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EIN ABGANG MIT STIL
Kinderzimmer Productions im Konzerthaus, Dortmund // 26.04.08
Hip Hop in Deutschland im Jahre 2008 – wer denkt da nicht sofort an Bushido und Konsorten? Ok, Fettes Brot gibt’s auch noch, aber als die Brote gebacken wurden, wimmelte es von guten, intelligenten Textern wie Fischmob oder eben Kinderzimmer Productions aus Ulm.
Im November letzten Jahres verkündeten Textor und DJ Quasi Modo
aber ihr Ende. Als einen der Gründe nennen sie auf ihrer Homepage
die Entwicklung des deutschen Hip Hops:
„HipHop hat sich in Deutschland in eine Richtung entwickelt, die
wir nicht mehr mittragen wollen. Andere können das gerne tun, wir
nehmen uns die Freiheit – jawohl, genau, die Freiheit! –
auszusteigen.“
Dieses Ende sollte nun mit ihrem letzten Liveauftritt im Dortmunder Konzerthaus eingeläutet werden, in dem sie unplugged auftraten. Na ja, fast unplugged, oder „zu 92% Straßenmusik kompatibel“ wie Textor alias Henrik von Holtum dem Publikum mitteilte, denn ganz ohne Strom kann ja ein DJ schlecht seine Arbeit verrichten. Auch Fabian Kalker spielte seinen Bass und Gitarre zum Teil elektrifiziert, aber der Rest der Band, Jürgen Schlachter am Schlagzeug, die grandiosen Bosum-Brüder zur gesanglichen Unterstützung und Peer Neumann am Klavier und sogar einer Chipstüte als Percussion sowie der studierte Bassist von Holtum mit seinem Kontrabass zauberten einen unglaublichen, manchmal leicht angejazzt klingen Klangteppich hin, der im Konzerthaus glasklar rüberkam.
Fast zwei Stunden lang ließen sie die gut 15 Jahre Bandgeschichte Revue passieren, spielten dabei ganz alte Songs wie "Marihuana", neuere Stücke wie "Geh kaputt" von ihrem letztjährigen Album "Asphalt" und natürlich auch Hits wie "Wo wir sind ist oben" oder "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint", bei dem Textor zugab, den Titel von seinem Englischlehrer geklaut zu haben. Auch "Nie wieder gut" wurde zum ersten und leider auch letzten Mal live gespielt, weil sie vorher im normalen Tourrahmen dazu nie die Gelegenheit hatten, das Stück adäquat umzusetzen.
Es bleibt zu wünschen, dass dieses denkwürdige Konzert vielleicht
noch im Rahmen einer DVD der Nachwelt erhalten bleibt, ein unvergesslicher
Abend war es in jeden Fall.
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