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"ES HAT SICH NIEMALS SO GUT ANGEFÜHLT IN DIESER BAND ZU SPIELEN"
Interview mit den Satanic Surfers im Underground, Köln, 3. Oktober 2005
Mal wieder Köln, mal wieder das Underground. Mal wieder zu spät dran. Man wird erwartet. Sehr schön. Nachdem Treffen mit dem Tourmanager wurde ich dann, wie schon gesagt etwas zu spät, zu den Surfers in den Backstagebereich gebracht, wo es dann auch direkt zur Sache ging.
getaddiced: Hi, Ihr seid ja nicht zum ersten mal in Deutschland. Gibt
es irgendwas spezielles hier, das ihr besonders mögt oder gerade
auch nicht?
Andy: Es ist grossartig hier. Ich weiß nicht genau, wir hatten
bisher immer gute Shows hier und die Leute sind super. Dieser Ort hier
(das Underground) ist einfach eine super Location.
Magnus: Genau, es ist großartig hier.
getaddiced: Das Underground wurde ja in der letzten Zeit etwas umgebaut.
Wusstet ihr schon, was euch erwartet oder war es die erste Show im „neuen“
Underground?
Andy: Nein, wir wussten noch nicht was uns hier erwartet. Das letzte
mal als wir hier waren, war es noch diese kleine, feuchte Höhle.
Frederik: Das fand ich besser.
getaddiced: Da heute „Der Tag der deutschen Einheit“ ist
dachte ich, dass ich euch frage wie und ob ihr diese Zeit mitbekommen
habt. Oder hat euch das nicht interssiert.
Andy: Hm, ich habe zwei Stücke von der Berliner Mauer, zumindest
hat man das behauptet. Aber mehr nicht.
Frederik: Ich war sogar zu der Zeit hier in Deutschland, noch mit der
Schule und habe dadurch etwas mitbekommen. Aber nicht viel.
getaddiced: Ok. Ich habe in eurem Online-Diary gelesen, dass eure
Pre-Tour durch Frankreich und Belgien nicht sehr komfortabel gewesen
sein muss. Ist das immer der Fall oder war das etwas außergewöhnliches?
Andy: Ok, ich muss zugeben, dass ich dazu neige, etwas weinerlich zu
werden, wenn ich unser Tourtagebuch schreibe. Andererseits ist es, denke
ich, nicht zuviel verlangt, ein funktionierendes Bad zu haben. Aber
es ist schon anders, je nachdem wo man hinkommt. In Frankreich z.B.
hatten wir morgens nicht einmal warmes Wasser. Aber ich bin gewillt
einzusehen, dass man an bestimmten Orten einfach nicht alles hat.
getaddiced: Aber warmes Wasser sollte man in Frankreich schon haben.
Magnus: Klar, das denke ich auch. Aber wenn du auf Tour bist, musst
du halt teilweise auf den von zu Hause gewohnten Luxus verzichten. Du
kannst nicht erwarten dass es auf Tour wie zuhause ist, z.B. jeden morgen
eine warme Dusche. Aber wie gesagt, wir neigen dazu morgens etwas weinerlich
zu sein.
Frederik: Das einzige Gute daran war, dass man nach dem Aufstehen duschte
und wach war, wegen des kalten Wassers.
getaddiced: Ich habe noch gelesen dass ihr (mal wieder) versucht eine
U.S.-Tour zu planen. Wie weit seid ihr da?
Magnus: Jaja, das steht in unserer Biographie und das fragt uns jeder.
Faktisch ist es so, dass wir kein Label dazu haben.Wir müssen uns
erst da einig werden und die „Label-Suituation“ klären,
bevor weiteres passieren kann. Wir wollen zwar in die Staaten, aber
bisher ist da noch nichts endgültiges zu zu sagen.
getaddiced: Kommen wir dann zu eurem neuen Album. Wie macht ihr das
mit dem schreiben der Songs? Seid ihr alle dabei oder hat Rodrigo da
schon die Führung?
Frederik: Ich würde sagen jeder von uns trägt seinen Teil
dazu bei. Zumindest einen kleinen. Aber Rodrigo schreibt schon eine
Menge der Songs.
Magnus: Es ist halt so, jemand bringt eine Idee oder ein Song ist fast
fertig, manchmal hab ich einen Teil, den ich den anderen vorspiele und
dann arbeiten wir gemeinsam dran und entwickeln das Ganze weiter. Ich
denke, so ist es bisher am häufigsten gewesen.
getaddiced: Und die Veränderungen eures Sounds von Platte zu
Platte, sind das Entwicklungen die ihr gewollt und beeinflusst habt
oder ist das, wie so oft, einfach passiert?
Frederik: Ich denke, das war alles ziemlich natürlich.
Magnus: Ja genau.
Frederik: Weisst du, wir haben 2 neue Mitglieder in der Band und das
ist einfach wieder sehr aufregend.
Magnus: Es macht einen großen Unterschied, jetzt mit Andy und
Robert. Die beiden bringen sich ins Songwriting ein und machen ihre
eigenen Vorschläge, haben Ideen. Andy z.B. hat einen der Songs
des neuen Albums geschrieben.
Frederik: Ich denke, die beiden tragen auch eine Menge zu der Energie
der Band bei. Es hat sich niemals so gut angefühlt in dieser Band
zu spielen wie zu diesem Zeitpunkt.
Magnus: Ja genau, das ist einfach großartig. Wir hätten zwar
auch ohne sie weitermachen können wie vorher. Hätten weitere
Platten veröffentlicht, aber das wäre dann total anders geworden,
nicht wie es jetzt ist. Und ich denke, in dem Fall wären wir alle
auch nicht so zufrieden mit dem neuen Album wie wir es jetzt sind.
getaddiced: Okay, nun noch eine Frage die bestimmt jeder stellt. Wieso
hat Rodrigo mal wieder seinen Platz an den Drums verlassen?
Magnus: Es war ihm einfach nicht möglich, so Spaß zu haben.
Das war einfach viel zu anstrengend. So schnell die Drums zu spielen
und zu singen. Das ist schon verdammt harte Arbeit und dabei soll es
doch auch Spass machen.
Andy: Ich find auch eine Band sieht einfach besser aus mit einem Frontmann
vorne auf der Bühne.
Frederik: Aber daran haben wir nicht wirklich gedacht als Rodrigo aufgehört
hat zu spielen.
Magnus: Es kommt drauf an wo man spielt, hier im Underground würde
das ganze vielleicht nicht so auffallen. Aber auf Festivals hat das
schon einen großen Vorteil, wenn man jemanden vorne stehen hat,
der singt und mit den Fans interagiert.
getaddiced: Ihr habt ja auch im Internet auf eurer Seite mp3s zum
download angeboten mit dem kleinen Zusatz: „ a treat for those
of you who haven't already downloaded our album“ . Geht ihr davon
aus dass sich die meisten Fans euer Album sowieso über das Internet
illegal besorgen?
Andy: Das ist doch Fakt.
Magnus: Genau, damit muss man halt leben. Es gibt nicht viel was man
daran ändern kann.
getaddiced: Und merkt ihr das bei euren Shows dass ihr z.B. weniger
CDs bei euren Shows verkauft oder ist das unverändert geblieben?
Andy: Ja, die gesamten CD-Verkäufe sind rückläufig wegen
der mp3s und den Tauschbörsen. Aber andererseits ist es auch eine
gute Möglichkeit für Leute, an Musik zu gelangen, die sie
sonst nie kennen lernen würden. Und wenn sie sich damit beschäftigen,
sind die meisten auch gerne bereit, die Künstler durch CD-Käufe
zu unterstützen. Auf diese Art kann man einfach eine Menge Menschen
erreichen.
Frederik: Das einzige, was zu befürchten wäre, ist dass kleine
Labels untergehen, weil Sie keine Chance mehr haben, die Platten ihrer
Bands zu verkaufen. Aber als Band ist das nicht wirklich das Riesenproblem
solange die Leute zu den Shows kommen.
Magnus: Das Problem ist einfach, wenn man z.B. ein Jahr damit verbringt,
an einer Platte zu arbeiten und dann nichts dafür bekommt. Man
investiert eine Menge Zeit und Herzblut in die Sache und muss dann aber
erst ein Jahr auf Tour gehen, um überhaupt einen finanziellen Output
zu haben. Es ist zwar eine gute Möglichkeit für Leute, neue
Musik kennen zu lernen und hoffentlich kommen dadurch mehr Menschen
zu den Shows, aber den Künstlern gegenber ist es oft genug nicht
fair. Eine mögliche Konsequenz für Bands kann dann sein, dass
Sie einfach nicht mehr die Chance haben, die Band zu einem Vollzeit-Job
zu machen. Und so nebenbei einen Job haben müssen und vielleicht
so mehr Jahre brauchen, um ein Album zu produzieren, weil der Band einfach
nicht soviel Zeit geopfert werden kann. Aber man kann halt nicht viel
daran ändern. Noch finde ich es lustig, wenn ich in unserem Gästebuch
lese, dass sich wieder jemand unser Album runtergeladen hat und dann
nach den Lyris fragt. Da gibt es immer einen Typen, der sowas bringt,
aber auch genug, die dann sagen: “Kauf die Platte, unterstützt
die Bands!”
Andy: Schon respektlos, irgendwie.
getaddiced: Bei euren Shows gibt es ja nun einige Songs, die ihr nicht
mehr spielen wollt wie z.B. “Sunshiny Day”, etc.Welcher
von euren Songs ist der, den ihr am wenigstens spielen wollt?
Frederik: Ich denke es ist „Armless Skater“.
Magnus: Ja für mich auch.
Frederik: Aber momentan ist es ein ganz aderes Problem. Die Leute denken,
wir könnten alle Songs spielen. Aber wir haben zwei neue Mitglieder
und haben verdammt viele Songs. Ich mein, nichtmal ich kann mehr als
ca. 60% der Songs einfach so spielen. Das ist eine verdammt große
Menge. Das müssen die Leute vielleicht nicht respektieren, aber
akzeptieren. Außerdem hatten wir dieses Mal auch garnicht wirklich
viel Zeit, um alles, was mir gemacht haben, zu üben.
Magnus: Es ist so, die alten Songs die wir spielen, fast auf jeder Tour,
üben wir nicht wirklich. Wir üben die neuen Songs und wollen
uns auf das neue Album konzentrieren. Weil es auch für uns spannender
ist etwas neues zu proben.
getaddiced: Ok, und im Gegensatz dazu, was ist einer eurer momentanen
Favoriten, die ihr live spielt?
Magnus: Bei mir ist es die Nummer „Rise“ von dem neuen Album.
Frederik: Ich spiel „Restless Anger“ im Moment am liebsten.
getaddiced: Heute Abend tretet ihr dann ja zusammen mit „Break
The Silence“ auf. Wie kam es dazu, dass sie euch als Support hier
unterstützen?
Frederik: Die Sache ist, wir kennen Ihren Gittaristen schon eine ganze
Weile. Er hat schon bei 88 Finger Louie und Rise Against gespielt.
getaddiced: Also habt ihr das selber so geplant?
Frederik: Nicht wirklich, das war schon unser Label.
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