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"WIR SIND EBEN NUR EINE PUNKROCK-BAND"
Interview mit Tony von No Use For A Name im Skater's Palace, Münster, 10. Oktober 2003
Seit einer halben Ewigkeit touren No Use For A Name nun schon mit ihrem letzten Album „Hard Rock Bottom“ durch die Weltgeschichte. Dementsprechend müde wirkte Sänger und Gitarrist Tony Sly nach dem Soundcheck im Skater’s Palace in Münster. Aber nicht zu müde, um ein paar Worte mit mir zu wechseln.
getaddicted: Ihr habt eine ziemliche Entwicklung durchgemacht von Platten
wie der „Incognito“ oder der „Don’t miss the
train“ bis zu „More Betterness“ oder „Hard Rock
Bottom“. Was waren die Gründe und Einflüsse dafür?
Tony: Also, unser erstes Ziel war, so zu sein wie Bad Religion, so gut,
wie es eben ging. Und dann kam so langsam die Zeit, in der wir gesagt
haben, wir wollen nicht so klingen wie Bad Religion, sondern wie wir
selbst. Wir wollten, dass die Leute erkennen, dass wir unseren eigenen
Stil haben. Und jetzt sind wir noch einen Schritt weiter. Alle paar
Alben ist es halt Zeit für einen Wechsel, eine Änderung.
getaddicted: Was dachtest Du, als Du zum ersten Mal euren Ex-Gitarristen
Chris Shifflet mit den Foo Fighters auf der Bühne gesehen hast?
Tony: Es war cool! Ich saß an der Seite auf der Bühne, er
spielte, das hat Spaß gemacht. Ich meine, die Foo Fighters sind
schon anspruchsvoller, mit immer mal wieder anders gestimmten Gitarren
und so. Und wir sind eben nur eine Punkrock-Band. Sie sind technisch
viel besser. Ich dachte vorher schon, Chris ist ein guter Gitarrist,
aber da dachte ich, jetzt ist er noch besser.
getaddicted: Also warst Du traurig, dass er nicht mehr bei No Use spielt?
Tony: Nicht in musikalischer Hinsicht. Man muss nicht Jimmy Hendrix
sein, um bei uns zu spielen. Man muss eigentlich nur wenig können.
Wir hatten zu dem Zeitpunkt einen Grundstock an Liedern, die gleich
klangen, egal welchen Gitarristen wir hatten. Und Dave spielt alle Sachen
exakt so wie Chris sie gespielt hatte.
getaddicted: Ich habe gelesen, dass Dave innerhalb von zwei Wochen alle
Songs gelernt hat, um Chris zu ersetzen.
Tony: Nee nee. Innerhalb von anderthalb Tagen! Er hat mich alle paar
Stunden angerufen und hat gesagt, „Ich kann jetzt den und den
Song, ich bin jetzt bei 17 Liedern“. Und ich dachte nur, was ist
das für ein Typ?
getaddicted: Will niemand lange bei No Use Gitarre spielen? Ihr habt
da einen ziemlichen Verschleiß.
Tony: Das war damals eine Zeit, als wir kein Geld mit unserer
Musik verdient haben. Und wir konnten halt keinen locken. Wir konnten
ja nicht sagen, „hey, geh nicht aufs College, spiel bei uns Gitarre“.
Als wir anfingen davon zu leben, konnte Ed (Ed Gregor, Leadgitarrist
auf Leche Con Carne, Anm. d. Red.) nicht mehr touren, weil er Diabetiker
war. Mit Chris konnten wir dann schon Geld verdienen, aber die Foo Fighters
waren nun mal das bessere Angebot. Und Chris mochte die Band schon lange
bevor er dazu gestoßen ist.
getaddicted: Wenn Ihr eure Songs aufgenommen habt und über die
Reihenfolge für die Platte nachdenkt, wie geht Ihr dann vor. Vor
allem, wenn ich mir „Leche Con Carne“ und „Making
Friends“ ansehe, erinnert mich das an die Regeln, wie man ein
Mixtape aufnimmt, die John Cusack in Hi-Fidelity aufstellt. Und wonach
geht ihr bei den Setlisten für Konzerte?
Tony: Nicht wirklich wie bei Hi-Fidelity! Live musst Du Dir vorstellen,
als würdest Du ein Greatest Hits-Album zusammen stellen. Nicht
zu viele Songs von einem Album, nicht zuviel aus einer Periode. Und
dann noch die Songs, die die Leute hören wollen, und natürlich
Deine eigenen Lieblingssongs.
getaddicted: „Daily Grind” ist das älteste Album, von
dem Ihr noch Songs spielt. Wieso nichts von den älteren?
Tony: Wir waren damals jung. Und es gibt nicht mehr viele Songs, die
ich noch mag. Eigentlich gar keinen! Und „Daily Grind“,
uff, das ist auch schon fast zehn Jahre alt. Aber das sind so die ersten
Songs, die heute noch okay sind. Vielleicht spielen wir heute „Feeding
The Fire“, hängt davon ab, ob meine Stimme das noch mitmacht.
getaddicted: Wie siehst Du das ganze „Musikpiraterie-Problem“?
Tony: So lange, wie das Album noch nicht im Laden steht, ist es Mist.
Leute laden sich einzelne Songs runter und urteilen dann über das
Album. Aber vielleicht haben sie dann nur die Füller-Songs erwischt,
die Lieder, die der Band nicht so gut gefallen. Und eine richtige CD
mit Cover-Artwork und so ist doch auch schöner! Auf der anderen
Seite haben viele Bands das Problem, ihre Musik unter die Leute zu bringen.
Und da ist das Internet eine gute Möglichkeit. Und ich sehe auch
nicht den großen Unterschied zwischen Audiokassetten, auf die
man auch früher eine Menge aufgenommen hat. Es ist das gleiche,
nur eine neuere Technologie. Aufhalten kann man die ganze Sache sowieso
nicht mehr, und warum dann so darüber aufregen. Was die Leute im
Internet machen, ist mir egal. Wir machen auf jeden Fall weiter Musik.
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