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KELLNERN ODER 200 KONZERTE IM JAHR
Interview mit Parkway Drive in Köln // 03.11.2007
Australien, der flächenmäßig sechstgrößte Staat der Erde hat gerade mal über 20 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 2,7 Einwohner/km². Zum Vergleich: Nordrhein Westfalen hat eine Dichte von 528 Einwohner/km² bei 18 Millionen Einwohnern. Ein Land, das für eine Band nicht sonderlich geeignet, sich wahrhaftig den Arsch abzuspielen. Das wussten auch Parkway Drive und haben den nötigen Schritt getan und touren seitdem ständig durch Europa und die Staaten. Vom anfänglichen „Geheimtipp“ mauserten sie sich zur etablierten Größe und waren Co-Headliner bei der NEVER DAY DIE Tour. In Köln trafen wir auf Sänger Winston McCall.
GETADDICTED: Wie ist es, mit solch einem Tourpackage unterwegs zu sein?
Winston: Super! Die Bands sind wirklich gut und wir kennen uns bereits und sind gut miteinander befreundet. Da wir hier alle gerne in Europa touren haben wir uns einfach entschlossen solch eine Tour gemeinsam durchzuziehen. Gestern in Luxemburg ging es los und es war richtig cool. Heute geht es weiter und ich bin froh, dass wir das hier machen.
GETADDICTED: Ist es kein Problem, dass ihr die einzige Metal-lastige Band auf der Tour seid?
Winston: Nein, natürlich nicht. Wir sind alles Hardcore-Kids und mögen Musik. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Style sie letztendlich hat.
GETADDICTED: Bist du nicht leicht verärgert darüber, dass du das herbstliche Europa gegen das frühlingshafte Australien vorziehst?
Winston: (lacht) Naja, es ist schon okay hier. Zuhause war es so heiß, dass man es kaum ausgehalten hat. Und als wir hier ankamen, mussten wir die dicken Jacken rausholen und alles scheint einfach nur grau zu sein. Es ist schon einwenig paradox. Aber ich bin nicht verstimmt deswegen.
GETADDICTED: Ihr stammt aus Byron Bay, eine Stadt die einen alternativen Ruf hat, da viele Aussteiger und Künstler sich dort niedergelassen haben.
Winston: Richtig. Aber Byron Bay würde ich nicht als Stadt bezeichnen. Es ist eher ein Dorf und du hast Recht, es leben schon schräge Typen da. Meist ziemlich bekifft. Hippies, Aussteiger und Künstler. Nenne es die Hauptstadt der Hippies in Australien.
GETADDICTED: Es ist ein beliebiges Reiseziel von Backpackern. Nerven dich nicht die ganzen Touristen, wenn die alle quasi an deinem Strand liegen?
Winston: Naja, es stört insofern, dass der Ort sich komplett dem Tourismus hingegeben hat. Es sind einfach schon zu viele Touristen, die dann am Strand rumhängen und letztendlich auch Einfluss auf die Natur nehmen. Auf der anderen Seite gibt es nicht viele Jobs und der Tourismus ist für viele die einige Einnahmequelle. Es ist nicht gerade einfach, da eine Balance für sich zu finden.
GETADDICTED: Wenn ihr hier in Europa seid, dann bist du ja auch irgendwie auch als Tourist unterwegs. Schaust du dir viel hier an?
Winston: Klar. Also wir schauen uns soviel an, wie es nur geht. Aber bei dieser Tour sind wir viel unterwegs und da ergeben sich leider nicht so viele Möglichkeiten.
GETADDICTED: Ist Parkway Drive eigentlich deine erste Band?
Winston: Nee, meine zweite. Meine erste Band war aber sehr, sehr, sehr schlecht. Nicht der Rede wert.
GETADDICTED: Wie ist die Szene bei euch Down Under?
Winston: Es gibt schon eine aussagekräftige Szene bei uns. Jedoch ist es sehr schwer für eine Band, den Weg zu gehen, den wir gegangen sind. Man kann nicht großartig in Australien spielen. Dafür ist das Land zu riesig und nicht dicht genug besiedelt. Man fährt viel rum und letztendlich gibt es keine zehn Orte, wo man wirklich spielen kann, um auch was zu reißen. Deshalb muss man auf die anderen Kontinente. Man muss wirklich hart arbeiten, um aus Australien herauszukommen. Nichtsdestotrotz hat es den Vorteil, dass Bands aus Australien eine hohe Qualität haben und immer 100% leisten müssen.
GETADDICTED: Wie läuft es denn für euch in den USA? Besser als hier in Europa?
Winston: Es läuft dort nicht schlecht, obwohl Deutschland wirklich super für uns ist. Das sage ich jetzt nicht nur, weil ich jetzt neben dir sitze. Es ist wirklich so, dass das Feedback großartig ist. Die Leute sind super nett und unterstützen einen sehr gut.
In den Staaten ist vieles auch einfach härter, da es dort auch viel zu viele Bands gibt, die um die Gunst der Hörer kämpfen. So wird der Hörer dort auch bombardiert mit Bands. Ob das jetzt so gut ist, bezweifle ich.
GETADDICTED: War es ein Vorteil für euch wieder mit Adam D. von Killswitch Engage zu arbeiten?
Winston: Ja! Er ist ja schon eine richtige Marke. Wenn die Leute auf der Platte sehen, dass er sie produziert hat, weiß man, dass es ein gewisses Niveau hat. Er ist ein großartiger Produzent, von dem wir viel bisher gelernt haben. Er hat uns beim Songwriting geholfen und zeigt uns Dinge, von denen wir bisher nur geträumt haben, sie umzusetzen. Ohne seine Mithilfe würden wir auch nicht hier sein und dieses Niveau fahren.
GETADDICTED: Hattet ihr niemals den Zweifel, dass „Horizons“ ein weiteres „Killing With A Smile“ werden konnte, wenn man erneut mit dem gleichen Produzenten arbeiten?
Winston: Klar. Wir wollten kein zweites „Killing With A Smile“. Haben dann auch selbstverständlich über andere Produzenten nachgedacht, sind aber zur Kenntnis gekommen, dass die damalige Zusammenarbeit einfach genial war. Es stimmte einfach alles. Und da Adam D. einfach ein großartiger Typ ist, haben wir entschlossen, dass wir auch „Horizons“ mit ihm produzieren werden. Wir haben ihm dann auch über unsere Zweifel berichtet und er hatte totales Verständnis dafür. Gerade diese Offenheit hat dazu geführt, dass wieder alles stimmte und die Aufnahmen großartig waren.
GETADDICTED: Getreu dem Motto: Never Change A Winning Team
Winston: Ja, ganz genau. Schließlich ist es auch ein Risiko, wenn man mit jemand neuem Zusammenarbeit.
GETADDICTED: Ihr seid ja jetzt ständig auf Tour. Lebt ihr davon?
Winston: Ja, wir spielen im Jahr fast 200 Shows. Da hat man ehrlich gesagt keine Zeit für einen normalen Job (lacht).
GETADDICTED: Hast du denn eine Wohnung in deinem Heimatort? Lohnt sich das dann überhaupt?
Winston: Ja, ich habe eine Wohnung mit meiner Freundin zusammen. Aber einige von uns leben auch noch bei ihren Eltern, da sie eine eigene Wohnung nicht wirklich lohnt.
GETADDICTED: Die Freundin zuhause… Hat man da nicht Heimweh?
Winston: Ja und wie. Vor allem, wenn man mal alleine ist und nicht die anderen Jungs um sich herum hat. Klar, es macht riesig Spaß auf Tour zu sein. Aber an und ab will man einfach nur nach Hause und sehnt sich nach seiner Freundin und Familie.
GETADDICTED: Da schreibt man doch bestimmt viele Postkarten, oder?
Winston: (lacht). Ja. Meine Freundin mag es, wenn ich ihr Postkarten aus den Städten schicke, in denen wir spielen. Ansonsten hält man die Kommunikation dank des Internets aufrecht.
GETADDICTED: Was sagen deine Eltern über deinen Job in der Band?
Winston: Sie sind stolz. Du musst wissen, dass es bei uns in der Gegend nicht viel Arbeit gibt. Die Region hat die höchste Arbeitslosenquote in Australien. Du kannst kellnern oder als Tellerwäscher jobben und verdienst dabei auch nicht viel. Deshalb sind sie froh drüber, dass es mit der Musik geklappt hat und ich mir dadurch mein Leben finanziere.
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