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VIER SCHWEDEN, ZWEI ALBEN, EIN DRUMMER
Nikola Sarcevic live im Prime Club, Köln // 26. November 2006
Nikola Sarcevic, dessen Aufgabe primär darin besteht, bei Schwedens Aushängeschild in Sachen Punkrock, Millencolin, neben dem Gesangseinlagen, den Bass zu bedienen, hat bereits mit seinem 2004er Solodebutalbum „Lock Sport Krock“ bewiesen, dass er auch die andere Seite seiner Gefühlswelt vertonen kann, die nicht unbedingt mit rumhopsen und Skateboard fahren zu tun hat. Heraus kam ein wunderschönes kleines Balladenalbum mit unverkennbarem Countryanhauch, das vorwiegend von Akustikgitarren und Nikolas ruhigem, klarem Gesang getragen wird. Auf die Singer/Songwriterqualitäten, die ihm vielerorts von überraschten Plattenrezisoren attestiert wurden, legte er mit seinem zweiten, im Oktober erschienen Soloalbum „Roll Roll and Flee“, noch einen drauf. Aus gegebenem Anlass ließ sich Nikola mit „einigen guten Freunden“ und einem Drummer, den er erst vor zehn Tagen kennen gelernt hat, im Prime Club zu Köln blicken. Hauptgrund, weshalb besagter Drummer hinten den Fellen Platz nehmen durfte, war laut Herrn Sarcevic selbst: „Er sagte er könne Schlagzeug spielen und war mir sympathisch.“ Dessen Namen konnte er sich aber nicht einprägen. Er durfte sich selbst vorstellen. Irgendwas mit Rodriguez glaubt der Verfasser verstanden zu haben. Jedenfalls lieferte der kahlköpfige Nikola mit seiner namenlosen Begleitband eine dermaßen gelungene Konzerteinlage ab, dass es nach dem Gang in den Backstagebereich drei Wiedersehen mit dem hungrigen gab. Die erste wurde mit „Lovetrap“ eröffnet, der schwedischen Single des ersten Albums.
Die Nordlichter (und der vermeintliche hispanische Drumfellschreichler) ließen keinesfalls das neue der beiden Alben bei der Songauswahl überwiegen. Es gab „Roll Roll and Flee“und „Soul for sale“ genauso wie “Nobody without you” und “New Fool”. Melancholisches Highlight war sicherlich “Lock Sport Krock”. Nikola, alleine mit Akustikgitarre singt über seinen verschollenen Bruder. Das treibt selbst dem gestandensten Skater oder Punkrocker eine Träne in die Augen. Und wenn’s auch nur eine kleine ist.
Andere Künstler müssen mit einer entsprechend spektakulären Show ihre musikalischen Fähigkeiten überspielen. Bei der kleinen, intimen Livepräsentation im Prime Club (allerhöchstens 200 Leute) sorgten alleine die dargebotenen Songs für eine einzigartige Atmosphäre. Vertreter der Denglischen Sprachweise könnten es durchaus mit „chillig“ beschreiben. Präsentiert von einem lockeren Millencolin-Frontmann mit seinen sympathischen Freunden und mit viel Hingabe. Auch wenn sie die gesamte Setlist noch einmal von vorne hätten starten können, wurden sie am Ende doch untern tosenden Applaus gehen gelassen. Denn wie Nikola vorher bekannt gab: „Schweden brauchen 9 Stunden Schlaf am Tag.“ Na, dann mal „Gute Nacht!“
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