte eure Musik und sollten eure Texte seziert werden?
Reimer: Es ist teilweise schon sehr schwierig. Ich habe es früher ja genau so gemacht. Wir sind ja alle immer schon Fans von Musik gewesen, von Bands gewesen. Ich hab früher auch Housemartins- oder Smiths-Texte auseinander genommen, habe mir die übersetzt oder Übersetzungen gesucht. Das war für mich ganz wichtig und deshalb kann ich das auch ganz gut nachvollziehen. Schwierig wird es dann, wenn Mails kommen wie etwa „Wir sind seelenverwandt“, wenn Leute meinen, sie müssten ihr Leben jetzt nach diesen Texten richten. Wir haben nie versucht, irgendwelche Lebensentwürfe darzustellen, sondern unsere Texte sind ja größtenteils erfundene Geschichten. „Balkon gegenüber“ ist ausgedacht, das ist keiner von uns, „Balu“ ist nicht Marcus. Das ist auch eine fiktive Geschichte, auch wenn man das natürlich anders sehen möchte. Das dürfen die Leute nicht vergessen dabei. Wir haben natürlich versucht, das mit „Stockhausen, Bill Gates und ich“ aufzubrechen, weil der Text ja totaler Schwachsinn, wirklich total gaga ist, wo man einfach mal sehen sollte – das hatten wir so gedacht – dass nicht alles so wichtig ist, was Kettcar sagt, was Marcus Wiebusch sagt. Das muss man nicht alles auseinander nehmen, alles so auf die Waagschale legen. Aber das ist ja auch total nach hinten losgegangen. Der Song wird total auseinander genommen. Wir haben Mails gekriegt, „Stimmt das denn jetzt wirklich?“. Es ist so absurd! Als hätte Marcus eine Nacht mit Kalle Stockhausen und Bill Gates im Fahrstuhl verbracht und den gebrochenen Daumen von Carlos Santana dabei! Und dann sitzt du da kopfschüttelnd und fragst dich, was du darauf antworten sollst. (lacht) Mir ist es zu doof, darauf einfach zu antworten, dass das nur eine Geschichte ist, die wir uns ausgedacht haben. Deshalb antworte ich darauf meistens gar nichts.
GETADDICTED: Wie seid ihr auf die Idee mit dem Kinderchor in dem Lied gekommen. Wenn schon gaga, dann richtig?
Reimer: Das war gar nicht unsere Idee, sondern die von Sven Mayer, dem Produzenten. Er hat von Anfang an gesagt, dass die Gesangsmelodie so kindlich wäre und dass man das eigentlich mit einem Kinderchor machen müsste. Am nächsten Tag wurde dann rumtelefoniert im Bekanntenkreis. Und vor allem: Das ist gar kein Chor! Das waren sieben oder acht Kinder aus dem Bekanntenkreis des Studiobesitzers, die alle zwischen sieben und zwölf Jahren alt waren. Das wurde dann mehrmals aufgenommen und deshalb hört sich das an wie ein Chor. Wir hatten die Option, ob wir das überhaupt nehmen oder nicht. Aber uns gefiel das insgesamt ziemlich gut und deshalb haben wir das gemacht.

GETADDICTED: Bleiben wir noch mal kurz bei den Texten. Marcus Wiebusch wird oft als Gedankenschleuder bezeichnet. Wie äußert sich das im Proberaum etwa? Schwadroniert er die ganze Zeit rum?
Reimer: Nein, eigentlich gar nicht! Wenn er im Songwriter-Prozess ist, merkt man schon, dass er sich zurück zieht und stiller wird. Er schreibt die Songs eher im Kopf und nimmt sich dann auch Auszeiten. (in dem Moment kommt Tourmanager Rainer herein) Was willst du hier?
Rainer: Das Essen für die Bands...
Reimer (mit gespielter Empörung): Lass mich in Ruhe, ich habe noch gar keinen Hunger. (Rainer verschwindet schnell) Wir arbeiten ja zusammen im Grand Hotel und das sind eigentlich Thees (Ulmann, Sänger von Tomte und ebenfalls GHVC-Mann, Anm.), Marcus und ich und noch ein paar andere. Und Marcus kommt dann erst mittags ins Büro. Er hat dann morgens noch Texte geschrieben und in den Phasen wird er eigentlich ruhiger und zurück gezogener.
GETADDICTED: Auf der anderen Seite heißt es auch manchmal, Marcus Wiebusch klaut Texte wie ein Rabe.
Reimer: Das kriegen wir natürlich mit, das ist aber kein Klauen! Wenn das alles so einfach wäre, dann frage ich mich, warum diese Kritiker nicht auch solche Texte schreiben können. Es ist schon ein bisschen absurd. Textstellen wie „Jeder nur ein Kreuz“ ist natürlich von „Das Leben des Brian“, das weiß auch jeder und wir versuchen auch gar nicht, das zu verheimlichen. Das ist einfach ein Zitat aus einem Film und jeder weiß, was damit gemeint ist. Und ich weiß nicht, was daran schlimm sein soll. Oder zielst du noch auf was anderes ab? Dann sag das ruhig!
GETADDICTED: In „Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern“ ist die erste Strophe dem Anfang von „125 mph“ von New Model Army einfach zu ähnlich, als das es Zufall sein könnte.
Reimer: Echt? Das weiß ich zum Beispiel gar nicht! Aber es kann schon sein, dass er es daher hat. Ich weiß, dass er früher schon New Model Army-Fan war. Aber ich hoffe, es zielt auf eine ganz andere Geschichte ab als bei New Model Army. Marcus selber bezeichnet sich auch gerne als „Sample-Maschine“, er greift Texte gerne ab, auch aus Büchern und aus Filmen.

GETADDICTED: Im Visions Blind Date wurde den Jungs von ...and you will know us by the Trail of Dead „Stockhausen, Bill Gates und ich“ vorgespielt und die haben direkt auf David Hasselhoff getippt.
Reimer: Wie geil! (lacht laut) Die sind einfach so geil. Ich mag die ja wirklich sehr, aber die sind so dermaßen durcheinander. Also für mich ist das ja eher The Cure als David Hasselhoff. (summt eine Melodie). Also wenn, dann muss man schon hören, wo wir das geklaut haben (lacht). Ohmann, David Hasselhoff ist Alkoholiker, der ist total am Ende, was ist denn das für ein Vergleich (lacht weiter). Nee, das lasse ich nicht auf mir sitzen! Du kannst nicht wirklich Kettcar mit „I’ve been looking for freedom“ vergleichen! Und der hatte ja noch viel schlimmere Songs!
GETADDICTED: Sie haben aber direkt dazu gesagt, dass sie das in einem Club in Hamburg gehört haben, alle Leute hätten getanzt und sie auch.
Reimer: Das haben sie gesagt? Scheimer! (lacht)

GETADDICTED: Ihr wohnt ja in Hamburg und habt mit „Landungsbrücken raus“ auch eine Hymne für die Stadt geschrieben. Wie erlebt ihr im Vergleich dazu das Ruhrgebiet?
Reimer: Für uns ist es immer gut, hier zu sein, weil wir hier sehr gut angenommen werden. Als wir noch ganz klein waren, haben wir in Münster gespielt – okay das ist nicht Ruhrpott, aber recht nah dran – da war der Laden voll. Mmh, okay, das war wohl wegen Tomte, die wir supportet haben da. Aber auch unsere Konzerte im Pott waren immer gut besucht, wir haben nie Probleme gehabt hier. Ich habe immer das Gefühl, dass die Leute hier mehr auf Konzerte gehen als woanders, oder häufiger. Oder es kommt daher, dass hier alles so geballt ist, weil so viele Menschen auf einem Haufen sitzen. Die Fußballstadien sind immer voll, die Konzerte sind immer gut besucht. Entweder die Leute halten es zu Hause nicht aus oder was weiß ich. Wir hatten hier jedenfalls nie Probleme.

GETADDICTED: In „Balu“ kommt Wanne-Eickel ja nicht ganz so gut weg – als das totale Gegenteil von New York City. War das einfach so dahin geworfen?
Reimer: Was reimt sich sonst auf heikel? Ich glaube, das war eher das Problem. Das ist ja nicht böse gemeint, ich war noch nie in Wanne-Eickel. Es ist auch eher der Vergleich gemeint: New York, die riesige Metropole und dagegen das kleine, beschauliche Wanne-Eickel. Oder ist Wanne-Eickel so ein Synonym für „Scheißstadt“? So wie bei uns Pinneberg? Ist das für die Leute eine kleine Provokation? Ich dachte immer, im Ruhrpott wäre das Bottrop!

GETADDICTED: Ist euch eigentlich bewusst, dass ihr das Kettcar langsam verdrängt? Wenn man danach googelt, kommt erst auf der neunten Seite das erste Kettcar, vorher nur ihr!
Reimer (beleidigt lachend): Du kommst immer nur mit Vorwürfen! (lacht) Aber dafür kommen nur Kettcars, wenn du bei ebay danach suchst (lacht triumphierend weiter)! Glaubst du, uns kennen mehr Leute als das eigentliche Kettcar? Wir haben uns allerdings auch selber schon gefragt, wie es sein kann, dass das Publikum teilweise so jung geworden ist. Wir werden ja oft als „Erwachsenenband“ bezeichnet. Unsere Texte handeln ja viel von Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben. Dass das dann so ein 16-Jähriger nachvollziehen und sich damit identifizieren kann, wundert mich dann schon sehr. Aber es scheint ja so zu sein, irgendetwas gibt es denen ja! Dann stehen wir halt für Kettcar und die erinnern sich dann an ihr Bobby Car (lacht). Ich hätte auch immer eher gedacht, dass wir eine Zielgruppe zwischen 25 und 40 Jahren ansprechen. Ich habe vorgestern eine Mail gekriegt von zwei 14-jährigen Mädels, die heute gerne gekommen wären, aber nicht reinkommen, weil das Konzert ab 16 ist, und die waren deshalb ganz traurig. Die haben auch hinter jeden Satz Smileys oder – wie heißt das, Emoticons? – gemacht. Das ist auf der einen Seite total süß, auf der anderen für mich aber auch etwas befremdlich.

GETADDICTED: Ihr seid ja auch bei Sarah Kuttner aufgetreten. Wie war das? Ihr habt einen sehr nervösen Eindruck gemacht.
Reimer: Ich habe mich sehr unwohl gefühlt. Ich war nicht nervös, dafür war ich schon zu betrunken. Vor uns standen nur Kameras, das Publikum sitzt ganz links von dir. Das ist total komisch, weil du nur für Kameras spielst! Für mich war das ein Riesenaufwand für drei Minuten Song. Für mich war das Quatsch! Das einzige, was ich an dieser Sendung gut finde, sind die Gäste, die sie hat! Sowohl gute Bands, als auch gute Talkgäste. Bei uns war ja Olli Dittrich da und ich fand, er hat sie ganz schön in den Schatten gestellt. Ich mag ihn halt sehr, aber für diese Sendung habe ich sonst gar nichts übrig. Wenn so eine Anfrage kommt, überlegen wir schon genau, machen wir das oder lieber nicht. Wir sind da total unsicher, weil wir auch gar keine Erfahrung damit haben. Wir fragen dann rum. Wir sind zum Beispiel eng befreundet mit Fettes Brot, und die haben so etwas schon alles hinter sich. Die finden das super, aber sie sprechen auch ganz andere Zielgruppen an als wir. Insofern sind das Erfahrungen, die man sammelt. Ich würde das wieder machen, weil es vor dem Auftritt und nach dem Auftritt total nett war und diese drei Minuten zwischendurch überlebt man auch. Aber so was wie Top of the Pops würde ich zum Beispiel nicht machen. Da würde ich keinen Fuß reinsetzen. Viele schreien ja im Moment, dass Kettcar jetzt Ausverkauf ist, das wir alles mitmachen würden für Geld. Aber die kriegen ja auch gar nicht mit, was wir alles absagen! Insgesamt sagen wir mehr ab als wir wirklich machen.

GETADDICTED: Du erwähnst gerade Fettes Brot. In der Hip Hop-Szene machen ja oft die Künstler Projekte mit anderen. Wäre das für euch eine Option?
Reimer: Das ist ja das Phänomen! Es gibt ja diese ganzen Klüngel: Der Hamburger Schule-Clan mit Tocotronic, den Sternen, Blumfeld und so weiter, aber der Hip Hop ist da nie reingegangen. Die Hip Hopper machen nichts mit den Gitarrenleuten! Also Thees hat ja auf der letzten Sterne-CD eine Strophe gesungen, wo ja auch Judith Holofernes (Wir sind Helden) eine Strophe singt. Ich müsste mir vorher anhören, ob das taugt, ob das zu uns passt. Ich würde es nicht machen, nur um so eine All-Star-Geschichte auf die Beine zu stellen. Das wäre für mich unattraktiv. Wenn es ein guter Song ist und man sich darin wohlfühlt, dann würde ich da wohl mitmachen. Solche Leute wie Jan Delay kenne ich aber auch überhaupt nicht, höchstens vom Sehen her.

GETADDICTED: Wie siehst du dieses Projekt Hansen? Da sind ja Marcus Wiebusch und Thees Uhlmann beteiligt und du hattest auch deine Finger im Spiel.
Reimer: Das hatte ja ganz andere Gründe. Universal hatte zusammen mit Jürgen Vogel ja diese Idee mit dem Filmprojekt. Jürgen Vogel hat dann Songwriter gesucht und Universal hat ihm Platten vorgespielt. Er fand dann Tomte und Kettcar gut. So kamen Marcus und Thees ins Spiel, ich habe auch einen Song geschrieben und Jürgen Vogel singt die halt. Marcus hat die musikalische Seite koordiniert. Der Soundtrack erscheint beim Grand Hotel und der Film kommt im September ins Kino. Er wurde ja schon auf der Berlinale gezeigt. Der Film handelt ja davon, dass diese Hansen-Band auf Tour geht. Florian Lukas spielt den Bruder von Jürgen Vogel und er dokumentiert quasi als Bruder diese Tour von Hansen. Heike Makatsch spielt auch mit, sie ist mit Florian Lukas zusammen, hat aber was mit Jürgen Vogel. Das ist im Grunde die einzige vorgegebene Handlung, aber es gibt kein Drehbuch. Die Band ist losgefahren und die haben richtige Konzerte gespielt. Auf den Plakaten stand einfach nur „Grand Hotel van Cleef – Hansen“. Beim ersten Konzert waren 80 Leute da. Übers Internet hat sich dann natürlich schnell herum gesprochen, dass Jürgen Vogel, Marcus Wiebusch und Thees Uhlmann dabei sind. Beim nächsten Konzert war dann schon mehr los und am Ende standen Schlangen vor den Clubs! In Hamburg war das Wahnsinn. Das Konzert war im Molotow und die Leute standen die ganze Reeperbahn runter!

GETADDICTED: Ihr seid ja Fußball-Fans. Ist für euch nach dem Album vor dem Album?
Reimer: Nicht direkt. Wir haben zweieinhalb Jahre für das neue Album gebraucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir das Label noch haben, was ja auch ein Arsch voll Arbeit ist und wir da ja auch in der Verantwortung stehen. (in diesem Moment stoppt das Band). Oh! Kann man die umdrehen?
GETADDICTED: Kann man, aber ich möchte dich jetzt auch nicht so lange vom Essen abhalten.
Reimer: Kein Problem. Ich muss gleich nur noch diesen einen Text auswendig lernen, sonst geht das heute schwer nach hinten los! Ich kann von „Einer“ den Chorus nicht singen, weil das sind so viele Worte. „Zu zart, zu hart, zu weich, zu reich“(singt), ach nee quatsch! Falsch! Siehste! Ich tu mich so schwer damit, den auswendig zu lernen, weil ich mich immer verhaspele! Aber egal! Ich hätte es gerne so, dass nach dem Album vor dem Album ist. Ich würde mich gerne hinsetzen und sofort neue Songs schreiben. Das würde ich für alle gut finden. Aber das geht nicht! Zum einen hast du die Tour am Hals und so viel Rummel um dich herum ist. Es ist Wahnsinn, wie viele Interviews wir in letzter Zeit gegeben haben, das kennen wir eigentlich gar nicht! Und dann hast du abends auch einfach keinen Bock mehr, dich abends mit der Gitarre hinzusetzen. Deshalb wird es bis zum nächsten Album auch sicherlich wieder zwei Jahre dauern!

GETADDICTED: Hast du geweint als Winnetou gestorben ist?
Reimer: Puuh, ich glaube nicht. Ich hatte damals die Langspielplatten und auf denen ist das nicht so dramatisch gewesen. Als es dann im Fernsehen kam, kannte ich das ja schon. Ich glaube, das war der Grund. Aber in einem Film, da ist Jerry Lewis ein Clown mit Dean Martin zusammen. Und dann sitzt da ein behindertes Mädchen und lacht nicht! Alle lachen über ihn, er macht einen Quatsch nach dem anderen, nur das Mädchen nicht. Dann versucht er, sie immer zum Lachen zu bringen, aber sie tut es nicht. Dann fängt er an zu weinen, weil er es nicht schafft, sie zum Lachen zu bringen. Und als er weint, da fängt sie an zu lachen. Und da hab ich auch geweint!

 

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Interview: Jens Becker