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SCHWULE SÄUE, UNKAPUTTBAR UND NIEMALS SCHOCKIERT
Schlaglichter auf die Karriere von Muff Potter
Als regelmäßiger Konzertgänger verbindet man im Laufe der Jahre mal mehr, mal weniger mit bestimmten Bandnamen, Abenden oder sonstigen Erlebnissen. Aber wie erinnern sich die Bands selber an genau jene Tage, Momente? Ich habe mein Interview zum neuen Album „Steady Fremdkörper“ einfach zum Anlass genommen, ein paar meiner persönlichen Erinnerungen mit denen von Muff Potter zu vergleichen. (Aus verschiedenen Gründen erscheint dieser Teil des Interviews erst jetzt ...)

8. Mai 2000
Die großen Hot Water Music und als Support Muff Potter. „Die mit den schwulen Säuen und den dreckigen Zecken“, hatte Nabil (aka DJ Arabsonradar) mir vorher noch gesagt.
Dennis: Das war ja das Konzert, nachdem die sich schon mal getrennt hatten.
Brami: Auf der Tour haben wir die ja erst kennen gelernt. Die ganze Tour war der Hammer. Da sind wirklich Freundschaften entstanden.
Dennis: Da sind wir mit so einem alten VW-Bus durch die Gegend gebrettert. An das Konzert selber kann ich mich eigentlich kaum erinnern.
Jens: Wie ist das denn, wenn man selber in Münster wohnt und dann im Gleis – also quasi in eurem Wohnzimmer – eine Band wie Hot Water Music supportet?
Brami: Ich selber hatte Hot Water Music damals noch gar nicht auf dem Schirm. Ich wusste, dass die irgendwie geil sein mussten, weil auch alle dahingehen wollten. Aber das hab ich auch erst auf der Tour wirklich mitgekriegt. Da bin ich auch erst Fan geworden.
Dennis: Man hat die Band und gleichzeitig die Musik kennen gelernt. Und Fan war ich dann auch.
27. Juli 2003
Muff Potter spielen beim Visions Westend im Freizeitpark Wischlingen. Am Abend vorher haben viel zu wenige Festivalbesucher bei Samiam und den Donots viel zu viel Regen abgekriegt. Zu viele waren beim gleichzeitigen Monster Mastership in der Westfalenhalle.Sonntag morgen, 10 Uhr.
Dennis: Das war herrlich!
Brami: Das war sooo geil! Wir hatten 25 Minuten und es war ein saustrikter Zeitplan.
Dennis: Da sind wir morgens aufs Gelände gefahren, und da war noch nichtmal jemand wach! Es hieß dann nur: „Schnell auf die Bühne, los, zackzackzack, ihr müsst jetzt anfangen“
Brami: Wir waren auf der Bühne, niemand war da und wir haben uns nur angeguckt! Aber wir fanden das auch gar nicht schlimm. Wir wollten dann einfach für uns selber rocken.
Dennis: Und das erste Lied war passenderweise „Unkaputtbar“!
Brami: Während des Liedes wurden dann erst die Tore aufgemacht und es kamen 100 Leute angestürmt.
Dennis: Wir haben im Nachhinein von Bekannten erfahren, dass Leute am Eingang standen und gesagt haben: „Hey, die spielen schon. Wir wollen da rein“. Aber die Ordner meinten: „Nee, die machen nur Soundcheck“. Aber es war dann ein cooles Bild zu sehen, wie die Leute dann da angerannt kamen. Geiles Gefühl.
7. Oktober 2003
Triptychon, Münster. Tourauftakt – brechend voll, übelst heiß, Kondenswasser tropft von der Decke.
Nagel: Das war die „Heute wird gewonnen“-Tour oder? Als Profession Reporter kurzfristig absagen mussten.
Brami: Stimmt. Aber auch an das Konzert speziell kann ich mich nicht mehr erinnern. Konzerte in Münster sind insofern immer Highlights, weil man nervöser ist, weil ja viele Leute da sind, die einen kennen. Da muss man dann schon gut sein.
31. März 2004
Soundgarden, DortmundVisions Indoor mit den Beatsteaks und Billy Talent. Nach zwei Songs sagt Nagel schüchtern: „Ich kann nicht bis nach hinten gucken. Ich hab schon so ein bisschen Angst hier“.
Brami: Das war geil! Die Leute waren ja zugegebenermaßen für die Beatsteaks da, aber sie waren in extrem guter Stimmung. Da hab ich mir auch nachher die Beatsteaks angeguckt, und das war auch geil!
Shredder berichtet über Bramis berauschende Erlebnisse
Dennis: Und ich hab da meine Freundin kennen gelernt.
Shredder: Brami stand da und meinte: „Boah, die sind so richtig geil!“. Ich dachte nur, irgendwie sagt der das aber anders als sonst.
Brami: Normalerweise zieh ich ja immer über die anderen Bands her, um mich besser zu fühlen, aber das war an dem Abend anders.
Studiobesuch bei Eins Live.
Nagel und Brami reden sich bei Moderatorin Christiane Falk um Kopf und Kragen.Nagel: Das war der Abend mit der Stauschau. Wir haben ja ein Lied, das „Stauschau“ heißt und haben gefragt: „Dürfen wir die Stauschau moderieren?“ Und das durften wir auch (grinst breit).
Brami: Wir haben uns natürlich total versabbelt.
Nagel: Aber ich durfte einen Stau bei Hamminkeln moderieren, und da kommen Schließmuskel her. Das hab ich dann auch gesagt! Wichtige Information für die Leute, die da im Stau standen!
Dennis: Ich weiß auch noch, wie ich zuhause saß und die Stauschau mit den beiden gehört hab. Da dachte ich auch, das ist schon irgendwie geil.
Jens: 1LIVE kennt man ja, wenn man aus NRW kommt. Was ist das dann für ein Gefühl, bei so einem Mainstream-Radiosender zu Besuch zu sein?
Brami: Das ist natürlich was besonderes.
Nagel: Es würde mir wirklich viel bedeuten, wenn unsere Songs auf 1LIVE laufen würden. Zum einen natürlich als Promo. Aber auch mal als Abwechslung für die Leute. Ich hab früher oft schäbbige Bürojobs gemacht, und da läuft immer 1LIVE. Ich hab mich dann immer gefreut, wenn zwischen 15 Mal Xaver Naidoo (er sagte wirklich und absichtlich Xaver, nicht Xavier, Anm.) einmal Cardigans oder so lief. Ich fänd’s super, wenn die Leute jetzt dann mal Muff Potter hören könnten.
Jens: Wie schätzt ihr es denn ein: Finden sich im 1LIVE-Publikum viele potenzielle neue Muff Potter-Hörer?
Dennis: Das würde ich glaube ich nicht so sagen.
Nagel: Doch! Natürlich!
Brami: Es ist großteils ein Publikum, das man über die Fachpresse nicht erreicht, weil 1LIVE ja schon ein Mainstream-Programm ist, das andere Leute hören als die, die zum Beispiel die Ox lesen.
Nagel (der bei 1LIVE aus seinem Buch „Wo die wilden Maden graben“ gelesen hat, Anm.). Da laufen die ganze Woche Trailer und mein Verlag hat mir jetzt gesagt, dass in NRW viel mehr Bücher verkauft werden, seitdem die Trailer laufen. Man merkt also, dass die Leute das schon mitkriegen und deswegen meine ich, dass auch Muff Potter viele gut finden würden. Viele wissen ja gar nicht, dass es Muff Potter gibt!
24. September 2005
Nagel spielt solo als Freunde der Nacht/Ruhe im Bakuda in Dortmund. Da nach dem Soundcheck im Laden direkt Musik läuft und es keinen Raum gibt, schlägt Nagel vor, das Interview in meinem uralten, unaufgeräumten Golf zu machen. Ich suche mein Diktiergerät, er einen Platz, wo er den Drink abstellen kann. Nur ich werde fündig. Nagel besteht darauf, dass ich auf jeden Fall die Interviewsituation beim Abtippen dazuschreibe.Nagel: Das war doch auf jeden Fall geil!
Jens: Fand ich nicht. Mir war’s unangenehm. Aber wie hat sich denn diese ganze Interview-Geschichte im Laufe der Jahre verändert?
Nagel: Das ist ja jetzt echt nur eine Ausnahme. Wir haben das gebucht, weil ich heute Abend eine Lesung bei 1LIVE hab.
Brami: Sowas ist eine angenehme Begleiterscheinung, aber für uns mit Sicherheit nicht grundlegend wichtig so was! Mir ist es auch auf Tour relativ wurscht, ob ich auf Tour bei irgendwem zuhause penne oder im Hotel. Hotel ist natürlich schöner, aber darum geht’s nicht.
Nagel: Wir sind zwar bei Universal, aber bei uns ist das ja trotzdem in einem ganz anderen Rahmen. Wir sind ja nicht die Arctic Monkeys, die irgendwo durchpowert werden. Wir sind immer noch so, dass wir uns über jedes Interview freuen. Das ist zwar ein bisschen naiv, aber ich freue mich einfach, wenn sich jemand für meine kleine Band interessiert, auch wenn er das aus beruflichen Gründen macht. Es gibt auch immer noch genug Medien, die uns ignorieren. Warum will zum Beispiel der Scheiß-Musikexpress niemals einen Artikel über Muff Potter schreiben? Musikexpress und Spex ignorieren uns einfach. Insofern ist das immer noch in unserem kleinen Rahmen.
Brami: Man muss einfach mal mit den Leuten einen trinken gehen! So läuft das!
25.11.2005
Remscheid. Totales Schneechaos. Nach mehrmaligem Verschliddern (fahren konnte man diese Fortbewegungsmethode auf Sommerreifen nicht nennen) komme ich an dem Laden an. Ungefähr 70 sehr junge Besucher sind da – großteils mit Nietengürteln, dazu ein paar bunte Iros.Nagel: Kraftstation!
Brami: Moment! Wie gesagt, bei so Konzerten im Soundgarden waren die Leute ja vielleicht auch ein bisschen wegen den Beatsteaks da! Uns ist sehr wohl bewusst, wo wir so stehen. Wir waren nicht irgendwie schockiert.
Nagel: Wir spielen ja unterschiedliche Konzerte und nicht nur immer die größeren Clubs. Je kleiner die Stadt, desto jünger das Publikum. Das ist einfach so, weil die Leute mit 18 oft aus solchen Städten wegziehen. Dann kam das Wetter dazu, weil die Leute von außerhalb – außer dir (lacht) – nicht gekommen sind. An dem Abend tat es mir viel mehr leid für Martin Büsser, der ja an dem Abend vorher gelesen hat. Und da waren Leute, die halt eher mit Parka und „Nazis raus“-Aufnähern rumrannten, und die waren jetzt nicht unbedingt „theoretisch gebildet“. Der hatte da einen schweren Stand. Da saßen 50 Kids und haben sich unterhalten, Da war so eine Art Hausmeister, der dann wie in der Schule immer für Ruhe sorgen wollte.
Brami: Das könnten wir auch zwischen den Songs machen, so Ansagen nach dem Motto: „Wenn ihr euch unterhalten wollte, dann geht doch bitte raus“.
To be continued ...
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