![]() |
|
INDIE LIKE A SUNDAY EVENING
Okkervil River im Prime Club, Köln // 25.11.2007
Ein mehr als gut gefüllter Prime Club zu vorgerückter Stunde an einem regnerischen Sonntagabend - nicht überraschend, hatten die Platzhirsche der Musik-Prints doch „Stage names“, das aktuelle Album von Okkervil River, über den grünen Klee gelobt.
Ein bunt gemischtes Publikum aus End-Zwanziger-Rivers Cuomo-Verschnitten, und Mädels, die sich mit Erhalt des Führerscheins einen Indie-Musikgeschmack und den dazugehörigen süßen Freund zugelegt haben, hatten sich ebenso wie ein paar ältere Jahrgänge zeitig vor der Bühne versammelt, um auch schon den Support des Abends mit warmherzigen Applaus zu begrüßen.
Julie Doiron, eine kanadische Songwriterin und Label-Kollegin von Okkervil River, brauchte nicht mehr als ihre Stimme, eine schrämmelnde Klampfe und einen Flip-Flop-tragenden Drummer, um Songs aus ihrer mittlerweile auch schon 15 Jahre andauernden Schaffensperiode vorzutragen. Zwischen ihren melancholisch-schönen Liedern erkundigte sich die 35-Jährige immer wieder schüchtern beim Mischer, wie lange sie noch Zeit für ihr Set hätte, da sie die Uhr in ihrer Tasche vergessen hätte. Den Tag über hatte sie nach eigenem Bekunden mit unfreiwilligem Sightseeing in der Domstadt verbracht, da der gesamte Musikertross satte anderthalb Stunden gebraucht hatte, um den Prime Club zu finden.
Den Platz, den Julie Doiron - aufgrund von spartanischer Instrumentierung - im Tourbus sparte, nahmen Okkervil River wohl zum Anlass, ein wenig mehr als üblich einzupacken. Neben den Standard-Klamotten wurden Mandoline, Akkordeon, Keyboard, Synthesizer, Trompete, Rasseln und sogar eine Lap-Steel-Guitar auf der Bühne deponiert, und die Band hatte auch keine Hemmungen, all diese einzusetzen.
Schon während der ersten Lieder wechselte die begeistert empfangene Band um Charisma-Bolzen Will Sheff, der ein bisschen an einen speckigen Adam Green erinnert, fleißig die Instrumente, und auch keiner der fünf Musiker kam beim Backgroundgesang zu kurz. Die Band spielte sich hauptsächlich durch die beiden letzten Alben, doch auch ältere Songs der Bandvergangenheit wurden hier und da eingestreut.
Sowohl Band als auch Publikum hatten am meisten Spaß bei den „The stage names“-Uptemponummern, zu „Our life is not a movie or maybe“, „Unless it kicks“ wurde fleißig mit Herrn Sheff zusammen getanzt, der Beach Boys-Part bei „John Allyn Smith sails“wurde lauthalt mitgesungen. Die immer präsente Indie-Polizei vor der Bühne warnte derweil vor dem Sell-Out, indem die alten Nummern mit wissendem Kopfnicken abgesegnet und die Texte fehlerfrei mitgesprochen wurden.
Amüsiert quittierte die Band gegen Ende der unterhaltsamen 75 Minuten, dass ihr Frontmann den Einstieg zu einem Coversong, in dem sich alles um ein rotes Bandana drehte, völlig versemmelte. Ansagen waren an diesem Abend spärlich gesät, doch mal ein bisschen Klappe halten am Sonntag ist ja auch nicht so mies.






