"DA MUSS SCHON MORRISSEY KOMMEN"

 

Interview mit Tom von Maroon // Oktober 2007

 

GETADDICTED: Worin liegt für euch der größte Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger?
Tom: Ich denke, die neue Platte ist noch abwechslungsreicher. Alle Zutaten wurden noch einmal ausgebaut. Also die harten Sachen sind noch härter ausgefallen, und die Melodien sind noch melodiöser… Ich weiß, dass man das immer sagt, aber es ist die beste Platte die wir bisher gemacht haben!

GETADDICTED: Wie kam es zu dem „Inspektor Gadget“-Ausflug in „[Reach] The Sun“? Ihr seid doch böse Metaller.
Tom: Das ist nicht von Inspektor Gadget, sondern von Edvard Grieg, einem norwegischen Komponisten. Wir hatten den Song, und als Riechtor angefangen hat, seine Soli auf die Songs zu packen, kam er beim Jammen mal mit diesem Teil um die Ecke! Wir fanden das alles super, also haben wir das genommen … Und böse ist das doch allemal, oder nicht?

GETADDICTED: Mit welchem Attribut wollt ihr „Cold Heart Of The Sun“ nicht versehen bekommen?
Tom: Ach, da fällt mir nichts ein! Die Leute können doch sagen, was sie wollen. Gut, ich finde es nicht so schön, wenn man sagen würde, die Platte ist der letzte Scheißdreck, aber sonst ist alles möglich.

GETADDICTED: In der Bio heißt es, dass die Tour mit As I Lay Dying, Darkes Hour und Himsa „DIE Tour in Sachen modernen Metals in der zweiten Jahreshälfte“ wäre. Was war für euch das herausragendste an dieser Tour?
Tom: Es war einfach eine super Stimmung. Bei manchen Touren kommt es halt immer mal zu Reibereien. Irgendwelche Sachen sind nicht optimal organisiert und deshalb entstehen kleinere Unstimmigkeiten. Aber bei dieser Tour war vom ersten Tag an alles prima! Alle Bands haben sich auf Anhieb super verstanden, es gab keinerlei Restriktionen und wir alle hatten eine Mange Spaß. Und natürlich ist ein Tourschnitt von über 1000 Leuten jeden Abend auch nicht das Schlechteste. Besonders die letzte Show in Stockholm war für mich einer der Höhepunkte auf dieser Tour!

GETADDICTED: Welche war denn DIE Tour in der ersten Jahreshälfte?
Tom: Für mich persönlich nichts. Ich gehe nicht allzu häufig auf Konzerte. Da muss schon MORRISSEY kommen! Ich habe auch ehrlich gesagt keine Ahnung, wer dieses Jahr so auf Tour war.

GETADDICTED: Ihr habt zwei Shows als Support von Korn gespielt. Als Support für eine so „populäre“ Band zu spielen, kann funktionieren, aber auch daneben gehen, weil die Leute schließlich nicht wegen euch gekommen sind. Wie habt ihr’s erlebt?
Tom: Super. Die Leute waren sofort auf unserer Seite und hatten ihren Spaß. Wir hatten auch ein wenig Bedenken, aber am Ende hat sich rausgestellt, dass diese komplett unbegründet waren.

GETADDICTED: Ich erinnere mich (dunkel) an ein Konzert von euch mit Avery und einer italienischen Metalband in einem dunklen Kellerraum in Recklinghausen. Wie habt ihr die Zeit in Erinnerung?
Tom: An dieses Konzert kann ich mich gar nicht erinnern. Wann war das? Ich erinnere mich im Großen und Ganzen gern an diese Zeit, und wir spielen ja immer noch solche Shows. Eines unser besten Konzerte dieses Jahr war in Cottbus in einem Laden, der bei 300 Leuten komplett auseinander geplatzt ist. Da ist der Schweiß von der Decke getropft. Klar haben wir früher einen Haufen Scheiße gespielt, aber das ist doch normal.

GETADDICTED: Was ist eurer Meinung nach der entscheidende Punkt, warum ihr heute euer Standing habt und viele Bands einfach verschwunden sind?
Tom: Ich denke, weil wir immer am Ball geblieben sind und eben jene Scheiße immer wieder mitgemacht haben, von der ich eben gesprochen habe. Wir waren uns selten zu fein für irgendwelche Sachen und haben immer hart gearbeitet. Vielleicht ist es diese Hartnäckigkeit, die uns immer wieder einen Schritt weiter bringt. Ich denke auch, dass man ein wenig verrückt sein muss. Seit ich Kind bin, gibt es für mich nichts anderes außer Musik. Ich kann gar nichts anderes und wollte nie etwas anderes. Aus diesem Grund haben wir alle viel Dreck gefressen und dennoch immer weitergemacht.

GETADDICTED: Bei welcher Band aus der Zeit würdet ihr euch wünschen, dass sie heute noch existieren würde?
Tom: Da fällt mir spontan niemand ein. Zumindest nicht aus unserem Genre. Es gab Bands, die ihre Zeit hatten und von denen ich mir heute noch gern die alten Scheiben anhöre, die ich mir aber schwer heute noch aktiv vorstellen könnte. Ich finde sogar, dass eine frühe Auflösung den Mythos einer Band noch steigern kann und ihre Erinnerung deswegen noch viel wertvoller macht. Deshalb habe ich auch große Probleme mit Reunions!

GETADDICTED: Der Kneipenführer Chemnitz führt die “Maroon Bar” als die nobelste Cocktailbar der Stadt an. Ist das eure Altersvorsorge, falls das neue Album floppt? Und wie verträgt sich das mit euren Einstellungen?
Tom: Mist! Jetzt ist es also raus wo wir unsere Millionen waschen! Nein, ich habe noch nie etwas von solch einer Bar gehört, würde aber gerne ins Geschäft mit einsteigen. Die Bar scheint ja gut zu laufen…

 

 

Interview: Jens Becker