"WENN DER KUGELBLITZ EINSCHLÄGT ..."

 

Interview mit Leo Can Dive // August 2007

 

Im September erscheint das nach der gelobten „Gatecrasher“-EP heiß ersehnte Debütalbum von Leo Can Dive. Mit Ruhrpott-Charme haben die Duisburger so wenig am Hut wie mit Schimanski oder Gitarren-Soli. Die können sie nach eigenem Bekunden nicht – rocken schon!

 

GETADDICTED: Zuerst die obligatorische Frage nach dem Bandnamen. Geht es um die schmissige Abkürzung LCD oder kann Leo wirklich so gut springen oder gar tauchen?
Leo Can Dive: Ja, es geht um die schmissige Abkürzung. Neben MSV & XTC oder auch X-MAS, stand LCD fast auf gleicher Höhe mit LSD bevor ... Nein hat es nicht. Leo kann auch nicht besonders gut tauchen oder gar überhaupt schwimmen. Er war der letzte der zur Band hinzugestoßen ist. Seitdem ist er der Träger dieser besonderen Bürde.

GETADDICTED: Seit 2004 habt ihr eine viel gelobte EP rausgebracht, bei einem MTV-Contest abgesahnt, einen Major-Deal an Land gezogen und im Vorprogramm von Kooks, Madsen und anderen namhaften Bands gespielt. Ein recht steile Entwicklung. Was sind die nächsten Ziele?
Leo Can Dive: Ja, ist wirklich komisch, wie das alles so gekommen ist. Bei unserem ersten Konzert, auf dem wir unsere ersten fünf Stücke spielten, gab es uns gerade mal zwei Wochen. Dann ging alles irgendwie ziemlich schnell. Aber, so wie wir früher schon nicht versucht haben, irgendwas zu beeinflussen, tun wir es jetzt auch nicht. Obwohl, ein Ziel ist auf jeden Fall vielen Leuten unsere Platte vorzustellen. Ihnen zu zeigen, womit wir in den letzten Jahren unsere Zeit verbracht haben. Und wenn eines Tages unsere Miete automatisch von unserem Konto eingezogen werden kann – wir würden nicht meckern.

GETADDICTED: An welchen Auftritt erinnert Ihr Euch am liebsten und warum?
Leo Can Dive: An das Konzert mit Madsen in Rostock. Das war für uns unglaublich. Der Mau Club ist schon ein sehr cooler Laden und die Leute sind teilweise richtig ausgerastet. Das erste Konzert, bei dem wir uns auf der Bühne alle mit dem “Boah, was ist denn hier los?!“–Gesichtsausdruck anstarrten.

GETADDICTED: Wo war der übelste Backstageraum?
Leo Can Dive: Der war eindeutig in Krefeld. Eine Bahnhofskneipe mit Bühne. Der Backstageraum war im Schimmel- und Stinkekeller. Die Decken waren extrem niedrig und die Toilette ohne Tür und Licht. Zudem quatschte uns der Inhaber den ganzen Abend mit seinen alten Metal-Helden voll.

GETADDICTED: Euer Band-Info spielt ein bisschen mit den Ruhrgebiets-Klischees. War die Kindheit wirklich so schlimm zwischen all den Zechen und Hochöfen?
Leo Can Dive: Noch schlimmer. Nein, wir stehen nicht auf dieses Ruhrpottband-Charme-Dingen. Überhaupt gar nicht. Flo, der unsere Bio geschrieben hat, wollte aber auch nicht ausdrücken, dass wir zusammen unterm Hochofen Stullen schmierten. Wir fühlen uns hier wohl. Es gibt mehr Grün hier als andere denken. Man muss wegen uns Duisburg aber auch nicht zur Landeshauptstadt wählen.

GETADDICTED: Wo steht der MSV am Ende dieser Saison?
Leo Can Dive: Schwierig. Das erste Spiel war sehr gut. Beim zweiten war Luft nach oben. Wenn der Kugelblitz einschlägt, machen wir einen einstelligen Tabellenplatz. Absteigen werden wir dieses Jahr aber nicht.

GETADDICTED: Wer spielt auf einem Festival mit euch als Headliner?
Leo Can Dive: Ash, Biffy Clyro, Cooper Temple Clause, Idlewild, Weakerthans, Nada Surf, Billy Talent, Blur, Weezer, Deickind, Dendemann,…

GETADDICTED: Wer sollte mal einen Song von euch covern – und welchen?
Leo Can Dive: Tobias Kuhn – Bored ;) Rocken Tobse!

 

Interview: Jens Büttner
Foto: Jens Becker