POGO, SONST GIBT'S ESSIG

 

Die Never Say Die-Tour in der Essigfabrik, Köln // 03.11.2007

 

Es ließ sich schnell feststellen, ob die Essigfabrik als Location, bei den „Never Say Die Tour“-Besuchern bekannt war. Denn die Frage „Warst du schon mal hier auf einem Konzert?“, wurde fast einheitlich verneint. Trotz der Weitläufigkeit der Halle hatte sie nicht den typischen Fabrikhallen Sound. Um den Hall zu verringern wurden die kahlen Wände mit schwarzem Stoff abgehangen. Und die nicht all zu hohen Decken taten ihr Übriges. Somit entpuppte sich der Laden als ordentliche Klangwelt im schönen Ambiente mit einem gut aufeinander abgestimmten Line-Up. Und die Kölner als wohlmöglich einziges Publikum mit guten alten Pogomanieren.

 

Bei This Is Hell versammelte sich eine kleine Runde Fans vor der Bühne ohne Graben. Der Rest des Publikums taute nur langsam auf. Unbeeindruckt davon zogen die New Yorker ihr musikalisches Programm durch. Einige Gesangspassagen von Sänger Travis Reilly blieben ungehört, weil sein Mikro einen Wackelkontakt hatte. Rick Jiminez wirbelte seine Gitarre und lieferte mit hohen Beinspreizer-Luftsprüngen die Bühnensau. Der Auftritt endete in Mitgegröle und mit einer langsam ausklingenden Gitarrenmelodie. Mein Tipp: Wer von dieser Band nicht genug kriegen konnte, sollte sich das neue Album „Sundowning“ besorgen.

Das erste Lied von The Warriors sangen Frontman Marshall Lichtenwaldt und Andrew Neufeld von Comeback Kid. Es stieß auf allgemeine Pogolaune. Das Publikum erlebte eine Mischung aus einwandfreiem Hardcore mit druckvollen Breakdowns und Metalgitarren. Mit „Red, Black and Blues“ hauten sie dem Publikum einen Mosh nach dem anderen um die Ohren. Auch „Transistor“ erntete gebührenden Zuspruch. Die Band aus Kalifornien hat an diesem Abend gezeigt, dass es sich lohnen würde, sie auch mal als Headliner zu sehen.

Danach die Cancer Bats: Rotziger Gesang, Stretchhosen, verzerrter Bass und ein Gitarrist mit langen Haaren, ließen auf das musikalische Zusammenspiel der Kanadier schließen. Gehört hat man also eine Art britischen Altpunk, der ein bisschen an die Sex Pistols erinnerte, gespickt mit typischen Metal und verfeinert mit Hardcore der rockt. Ein paar Mädchen wurden auf Händen Richtung Bühne und wieder zurück getragen. Schön mit anzusehen.

Nach Cancer Bats marschierte die Halle einhaltlich einen Schritt nach vorn, also Richtung Parkway Drive. Die Bühne wurde mit zwei Leinwänden dekoriert, die mit dem Coverartwork ihrer neuen Platte bedruckt war. Parkway Drive haben sich wie der Tellerwäscher langsam, aber stetig hochgearbeitet. Über die Resonanz ihrer Musik war Sänger Winston McCall trotzdem sichtlich überrascht. Als die männlichen Besucher bei „Romance is dead“ die Bühne stürmten, um ins Mikro zu grölen, hörte man von ihm eine Art verdutztes Kichern.

Der Mischer war jedoch mit dem metalcorelastigen Sound ein wenig überfordert. Die Mikros, immer noch mit Wackelkontakt, hackten die beeindruckenden Growls des Sängers stetig ab. Ihre Playlist tröstet aber darüber hinweg. Die Halle bebte bei „The siren´s song“. Bei „Carrion“ konnten sich einige erhitzte Gemüter wieder beruhigen. Parkway Drive spielten dennoch nur wenige Lieder der aktuellen Platte „Horizons“ und legten den Schwerpunkt auf „Killing with a smile“. Demnach ging es gnadenlos weiter mit „Guns for show, knives for a pro“. Es riss einem die Ohren „vom Kopp“. In den kurzen Verschnaufpausen konnte man die Anstrengung des aus der Puste gekommenen Sängers hören. „Mutiny“ versetzte die Menschen in kreisrunde Bewegung. Abschließend wurde „Boneyards“ für all diejenigen gespielt, die keinen Deut Mitleid mit ihren Knochen hatten.

Für Comeback Kid war es leichtes Spiel, an die vorgelegte Stimmung anzuschließen. Mit „Talk is cheap“ eröffneten sie ihr musikalisches Repertoire. Die letzte Band des Abends hatte dennoch die Soundarschkarte komplett gezogen. Die Monitore fielen aus, ständig gab es Rückkopplungen und immer wieder die Mikros. Beeindruckenderweise ließ sich davon keiner irritieren. Frontsau Andrew kannte keinen Stillstand. Zwischen den Songs gab es immer nur kurze Verschnaufpausen. Somit kamen die Musiker und das Publikum gleichermaßen ins Schwitzen. All denjenigen, die auf Grund eines Liedes zu Comeback Kid pilgerten, nahm der Frontmann den Wind aus den Segeln: „Einige von euch sind wegen einem Lied hier. Wir haben aber nicht nur eins.“ So rockte ein Song nach dem anderen das gesamte Publikum. Nach der Aufforderung „die Bühne als Plattform für alles zu nutzen wozu man Bock hat“, folgten halsbrecherische Stagedives. Die Karatehosen blieben aber zuhause, die Windmühlen in Holland. Das lang ersehnte Lied, „Wake the dead“ spielten die Kanadier natürlich auch. Dabei wurde die Bühne gestürmt. Die Band wurde von der Menschenmasse verschluckt. Immer noch nicht genug, wünschte sich der Tross eine Zugabe. Mit „My final goodbye“ verabschiedeten sich Comeback Kid dann.

 

 

 

 

 

Text: Georgia Polichronidou
Fotos: Mathias Schumacher