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VON DER WAKEBOARD-EM BIS ZUM RED LIGHTS DISTRICT
Interview mit Red Lights Flash in Bochum // 26. Oktober 2004
Interview mal anders...Vor ihrem Konzert in Bochum traf ich Christian (voc., git.) und Christoph (git. back-voc.) von Red Lights Flash und konfrontierte sie einfach mit Statements, auf die ich im Zusammenhang mit der Band aus dem österreichischen Graz irgendwo in den weiten Welten des Webs gestoßen bin.
GETADDICTED: Ich sage Euch das Statement. Ihr ratet, wo das herkommen könnte und dürft es dann gerne noch kommentieren.
"We love communication"
Red Lights Flash
Christian: Das sagen wir oft in Interviews, weil’s irgendwie so ist, weil wir uns freuen, wenn uns Leute ein Feedback geben, auch über die Homepage die Möglichkeit nutzen, um uns e-mails zu schreiben und weil es und Spaß macht, weil man so direkt mit den Leuten kommunizieren kann, dadurch neue Leute kennen lernt und direkt einen ungefilterten Eindruck bekommt, wie man auf der Bühne wirkt zum Beispiel.
Christoph: Außerdem ist Kommunikation extrem wichtig, weil wenn Kommunikation richtig funktionieren würde, würde es viel, viel weniger Kriege geben. Ich glaube, das ist auch von unserer Kontaktadresse.
Sie verbinden das, was diese Musik bedeutet, auf inhaltlicher als auch musikalischer Ebene. (CD-Review)
Christian: Das dürfte wahrscheinlich ein Review sein. Des is a guates Lob, weil wir versuchen des! Wir versuchen, dass das immer ein Ganzes ergibt, auch bei der neuen Platte, dass wir versuchen, die Texte mit der Musik abzustimmen und auch mit dem Artwork. Wir machen das alles selber und das lobt uns natürlich, wenn das auch so rüberkommt.
Christoph: Wenn andere sehen, dass das Eins ist, dann freut uns das natürlich.
Wir haben sie wirklich gut gefunden, weil sie eine große Band sind. Also haben wir sie gefragt, ob sie mit uns kommen (Anti-Flag)
Christian I: Keine Ahnung. Es ist jetzt die Frage, wer 'wir' ist.
Christoph: Ist das von der Größe her gemeint, weil wir sind alle 1,91 groß? (lacht, und fährt zweideutig fort) Mmmh, wer wollte uns denn da wohin mitnehmen?
Christian: Oder war damit 'großkotzig' gemeint? (lacht) Keine Ahnung!
GETADDICTED: Das waren Anti-Flag!
Christoph: Oh!
GETADDICTED: Was ist Euch durch den Kopf gegangen, als sie euch auf Tour eingeladen haben und als sie euch für A-F-Records gesignt haben?
Christian: Das war natürlich eine tolle Chance für uns.
Christoph: Das war ein großer Schritt für uns, weil es uns die Möglichkeit eröffnet hat, dass wir in ganz Europa touren können und vielleicht mal nach Amerika fahren können. Das war schon großartig. Mittlerweile hat sich das weiter entwickelt auf eine freundschaftliche Ebene
Christian: Wann haben sie das gesagt?
GETADDICTED: Das war in einem Interview.
Christian: Die Frage war wahrscheinlich: „Warum habt ihr so eine Scheißband gesignt“ (lacht)
Trotzdem sei gerade den Liebhabern ganz harten Kalibers empfohlen, zeitig zu erscheinen, denn die vier Grazer haben ein paar ziemlich üble Bretter in der Hinterhand (Ankündigung zur Wakeboard-EM)
Christian (lacht): Das wird wohl eine Konzertankündigung sein, wo wir als Vorgruppe spielen, und damit die Leute rechtzeitig kommen, damit uns überhaupt einer anschaut. Keine Ahnung, wo das herkommt!
GETADDICTED: Das war die Ankündigung zur Wakeboard-EM. Wie war es, bei so einem Event zu spielen?
Christian: Das war geil, weil das war mal ganz was anderes! Es war cool, weil wir haben da mit einer österreichischen Hip Hop-Band zusammen gespielt, die ziemlich bekannt ist, aber nicht so einen Prolo-Hip Hop macht und coole Texte hat. Das war ein bunt gemischtes Publikum. Es war cool, weil’s direkt an einem See open air war.
Christoph: Wir haben am Vortag in der Schweiz gespielt auf über 2000 Metern und da waren’s zehn Grad, mitten im Sommer, es hat total geregnet und es war hässliches Wetter, und dann sind wir halt nach Österreich gefahren, direkt an den See und da waren’s 30 Grad. Wir sind vorher schwimmen gegangen.
GETADDICTED: Wie haben die Hip Hopper auf euch reagiert?
Christoph: Das war kein Problem!
Christian: Die haben endlich mal gescheite Musik gehört! (lacht) Es war ein sehr gemischtes Publikum. Natürlich war da auch ein kleiner Publikumswechsel, aber viele haben sich alles angeschaut.
Ich wusste gar nicht, dass Österreicher so gute Musik machen können (Forumbeitrag)
Christoph: Also das ist ja mal wieder ein Vorurteil, mit dem wir uns oft rumschlagen müssen...“die Ösis, die Ösis, die Ösis“...
Christian: Ich finde das furchtbar schade, dass Musik immer auf die geographische Herkunft beschränkt wird. Weil es fängt fast jedes Review mit dem Satz an „Dafür, dass sie Österreicher sind...“. Manchmal geht das fast schon in eine rassistische Richtung. Es ist doch – denk ich – so egal, woher wir kommen. Jetzt haben wir ein Interview mit einem großen amerikanischen Fanzine gelesen. Da wird zuerst nur über die Herkunft diskutiert. Erst sagten sie, wir sind aus Australien, dann meinten, es klingt trotzdem schwedisch, obwohl wir nicht aus Schweden sind. Das war alles schon sehr komisch.
Christoph: Aus einer Hinsicht ist es klar, dass viele Leute schreiben, „obwohl sie aus Österreich sind“, weil aus Österreich einfach nicht so viele Bands kommen, obwohl Österreich auch ein gutes Potenzial an guten Bands hat.
Christian: Es ist auf jeden Fall nachvollziehbar, aber es ist auch manchmal nervig, dass immer so auf der Herkunft herumgeritten wird. Und wenn dann mal ne Band aus Amerika spielt, kommen vielleicht etwas mehr Leute, als wenn da eine aus Österreich kommt.
GETADDICTED: Ihr würdet schon sagen, dass es ein Nachteil für eine Band ist, wenn man aus Österreich kommt statt aus Amerika?
Christian: Schon, aber wenn man mal schaut, wie es für Bands aus dem Osten ist, aus Polen etwa, wo wir auch schon getourt haben, die haben’s wirklich schwer – sowohl von der Unterstützung oder auch einfach, wenn man sich einen Verstärker kaufen will. Es ist natürlich manchmal schwer, wenn man aus Österreich kommt, aber wir jammern da nicht rum, sondern machen einfach Musik. Wir sind aus der Welt und nicht aus irgendeinem Land.
Sie spieln mit der band zsamm, mit der sie auch auf tour gehen, aber ich weiß net genau, aber ich geh hin (Forumbeitrag)
Christoph: Hä?
Christian: Das war wohl in irgendeinem Forum, wohl eher kein gedruckter Journalismus (lacht).
Christoph: Also, wenn er hingegangen ist, dann war’s cool! Wenn so einer trotzdem die Show unterstützt, ist das echt cool.
GETADDICTED: Wie war es bis jetzt für euch? Sind auf den Shows eher Leute, die wegen Pipedown da waren oder eher wegen euch? Oder welche, die keine der Bands kennen?
Beide: Ganz unterschiedlich!
Christoph: Wir haben mit unserem alten Album ja auch viel in England getourt, weil das in England sehr bekannt ist. In Deutschland ist es im Moment so, dass Pipedown Headliner sind, weil sie mit Anti-Flag getourt haben und wesentlich mehr Leute in Deutschland Pipedown gesehen haben als uns. In England haben Pipedown dann vor uns gespielt. Und gerade beim letzten Gig in Brighton war’s wirklich extrem gut für uns. Da gibt’s ne gute Szene, da wurden unsere Texte mitgesungen. Österreich war auch sehr gut für uns. Bei unserer Release-Show haben wir 600 Leute gehabt in Graz. Das haben wir nie gedacht!
Mit Red Lights Flash kommt da eine Band aus dem hässlichen Österreich (an dieser Stelle lachen beide schon). Hübscher Melodycore und textlich ganz auf Labellinie, wobei mir der Link zur fragwürdigen Tierrechtsorganisation Peta die ersten Sorgenfalten bereitet (Online Review)
Christian: Das ist ein Review von jemandem, der sich das alles genau angeschaut hat und sich mit uns befasst hat. Mit Österreich vielleicht nicht (lacht), okay, jeder mag seine eigene Meinung über das Land haben. Wir können nix dafür (lacht). Mit dem Peta-Link: Ich weiß, dass das sehr kontrovers diskutiert wird, vor allem mit der neuen Kampagne mit dem Holocaust-Vergleich, wobei ich sagen muss, wenn man etwas verlinkt, was auch von der Grundidee sehr unterstützenswert ist, muss man nicht unbedingt überall in dem Thema gleicher Meinung sein. Und ich glaube, bei einem Review sollte man sich auf die Musik beziehen und nicht auf einen Link auf der Homepage.
Christoph: Das ist die Freiheit für jeden, dass er das interpretiert, wie er will. Aber wenn man den Satz so liest, „aus dem hässlichen Österreich“, und dann wird ein Link irgendwie angenommen, wo man einhaken kann, dann kommt mir das so vor, als wenn der irgendwas gesucht hätte, was er finden will.
GETADDICTED: Wie ist das bei Euch? Der Link ist da ja nicht zufällig.
Christoph: Also was Peta betrifft, wir sind alle Vegetarier und haben das auch immer für sehr wichtig empfunden. Politisch aktiv sind wir nicht direkt, also in keiner politischen Organisationen. Wir beschäftigen uns viel mit Politik. Ich habe Sozialarbeit studiert und viel in der Asylarbeit gearbeitet. Christian hat in seinem Studium sehr viel mit Politik zu tun gehabt. Als das in Österreich war mit dem Regierungswechsel, als die FPÖ zweite Partei geworden ist, sind wir jede Woche auf Demonstrationen gegangen. Und wir versuchen auch so immer wieder, irgendwie politisch aktiv zu sein, soweit uns das möglich ist und das auch in unserer Musik zu verarbeiten. Da ist ja das eine Lied, das wir für unseren Freund, der aus dem Sudan geflüchtet ist, geschrieben haben. Wir haben ihm so eine Plattform gegeben.
Christian: Wir machen in erster Linie Musik. Politik ist eine persönliche Einstellung. Wir wollen nicht Parolen von der Bühne predigen zum Beispiel in Bezug auf Tierrechte. Wir leben einfach unser Leben vor und wollen da vielleicht ein gutes Vorbild sein, anstatt es den Leuten aufzuoktroyieren. Natürlich sind uns die Texte sehr wichtig. Was bringt es, auf Punk-Konzerten über Sachen zu reden, wo sich sowieso jeder schon mit beschäftigt hat.
Die Schweizer Red Lights Flash sind neu auf dem Label, was wohl schon für Qualität bürgt (Veranstaltungsforum)
Christian (lacht laut): Das ist geil! Wir sind jetzt schon Australier, Schweden, Schweizer. Deutsche waren wir auch schon mal. Vielleicht schreiben wir auf unserem nächsten Tourplakat auch mal, dass wir aus irgendeinem anderen Land kommen, oder aus der Welt.
Christoph: Komisch, dass auch in Punk-Fanzines so auf Nationalitäten herum geritten wird. Das ist eine Frage, die man sich mal stellen sollte. Wo kam das mit dem hässlichen Österreich eigentlich genau her? Das würd mich interessieren. Das werde ich dann mal auschecken!
Du suchst Informationen über „red lights flash“? Jedoch wenden wir uns aufgrund unserer besonderen Verantwortung als Tabakhersteller mit unserer Kommunikation ausschließlich an erwachsene Raucher
(Beide lachen laut)
Christoph: Was ist das denn für ein Satz? Lies noch mal vor!
Christian: Du hast auf einer Tabakherstellerseite nach uns gesucht? (lacht)
GETADDICTED: Nein! Ich bin über Google dahin gekommen. Wie steht ihr generell zu Tabakwerbung bzw. Rauchen?
Christian: Also, ich bin der einzige Nichtraucher in der Band. Aber es ist für uns kein Thema, da soll jeder machen, was er will. Für mich ist das manchmal unangenehm, wenn im Bus geraucht wird, aber irgendwie ist das schon eine Freiheitseinschränkung.
GETADDICTED: Für dich oder für die anderen?
Christian: Für die! Ähm, für mich! Also, im Grunde ist es mir egal.
Christoph: Wir versuchen, da aufeinander Rücksicht zu nehmen. Im Bus haben wir das drastisch reduziert. Es ist für uns genau so eine Freiheitseinschränkung, nicht zu rauchen, wie für Christian, wenn wir die Luft verpesten! Und die Sache mit der Tabakwerbung: Das ist doch einfach ein Hickhack mit den verschiedenen Industrien. Die Tabakindustrie ist extrem groß. Vielleicht geht es in Europa in die Richtung wie in Amerika, dass man nirgendwo mehr rauchen darf. Keine Ahnung
Christian: Ich wäre für eine Hanflegalisierung (lacht). Bei allem, was so legalisiert ist, sollte man das auch legalisieren. Wenn irgendwo eine starke Industrie dahinter steht, wird`s legalisiert, und in diesem Fall eben nicht.
Von Huren geliebt, von Hausfrauen gehasst, das Geld in Puffs verprasst
Der Schwanz aus Stahl, der Sack aus Leder, das bin ICH, das weiß doch jeder. (Homepage eines Österreichers, der sich explizit als RLF-Fan ausweist)
Christoph (lacht): Hat das irgendwas mit 'red lights district' zu tun? Oder ist das die Textzeile irgendeiner Band? Ein Gedicht?
Christian: Du hast unseren Namen in eine Suchmaschine eingetippt und irgendwas mit „red lights district“ herausgekriegt! (lacht)
GETADDICTED: Das stand als Begrüßung auf der Homepage eines Fans, der sich explizit zu RLF bekannt hat und auch noch zu anderen Punkrockbands.
(Beide lachen)
Christian: Sehr interessante Lebenseinstellung (lacht).
Christoph: Siehst du, wir sprechen halt sehr verschiedene Arten von Leuten an.
Christian: Im Internet darf einem nix peinlich sein, weil da wird unter verschiedensten Decknamen verschiedenstes verbreitet.
Christoph: Also wenn er mehrere Punkrockbands hört und sich ein bisschen mit unseren Texten auseinander gesetzt hat, vielleicht hat er ein bisschen gelernt.
Christian: Ich hoffe nicht, dass das ein Lernergebnis von unseren Texten war! (lacht)
Najo! Rechtzeitig zu Red Lights Flash warn wir dann wieder drinnen!!! D.h. Nina und jakob ham sich’s den restlichen Abend im Auto gemütlich gemacht!!! *g* (jaja, beschlagene scheiben!!! hehe!) (Konzertbericht auf einer privaten Homepage)
Christoph: Während wir gespielt haben, haben die im Auto...also...Liebe gemacht?? Vielleicht war das schöner für sie!
Christian: Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir irgendwas auf die beschlagenen Scheiben geschrieben!
Christoph: Also bei mir ist das natürlich auch mal stimmungsabhängig, aber wir nehmen eigentlich so viele Konzerte wie möglich mit. Letztens beim Strike Anywhere-Konzert hab ich mal wieder so richtig schön abgetanzt im Pogo, so wie in den Zeiten als ich 17, 18 war.
GETADDICTED: Abschließende Frage: Darf ich das Interview in hochdeutsch schreiben?
Christian: (lacht) Ja klar, wenn du Übersetzungsschwierigkeiten hast, dann schick uns en Satz, den du nicht verstehst, dann helfen wir dir!
- Galerie: Red Lights Flash live im Underground, Köln // 27. Mai 2088
- Galerie: Red Lights Flash live in Graz // 28.05.2007
- Galerien: Red Lights Flash live 2005 und 2006
- Interview mit Red Lights Flash 2004
- Red Lights Flash . Free






