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"DAS EINZIGE, WAS DIE BANDS GEMACHT HABEN, WAR KIFFEN"
Interview mit Matt von No Use For A Name im Underground, Köln, 21. August 2005
Da war ich also nun in Köln. Umringt von Menschen quälte ich mich durch Pilgerströme vom Ehrenfelder Bahnhof zum Underground für das anstehende Interview mit No Use For A Name. Am Undergrond angekommen bin ich dann ohne Umwege direkt hinein, um meinen Interviewpartner zu suchen. Begrüßt wurde ich von dem überaus freundlichen Personal und kurze Zeit später stand dann Matt der Bassist vor mir im Biergarten.
getaddicted: Hi Matt, willkommen in Köln. Gerade findet hier ja
der „Weltjugendtag“ statt. Habt Ihr/Hast du etwas davon
mitbekommen von den ganzen Leuten, die wegen des Papstes da sind?
Matt: Ja klar, die ganzen Leute, die für den Papst hier sind! Es
war eine Menge Verkehr, als wir angekommen sind. Aber ich liebe den
Kölner Dom. Wir dachten eigentlich, es wäre viel zu voll,
um hinzugehen, aber nein, alle sind hinter dem Papst her und deshalb
ist der Dom leer.
getaddicted: Wart Ihr also schon am Dom?
Matt: Klar, ich gehe jedes mal, wenn wir hier sind, hin.
getaddicted: Und was denkst du über die ganzen mit dem Papst und
der Kirche verbundenen Sachen wie z.B. Abtreibung/Kein Sex vor der Ehe
usw?
(kurze Unterbrechung, weil Matt mit seinem Kollegen besprechen muss, wann und ob es am Abend nach der Show noch zum Dom geht)
Matt: Ähm, also weißt du was? Jeder hat so seine Sachen. Religion ist relativ. Ich z.B. bin getaufter Katholik und der Papst ist hier. Aber ich bin da nicht wirklich hinterher. Ich denke, Katholiken sind verrück genau wie Evangelen und andere Religionen. Ich denke, die meisten Religionen sind der Hauptgrund für viele Kriege. Ich glaube ans Glauben und nicht an eine organisierte Religion. Man muss es für sich selbst machen.
getaddicted: Das letzte Mal, als ihr im Palladium mit Nofx gespielt
habt, waren da bestimmt 3000 Kids, die zu Eurer Show kamen. Hier und
heute sind es ja maximal ein paar hundert. Was für Shows spielst
du lieber?
Matt: Sicher, große Shows sind schon cool und das Palladium ist
schon interessant, alleine die Ausmaße der Bühne. Aber das
hier ist ist viel persönlicher. Es ist nicht so, dass hier die
Band ist und da das Publikum, hier sind wir alle eine große Gruppe,
die ihre Energien vereinigt.
getaddicted: In dem Online-Journal auf euere Homepage hat Tony geschrieben,
dass er sich sehr freut, wieder nach Europa/Deutschland zu kommen. Gibt
es da einen bestimmten Grund für?
Matt: Weißt du, wir waren schon immer gerne hier. Das ist schwer
zu erklären. Die Leute hier sind einfach cool, das Land ist sehr
schön und es gibt eine Menge Orte, die man besuchen kann und die
meisten Shows unserer Europa-Touren sind einfach in Deutschland, weil
es zum einen ein großes Land mit vielen Städten und Auftrittsmöglichkeiten
ist. Aber wir wissen auch immer, was wir erwarten können. Deutschland
ist einfach am nächsten an dem, was wir von zuhause kennen. Das
Essen ist gut und du weißt, dass die Leute dich schon irgendwie
verstehen werden. Manchmal bist du in anderen Ländern und es ist
irgendwie komisch, alles ist zwar cool, die Leute sind nett, aber irgendwie
ist es anders. Hier ist es aber immer fast wie zuhause.
getaddicted: Eigentlich wollte ich fragen, was ihr von Pop-Punk-Bands
wie z.B. Sum41 haltet, bis ich dann gelesen hatte, dass ihr mit denen
getourt seid. Wie ist es dazu gekommen?
Matt: Das ist schon wirklich bizarr. Die wollten schon immer mit uns
touren, wir haben den selben Booking Agent, Andy Summers. Sie meinten,
“wir lieben NUFAN”, und wollten mit uns touren. Aber uns
war klar, dass unsere Fans schon komisch reagieren könnten. Aber
man muss das einfach so sehen: Die Jungs von Sum sind nette Kerle und
klar haben die eine Menge kleiner Kids unter Ihren Fans. Aber Sie haben
uns ca. drei Mal gefragt und wir haben jedes Mal nein gesagt, ohne einen
Grund zu nennen, und sie fragten wieder und wieder. Es war nicht so,
dass sie uns bräuchten. Sie wollten uns, weil sie uns mögen
und auf unseren Sound stehen. Was die Leute einfach nicht verstehen,
ist, dass das auch nur Menschen sind. Das sind vier Menschen, scheiss
drauf, was die tun und was die Kinder von ihnen halten.Wir wissen wer
sie sind, wir haben sie kennen gelernt. Die jungs sind verdammt cool.
Und wir hatten gemeinsam bestimmt die besten zwei Monate, die wir je
hatten.We had a fucking Blast. Das war wirklich cool. Aber unsere Fans
haben dann angefangen, Scheiße darüber zu reden, z.B. dass
sie die Szene zerstören würden, aber weißt du was? Das
ist Bullshit. Das ist total arm. Denn die kennen die Jungs von Sum41
nicht, hören, lesen, sehen etwas über sie und bilden sich
dadurch Ihre Meinung. Sie zerstören überhaupt nichts. Die
haben eine Band gegründet und sind bei den Kids beliebt. Oh mein
Gott, wie schlimm! Klar, haben die schon eine bestimmte Zielgruppe und
wir wussten, dass sie uns teilweise nicht mögen würden, denn
wir sind einfach Punkrock. Das war auf jeden Fall schon verrückt,
die Shows waren dadurch schon härter für uns. Aber das ist
wie mit der Warped Tour, nobody gives a shit doing the Warped Tour.
Aber schau dir die Bands an, die dieses Jahr dabei waren, das war verrückt:
Fallout Boy, Hawthorne Heights, My Chemical Romance - das finde ich
um einiges schlimmer als Sum41, sorry. Aber das ist halt die Warped
Tour.
getaddicted: Fat Mike und Fletcher von Pennywise haben gesagt, dass
die Punkrock-Szene in den letzten Jahren zu sicher und lahmarschig geworden
ist. Denkst du auch so?
Matt: Oh ja es ist verdammt sicher. Zum Beispiel die Warped Tour 2002,
da waren wir noch jede Nacht draußen und haben uns betrunken und
sind abgegangen, haben dann am nächsten morgen total zerstört
die nächste Show gespielt. Auch hatten wir z.B. unsere Tourbusse
zusammen mit Bands, Freunden wie NOFX, Bad Religion und Lagwagon in
einem Quadrat aufgestellt, haben dort gefeiert, gegrillt und eine Menge
Spaß gehabt, uns betrunken und geprügelt. Einfach eine gute
Zeit gehabt. Diese Jahr haben wir dann wieder die Warped Tour gemacht
und es ist ein perfektes Beispiel für die Veränderungen, die
stattgefunden haben. Denn die Leute zählen Bands, die ich eben
schon genannt habe, z.B. MCR immernoch zu Punk. Ich meine das sind echt
coole, supernette Typen. Aber es gibt überhaupt keine Gefahren
mehr, stell es dir so vor:
Matt steht auf, nimmt sein Glas und tut als würde er gerade aus dem Tourbus steigen um sich umzusehen. Scheint dabei nichts zu entdecken, für das es sich lohnt, den Bus langfristig zu verlassen, macht auf dem Absatz kehrt und „steigt“ wieder ein.
Und so war das jede verdammte Nacht. Da war niemand, mit dem man rumhängen konnte. Das einzige, was die ganzen Bands gemacht haben, war kiffen und das ist mir zu langweilig, ich kiffe nicht, ich will raus und abgehen. Das ist heute einfach nicht mehr so wie früher.
getaddicted: Wie kommt es das eure Alben immer ruhiger und langsamer
geworden mit den Jahren? War das ein gewollter Prozess oder ist das
einfach so entstanden?
Matt: Du findest das neue Album langsamer? Okay. Wirklich? Das ist ja
witzig. Ich denke, dass “Bullets” der schnellste Song ist,
den wir je geschrieben haben. Schneller als „On the Outside“.
getaddicted: Okay, dann legen wir uns nicht auf einen Song fest sondern
auf die gesamte Platte.
Matt: Okay, das ist schon besser. Machen wir es so. Okay, wir kriegen
schon mit, dass die Leute sagen, dass unser Album softer ist. Aber “Making
Friends” ist verdammt schnell und “More Betterness”
ist dagegen sehr langsam und wir mögen beides. Und das ganze passierte
ohne jegliche Intention. Als wir „Making Friends“ aufgenommen
haben, gab es eine Menge Auseinandersetzungen. Wir haben eine Menge
gestritten und dadurch wurde das Album sehr wütend. Bei „More
Betterness“ dagegen haben wir sehr gut zusammen gepasst und so
ist das ganze entspannter und ruhiger geworden, nicht gewollt aber es
wurde einfach so. Wir sind halt Menschen, und Menschen verändern
sich und werden beinflusst. Dann kam „Hard Rock Bottom“
und es war wieder etwas schneller als „More Betterness“.
Bei dem neuen Album dachten wir uns, dann nehmen wir das beste von allem.
Wir mögen es einfach wenn erst ein langsamer Track kommt und dann
wieder ein schneller. Das ist einfach abwechslungsreicher. Und wir sind
damit sehr zufrieden.Wir lieben es, schnell zu spielen, aber halt auch
langsame Songs - daran kann man nichts ändern.
getaddicted: Welche Erwartungen habt Ihr an euer neues Album? Denkt
ihr, es wird ähnlich erfolgreich wie die „Leche con Carne“
oder die „Hard Rock Bottom“, die ja eure erfolgreichsten
Platten waren?
Matt: Das weiß ich garnicht. Ich meine, klar, “Leche”
macht sich ziemlich gut, aber es ist halt zehn Jahre alt.und “Hard
Rock Bottom” verkauft sich auch sehr gut. Aber dieses Album ist
einfach zu neu. Aber was soll schon passieren? Wir sind immernoch bei
Fatwreck und machen die selben Touren.
getaddicted: In eurem letzten Album habt Ihr Vorschläge für
Namen eures neuen Albums. Wie z.B
„Help me, I shit my Pants!“ Wieso habt ihr den Titel nicht
verwendet? Der ist doch super.
Matt: (lacht) Das war ein Spaß. Weißt du,
es war so: Wir hatten da eine Menge Ideen für Albumtitel und haben
die anderen Bands erzählt. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber
einige der Bands haben dann gefragt, ob sie unsere Ideen verwenden dürfen
und wir haben zugesagt. Aus dem Grund haben wir uns dann einfach eine
Menge mögliche Titel ausgedacht, damit uns niemand mehr folgen
kann, aber es waren nie ernsthafte Ideen für neue Albumtitel. Ein
sehr guter Titel der mir noch einfällt ist „Blaze of Rory“.
Es ist ein Wortspiel mit dem Satz „Blaze of Glory“ und unserem
Drummer Rory.
getaddicted: Ist bei euch oder bei Tony eigentlich etwas ähnliches
wie das Akustik-Album mit Joey Cape in Planung?
Matt: Ich weiß ein bisschen, soviel, dass ich sagen kann, dass
da nichts neues kommt. Aber es war eine super Sache. Tony hatte eine
Menge Spaß dabei. Wir mochten es alle sehr. Da konnte man mal
sehen, ob es sich einfach um gute Songs handelt oder ob es an der Art
und Weise liegt, wie wir sie spielen. Aber es hat gezeigt, dass die
Songs Potenzial haben, auf auf diese Art gespielt zu werden und immer
noch gut sind. Tony schreibt einfach gute Lieder.
getaddicted: Okay, nun zu etwas Politischem. Ihr kommt ja aus Kalifornien.
Dem sonnigen Bundestaat der USA, der von dem Gouvernator regiert wird.
Hast du eine Meinung zu ihm?
Matt: (lacht) Klar! Ich liebe ihn. Er ist
Conan, der Barbar. Conan is awesome.(lacht wieder) Nein Spaß.
Soweit es um Politiker geht, ist es mir eigentlich scheißegal.
Ich denke, er ist wie jeder andere politische Führer jeglicher
Art. Jeder politische Führer ist nur eine Marionette und aus dem
Grund kann man nicht sagen, dass sie schlecht oder gut sind. Es kommt
dabei viel mehr auf die Leute im Hintergrund an. Nimm als Beispiel den
Präsidenten Bush. Nicht mal der weiß wirklich, was los ist.
Der kann nichtmal „IRAK“ buchstabieren. Der sagt nur „Die
sind schlecht, weil sie mein Öl nehmen..ähm...ich meine weil...“.
Die wissen alle nicht was passiert. Schwarzenegger weiß genauso
wenig, aber er ist halt bekannt durch seine Filme. Nimm seinen Vorgänger,
Gray Davis, der war ein verdammtes Arschloch. Er hat eine Menge beschissene
Sachen gemacht, aber das war nicht er, das waren die Leute die hinter
ihm standen. Und dann kam Arnold und mit Ihm hat sich eigentlich nichts
verändert. Nicht mal Kleinigkeiten.
getaddicted: Du weißt bestimmt, dass es in Deutschland eine großartige
Bierkultur gibt, wo so ziemlich jede Region ihr eigenes Bier hat. Und
jede Region hat natürlich das beste Bier und so kommt es, dass
man wenn man wie z.B. ich aus dem Ruhrgebiet kommt, nicht unbedingt
gerne Kölsch trinkt. Wie sind da deine Erfahrungen?
Matt: Also, eigentlich mag ich Bier garnicht so sehr. Ich mag Alkohol.Aber
Bier nicht so sehr. Aber um ehrlich zu sein, hab ich schon einige getrunken
und es war sehr lecker. Aber auch in München haben sie großartiges
Bier. Aber wenn man wie ich aus Amerika kommt, ist das anders. Man hat
nur Bud Lite und solchen Mist. Wenn man dann hier ist, ist es schon
ganz cool, die ganzen Biersorten testen zu können. Und wenn es
nicht schmeckt, schmeißt man’s weg.
getaddicted: So, nun noch zwei abschließende Fragen. Was ist
dein liebstes Album?
Matt: Wow, mein Lieblings-Album müsste sein...hmmm...schwer. Es
müssen zwei Alben sein. Beide von Iron Maiden. Das erste „Powerslave“
und „ Piece of Mine“
getaddicted: Gibt es einen bestimmten Künstler mit dem du gerne
mal etwas machen würdest? Rein hypothetisch. Tot oder lebend spielt
also keine Rolle.
Matt: Wow! (schweigt),okayokay....ich denke ich würde
gerne Bass spielen mit Josh Freese, dem Drummer der Vandals. Der Typ
is großartig. Er macht Sachen mit Sting, Devo und ne Menge anderer
Alben. Ich würd mich einfach gerne mit ihm hinsetzten und jammen.
Ich bin halt der Bassspieler, du verstehst. Aber noch jemand der mir
gerade einfallt, vielleicht klingt das etwas verrückt, ist Billy
Corgan. This guy is awesome. Ein Genie.
- No Use For A Name live in Köln // 09.04.2008
- Galerie: No Use For A Name live in Köln // 09.04.2008
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- No Use For A Name - Keep Them Confused
- Joey Cape/Tony Sly - Acoustic Split






