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ICH MAG DIESEN NUMETAL-KRAM NICHT
Interview mit Jesse von Lagwagon in Berlin (4. September 2003)
Was melodischen Punkrock angeht gehören Lagwagon mit Sicherheit neben NOFX zu den prägenden Bands. Als das Quintett, bei dem zwischen Sänger Joey Cape und Gitarrist „The Big Bitch“ ein Größenunterschied von etwa 35 Zentimetern besteht, durch Deutschland tourte, sprachen wir in Berlin mit Bassist Jesse.
getaddicted: Was hat Euer Name zu bedeuten?Jesse: Als Joey und sein Bruder Kinder waren, hat ihre Mutter sie in einem Bollerwagen herum gefahren. Später haben wir einen Song darüber gemacht. Da hießen wir noch Section8, haben dann aber festgestellt, dass der Name furchtbar ist und haben uns Lagwagon genannt.
getaddicted: Nach etwa 150 Jahren Lagwagon, habt ihr nicht irgendwie Lust, mal etwas ganz anderes zu machen?
Jesse: Ich habe eine andere Band, aber wir haben uns entschieden, keinen Namen zu haben, weil es halt nur ein Spaß-Projekt ist. Es ist eine Mischung aus Sunny Day Real Estate, aber klingt auch nach Noise oder Drive Like Jehu.
getaddicted: Bands werden oft nach ihren Einflüssen gefragt und Lagwagon wird dann oft genannt. Wie denkst Du darüber?
Jesse: Merkwürdig. Ich sehe uns als beeinflusst von vielen anderen Bands. Und dann nehmen die Leute diese Sammlung von verschiedenen Einflüssen selber als Einfluss. Aber es ist schon cool.
getaddicted:
Ihr habt mal mit Blink 182 getourt und die waren Eure Vorband.
Heute sind sie Rockstars, verdienen Millionen und fahren drei
Autos. Ist das ein Problem für Euch, wenn Bands so einem
vorbei ziehen?Jesse: Das ist eine Position, in der ich nicht stecken möchte. Um ehrlich zu sein, das Geld zu haben wäre natürlich cool, aber wenn man auf der Straße immer erkannt wird und jeder weiß, wer Du bist, das wäre nicht mein Ding. Dann lieber wie bei uns, niemand weiß wirklich, wer wir sind und wie wir aussehen. Wir wollen eigentlich am liebsten Musik machen und gute Shows spielen.
getaddicted: Niemand erkennt „The Big Bitch“?
Jesse: Okay, der wird natürlich erkannt.
getaddicted: Ihr spielt oft auf großen Festivals wie beim Terremoto oder früher auf dem Bizarre. Zieht Ihr Festivals kleinen Club-Konzerten vor?
Jesse: Ich ziehe definitiv kleine Konzerte vor. Festivals können lustig sein, wenn man mit Bands zusammen spielt, die man gut kennt und wenn da Bands spielen, die man selber sehen will. Aber sonst haben wir oft nur Spaß, wenn wir gerade selber spielen. Aber man ist da auf einer großen Bühne und bist so weit weg von allen.

getaddicted: Beim Terremoto hattet Ihr alle rote Kappen auf. Wie denkt Ihr über Fred Durst und Limp Bizkit?
Jesse: Naja, sie gehören nicht gerade zu meinen Lieblings-Bands - sagen wir's mal so. Ich mag einfach diesen ganzen NuMetal-Kram nicht. Als Fred Durst beim Terremoto auftauchte, mussten alle Bands den Backstage-Bereich räumen. Selbst Leute wie Beck mussten raus.
getaddicted: Was war Eure beste Show oder Tour?
Jesse: Unser erstes Mal in Japan war super. Es gab da mehr Fans als ich erwartet hatte.
getaddicted: Viele Leute sehen Unterschiede zwischen den USA, Europa Japan, was das Publikum angeht.
Jesse: In den USA und Europa ist es sehr ähnlich. Nur in Europa scheinen uns die Leute wirklich zu mögen. Der größte Unterschied ist, dass die Leute in Japan völlig ausflippen, schreien, herum springen. Und wenn der Song zu Ende ist, ist es plötzlich totenstill. Wenn einer im Backstage hustet, kann man das auf der Bühne hören. Und wenn der nächste Song anfängt, ist wieder Vollgas angesagt. Das ist schon sehr merkwürdig.
getaddicted: Habt Ihr schon mal Probleme mit Stage-Divern auf der Bühne gehabt?
Jesse: Manchmal. Meistens macht es mehr Spaß, vor allem für mich, wenn viele Leute auf der Bühne sind. Gestern zum Beispiel haben wir open-air auf einer riesigen Bühne gespielt. Plötzlich kamen Hunderte von Leuten auf die Bühne und ich hatte echt Probleme, die von mir weg zu halten, damit ich noch spielen kann. Auf dieser Tour haben wir viele erinnerungswürdige Momente gehabt, so viele wie seit langem nicht mehr.
getaddicted: Wo seht Ihr Euch in Zukunft mit Lagwagon?
Jesse: Wir machen einfach so lange wie es geht. Und dann werden wir wohl irgendwann aufhören und uns richtige Jobs suchen.
- Galerie: Lagwagon live in Köln 2007
- Interview mit Joey Cape in Köln 2006
- Galerie: Lagwagon live in Köln 2006
- Interview mit Jesse in Berlin 2003
- Lagwagon - Resolve
- Lagwagon - Live in a dive
- Me First And The Gimme Gimmes - Ruin Johnnys Bar Mitzwa
- Joey Cape/Tony Sly - Acoustic
- Galerie: Me First And The Gimme Gimmes live 2005 // 30. August 2005






