KLUGSCHEISSER UND PISSETEXTE

 

In der Kölner Werkstatt treffen Akimbo zum Kulturclash auf Olli Schulz // 03. November 2007

 

„Eine logistische Meisterleistung.“ Olli Schulz bringt es auf den Punkt. Gemeint ist die Idee, ihn, den Troubadix der Neuzeit, zusammen mit dem Progcore-Trio Akimbo hintereinander auf eine Bühne zu platzieren.

 

Das ist bei Leibe nichts schlimmes an sich und sollte keineswegs im Vorfeld verurteilt werden, sorgt aber im Publikum für Stirnrunzeln und Zuschauer- Wechsel-Dich-Spielchen zwischen den Auftritten. Zunächst gibt sich der Seattle-Import die Ehre (Nein, Olli Schulz kommt aus Hamburg, wohnt seit drei Jahren in Berlin und macht dort als Zivilbulle Jagd auf Bushido). Also Akimbo sind gemeint, deren Namensursprung zu Beginn ein junger Herr klugscheißend seiner potenziellen Freundin mit Hilfe geballtem Wikipedia-Wissens, näher bringt. Auf der Bühne wird weniger der Definition entsprechend „parallel geballert“, sondern vielmehr ein Set mit vertrackten Riffs und wackelnden Mähnen dargeboten. Die Reihen vor der Bühne lichten sich immer mehr, gleichzeitig nehmen die „Wuhaa“-Rufe des verbliebenden Rests weiter zu. Soviel zur logistischen Meisterleistung. Wer nicht nur hinhört, sondern auch hinsieht, wird Zeuge von Nat Damms herausragenden Schlagzeugstick-Kreiseln.

Dann krempeln sich die Gäste einmal im Eiltempo auf links und weiter geht’s. Olli Schulz, ohne Band aber mit reichlich Anekdoten im Gepäck, redet während seiner Performanz weit mehr, als dass er spielt. Die richtige Entscheidung, da die Akkorde an diesem Abend ohnehin überdurchschnittlich oft daneben gehen. Witziger als die Möchtegern-Witzbolde im Publikum mit masochistischer „Olli beleidige mich“-Anwandlung - wir sind hier nicht bei NightWash, Leute! - ist der Herr am Mikro auf jeden Fall. Es gibt sogar als Bonus Lebenshilfen wie den sensationellen „Death-Kick“ (trifft Gemächt und Gesicht in einem, sieht aber scheiße aus). Als Krönung des Abends intoniert Olli S. dann das erstes Werk, dass sein freier Geist mit stürmischen 16 Lenzen hervorgebracht hat. „Schmeckt wie Pisse riecht“ hält alles, was der Songtitel vermuten lässt und entschuldigt für die im zweiten Drittel entstandenen Längen. Fazit: Es muss nicht immer Bernd Begemann sein.

 

 

Text: Michael Blatt
Archivfoto: Markus Tils