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"FÜR EINE RIESENSTANGE GELD WÜRDEN WIR ES MACHEN!"
Interview mit den Mad Caddies in Coesfeld 2004
Gerade mit dem von vielen Bands gelobten deutschen Tour-Essen im Bauch sitzt Sascha von den Mad Caddies im Tourbus und klimpert auf einer Akustik-Gitarre, die die Band kurz vorher in Coesfeld gekauft hat. Allzu motiviert für ein Interview scheint er nicht zu sein...und dann auch noch die erste Frage...
GETADDICTED: Was hat es mit eurem Bandnamen auf sich?
Sascha: Man! Oh man! Wir hießen vorher anders, aber als wir einen Plattenvertrag unterzeichnen wollten, gab es schon eine Band, die auch so hieß...
GETADDICTED(unterbricht ihn abrupt): Danke, danke, das reicht. Ich weiß, dass ihr diese Frage hasst und wollte nur mal schauen, ob ihr sie trotzdem beantwortet.
Sascha (lacht, guckt grimmig und dreht sich demonstrativ auf seiner Klampfe spielend weg): Du Arsch! (lacht weiter)
GETADDICTED: Ihr seid aus Santa Barbara. Ich war nie da, aber die Stadt scheint es ziemlich hässlich zu sein.
Sascha (lacht vorsichtig): Wieso?
GETADDICTED: Ich habe das Gefühl, dass ihr permanent auf Tour seid. Ist das vielleicht, weil Santa Barbara nicht so schön ist?
Sascha: Wenn wir eine neue Platte machen, gehen wir immer sieben oder acht Monate auf Tour. Und Santa Barbara ist definitiv eine der schönsten Städte der Welt! Es ist sehr teuer und sehr schön!
GETADDICTED: Also seid ihr schon große Rockstars, die sich das leisten können?
Sascha (vorsichtig): Verarscht du mich jetzt wieder? Oder meinst du das ernst? Es gibt natürlich auch billigere Gegenden, aber die meisten sind halt schweineteuer. Das ist ein sehr begehrtes Pflaster. Deshalb leben da sehr viele reiche Leute – zwischen den Palmen, in der Nähe des Meeres und der Berge. Es ist schon sehr schön da.
GETADDICTED: Trotzdem tourt ihr ja sehr viel. Wer waren die Bands, mit denen ihr unterwegs am meisten Spaß hattet?
Sascha: Dazu gehören auf jeden Fall die Teen Idols, mit denen es superwitzig war, dann auch definitiv mit Flash Light Brown. Dann natürlich Throw Rag und Belvedere. Die haben wir uns selber ausgesucht, weil wir ihre Musik mögen und auch die Leute! Aber auch mit so vielen anderen Bands hatten wir Spaß, No Use For A Name, Rise Against, Strung Out. NOFX ist auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.
GETADDICTED: Ihr habt Euer Live-Album in Toronto aufgenommen. Wieso gerade da?
Sascha: Der Laden hat eine ziemlich gute Akustik. Und in Toronto sind die Shows immer gut, wir haben da immer sehr viel Spaß, die Leute gehen gut ab. Wir wussten halt vorher, dass die Atmosphäre da sehr gut sein wird.
GETADDICTED: Wo sind für euch Unterschiede zwischen Toronto, Deutschland oder den USA?
Sascha: Es ist eigentlich überall gleich. In Deutschland sind die Leute ein bisschen verrückter. Die trinken glaub ich viel mehr Bier, stagediven mehr und hüpfen mehr rum!
GETADDICTED: Ihr kündigt „Monkeys“ auf der Live-CD als „kind of dumb, but pretty good time“ an. Schämt ihr Euch mittlerweile für einige Songs und spielt welche prinzipiell gar nicht mehr?
Sascha: Also ich schäme mich definitiv für einige alte Songs. „Monkeys“ gehört nicht dazu, auch wenn es ein verdammt dämlicher Song ist! Als wir angefangen haben, mussten wir diese Songs natürlich spielen. Aber jetzt haben wir eine viel größere Auswahl an Liedern, die wir alle mögen.
GETADDICTED: Ihr habt ja mittlerweile auch Angebote von Majorlabels erhalten. Warum seid ihr bei Fat Wreck geblieben?
Sascha: Es ist ein großes Independent-Label. Fast alle Bands, die ich kenne, die damals dann von einem Major gesignt wurden, sind mittlerweile wieder fallen gelassen worden und haben sich aufgelöst. Damals war Ska recht populär in Amerika und wir wussten, dass die Labels mit uns das große Geld machen wollten. Ein Album rausbringen, ne schnelle Mark damit machen und sich dann nicht weiter um uns zu kümmern. Wir als Band waren denen doch egal. Und wir wussten auch, dass sich Fat Wreck mehr um die Musik kümmert, wir werden da sehr gut behandelt. Wir wollten uns lieber langsam eine Fan-Basis aufbauen. Schau dir die ganzen MTV-Bands doch mal an! Die machen ein Video, plötzlich finden alle sie gut und sechs Monate später mag sie keiner mehr! Wir haben uns gedacht, wir bleiben lieber bei einem Independent Label, vermarkten uns lieber übers Touren. Kurzfristig gesehen ist so ein Major-Deal natürlich gut, aber auf lange Sicht ist das, was wir gemacht haben, doch hilfreicher. Wir sind stolz, dass wir bis jetzt auf einem Indie-Label geblieben sind und es auf unsere Art gemacht haben!
GETADDICTED: Heißt das, dass ihr eventuell jetzt zu einem Major wechseln würdet, wenn ihr noch eine Chance kriegt?
Sascha: Wir würden es machen, aber nur für eine Riesenstange Geld! Das müsste schon einiges sein! Wir würden dann das große Geld machen mit einem Album und dann kehren wir zu Fat zurück und machen normal weiter (lacht). Ich würde niemals sagen, dass ich nie zu einem Major gehen würde, aber es müsste wie gesagt eine Menge Geld sein! Und Fat Mike wäre der erste, der sagen würde: „Macht es!!!“
GETADDICTED: Du erwähnst gerade die MTV-Bands. Viele haben ja auch schon bei Fernseh-Shows wie bei Jay Leno oder Jimmy Kimmel gespielt. Reizt Euch so was mal?
Sascha: Also bis jetzt haben wir zwar viel live im Radio gespielt, aber noch nie im Fernsehen. Aber mal in so einer Fernsehstudio-Atmosphäre zu spielen, ist bestimmt mal interessant. Es ist immer reizvoll, was anderes auszuprobieren. Es wäre mit Sicherheit seltsam und auch nicht das beste Konzert, was wir gespielt haben, aber mal wieder etwas, zu dem man sagen kann, das wir’s gemacht haben!
GETADDICTED: Ich kenne viele Leute, die eure Musik und auch generell kalifornischen Punkrock als „Uns scheint die Sonne ausm Arsch“-Musik bezeichnen. Wie steht ihr zu solchen Kritikern?
Sascha (lacht laut): Was bitte?
Chuck (der gerade in den Bus gestiegen ist): Wie? Das soll Kritik sein? Hey man!!! Wir kommen aus Kalifornien. Uns scheint nun mal die Sonne ausm Arsch! Und auf den Arsch! Die sind doch nur neidisch auf unser Wetter! (lacht)
Sascha: Manche mögen unsere Musik, manche nicht! Ist mir doch egal! Es gibt Leute, denen es gefällt, die kommen zu den Konzerten oder kaufen unsere Platten. Das ist cool für uns!
GETADDICTED: Wie ist das, wenn ihr neue Songs schreibt? Gibt’s da nicht manchmal Ärger, wenn man mit sechs Leuten an einem Song werkelt?
Sascha: Klar, das gibt es schon mal. Aber es ist meistens so, dass Chuck und ich die Hauptideen bringen und wir dann gemeinsam den Song entwickeln. Sicher ist es manchmal schwierig, vor allem die Balance für ein Album zu halten, dass nicht zu viele Reggae-Song oder zu viele Punkrock-Songs auf einem Album sind. Aber das kriegen wir schon. Was mir auch vorschwebt, sind EP’s mit wirklich nur einer Richtung, als eine reine Punkrock-EP, eine reine Reggae-EP und vielleicht noch eine viel jazzigere.
GETADDICTED: Ist das eine Idee oder ist da schon was in Planung?
Sascha: Nein, bis jetzt ist das eine reine Idee. Ihr braucht noch nicht auf die Veröffentlichungen warten!
GETADDICTED: Wie sieht dein ideales Wochenende aus, wenn ihr mal nicht auf Tour seid?
Sascha: Genau so wie alle anderen. In Kalifornien ist es ziemlich warm. Man kann oft und lange abends grillen. Ich koche auch sehr gerne. Dann sitzen wir da abends mit ein paar Leuten, trinken Bier. Sonntags ist natürlich immer Football! Ich bin absoluter Steelers-Fan (zeigt auf seine Steelers-Kappe). Nichts besonderes! Wenn wir auf Tour sind, erleben wir so viel aufregendes. Jeden Abend wird gefeiert, Bier oder Whisky getrunken. Dann ist man froh, wenn es zu hause mal ruhiger ist. Wir fahren zwar heute abend noch weiter zur nächsten Show, aber ich denke mal, dass wir noch ein bisschen in diesem Club hier bleiben. Da läuft ja auch mit Sicherheit noch nette Musik. Und dann geht’s wieder in den Bus und ab!
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