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MIT TÄTOWIERNADEL UND BILLIGBIER VON AUSTRALIEN IN DEN RUHRPOTT
Interview mit Misery Signals in Bochum // 31. März 2007
Ein Mann mit langen Haaren und lustigem Kinnbart wird überraschend angesprochen, nachdem er die letzte Stufe des Tourbus verlassen und den staubigen Ruhrgebietsboden betreten hat. „Ja ich bin Sean Kenny, der Tourmanager“, entgegnet er. „Aber ich habe keine Ahnung von Interviewterminen. Komm mal mit.“ Ich folge ihm in die Katakomben der Bochumer Matrix. Unten angekommen ruft er direkt in eine Ecke des Backstagebereichs: „Hey Kyle! Hier ist wieder einer eurer Interviewer, der für meine hohen Handyrechungen verantwortlich ist. Ich muss unbedingt herausfinden, wer denen immer meine amerikanische Nummer gibt.“ Er grinst mich an und verzieht sich wieder an die frische Luft. Nach den standesgemäßen Begrüßungsfloskeln, verdrücken sich und Kyle (Johnson, Bassist) und ich in eine einigermaßen ruhige Ecke.
GETADDICTED: Ihr habt euren neuen Sänger Karl (Schubach, Anm.) quasi per Myspace gefunden. Ist Karl denn zufällig in der Nähe?
Kyle: Ich glaube der schläft momentan im Tourbus, habe ihn in letzter Zeit hier nicht rum rennen sehen.
GETADDICTED: Schade. Ich würde nämlich gerne erfahren, ob er eigentlich deutsche Vorfahren hat. Sein Name ist zu 100 Prozent deutsch.
Kyle: Ja, das ist er wirklich. Ich bin mir so gar ziemlich sicher, dass nicht nur sein Name 100%ig deutsch ist. Er lebt zwar in Kanada, aber seine Eltern sind Deutsche. Vielleicht bekommst du ihn ja noch vor der Show zu fassen.
GETADDICTED: Das wäre natürlich scharf. Wie war es eigentlich, als er zu euch als Einheit Band stieß?
Kyle: Es hat überraschend gut funktioniert. Es war das erste Mal, dass wir uns für ein neues Bandmitglied entschieden haben, das keiner von uns kannte. Am Anfang war es natürlich etwas komisch, aber er hat sich gut integrieren können. Als wir zusammen entschieden haben, den Instrumentalsong auf die Seite zu setzen, lief es ja auf einen Unbekannten hinaus, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so gut laufen würde.
GETADDICTED: Die meisten Lyrics eures ersten Albums „Of Malice And The Magnum Heart“ sind sehr persönliche Texte des damaligen Sängers Jesse (Zaraska, Anm.). Spielt ihr trotzdem Lieder von dem Album auch ohne Jesse?
Kyle: Ja, natürlich. Die meisten des Sets sind von „Of Malice …“. Tracks wie “The Year Summer Ended In June“ oder “Dream Atlantic” von der EP allerdings nicht mehr. Die sind wirklich zu intim. Wir haben das mit Jesse damals auch so abgemacht.
GETADDICTED: Habt ihr denn noch Kontakt zu ihm?
Kyle: Mittlerweile wieder. Eine Zeit war zwar komplette Funkstille, aber mittlerweile hängt er wieder ab und zu mit uns rum.
GETADDICTED: Okay kommen wir zu den anderen Bandmitgliedern. Ihr habt ja ein Geschwisterpaar in eurer Band, Brandan und Ryan Morgan, gibt es da nicht manchmal kleine Streitereien auf Tour oder während der Aufnahmen?
Kyle: Nein. Man könnte zwar denken, dass sie zeitweise ihre brüderlichen Fehden auszutragen haben, aber eigentlich ist es bis jetzt immer gut gegangen.
GETADDICTED: Ihr seid in letzter Zeit ganz schön rum gekommen. Ihr wart in Australien und England unterwegs. Hast du besondere Unterschiede zwischen dem Publikum hier, in London oder Sydney feststellen können?
Kyle: Der größte Unterschied ist verständlicherweise die Sprachbarriere. In Australien und England ist es natürlich nicht so schwierig mit dem Publikum zu kommunizieren. Bei euch sind die Zuschauer aber auch auffallend zurückhaltend und gehen nicht so ab. Trotzdem mache die Shows auch hier mächtig Spaß.
GETADDICTED: Das hört man natürlich gerne. Kommen wir noch mal zurück zu Myspace. Ihr wart Anfang des Jahres zum ersten Mal in Australien auf Tour und habt darüber ein Online-Tagebuch geführt. Dort habe ich was von zwei kuriosen Shows an einem Ort gelesen. Das erste war für 18+ Personen und das am nächsten Tag für Jugendliche unter 18. Ist das Down Under immer so?
Kyle: Nein, es war das einzige Mal mit einer Altersbegrenzung. Warum kann ich dir aber auch nicht sagen. Primär wird es mit dem Ausschank von Alkohol zu tun haben. Es war uns allerdings auch neu und auch etwas merkwürdig. Man muss aber sagen, dass die kleinen Kids im Pit aktiver waren!
GETADDICTED: Jetzt kommt ne Spaßfrage: Australien ist ja für seine einmalige Tierwelt bekannt. Konntest du evtl. Parallelen im Aussehen und/oder Verhalten dieser exotischen Tier mit Mitgliedern von MISERY SIGNALS sehen?
Kyle: (lacht) Lustigerweise, ja. Ich und Ryan sind nach der Tour noch einmal kurz privat runter geflogen. Als wir an einem Abend mit ein paar Leuten rumhangen, kamen wir wirklich darauf zu sprechen, wer welchem Tier ähnelt. Am Ende war Ryan eine Giraffe und ich ein kleiner Spinnenaffe. Die anderen Bandmitglieder habe ich noch nicht untersuchen können. (grinst) Karl könnte evtl. Richtung Gorilla oder Löwe gehen.
GETADDICTED: Und direkt die nächste Frage bzgl. Australien. Alles fängt am ersten Tag mit XXXX-Bier an…
Kyle: (Krempelt sofort ungefragt das linke Bein seiner Hose hoch und zeigt auf ein Tattoo) Das hier ist das Logo des Gebräus (lacht). Stu hat es ebenfalls da und Karl links am Bauch, glaube ich.
GETADDICTED: Um noch mal auf den kuriosen Namen zu kommen. Trotzdem ist es kein Straight Edge Bier und schmeckt nach Salat, oder?
Kyle: (lacht erneut) Nein, Nein. Es war einfach das erste billige Bier, das uns da in die Finger kam. Es war einfach zu komisch.
GETADDICTED: Also ist entgegen meiner Vermutung niemand aus der Band mehr Anhänger der Straight Edge-Bewegung.
Kyle: Nein, nicht mehr. Bei 7 Angels 7 Plagues waren wir alle Straight Edge. Aber die Zeiten haben sich geändert. Man wurde älter und überdachte gewisse Dinge noch einmal.
GETADDICTED: Ich schreibe für das Magazin „getaddicted“. Würdest du sagen, dass du süchtig nach etwas bist außer Drogen, Musik oder Frauen?
Kyle: Ja, schon. Ich denke ich bin mittlerweile süchtig nach Fast Food. Was natürlich ein wenig verrückt ist.
GETADDICTED: Dann wirst du ja alle kulinarischen Köstlichenkeiten bei McDonalds in Sydney, London und Berlin kennen.
Kyle: Genau so ist es. (lacht)
GETADDICTED: Okay, ich bedanke mich erstmal bei dir für die genommene Zeit.
Kyle: Keine Ursache. Immer gerne. Wir können ja mal gucken, ob Karl hier schon wieder irgendwo rumläuft. (steht auf)
Allerdings schlief da einer seelenruhig bis kurz vor der Show in Bettchen des kleinen Tourbüschens….
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