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GROSSES KOPFKINO IN VONLÄNDISCHER ORIGINALVERSION
Sigur Ros berühren im Palladium in Köln // 11.08.2008
Weshalb hört und mag man eigentliche bestimmte Bands? Sie stehen vielleicht für etwas, das du gut findest. Oder sie haben nen unheimlich derben Drummer. Oder sie sind der neueste NME-Hype und du willst beim Zappeln in der Indie-Disse nicht außen vor sein. Oder es greift der einfache, aber ach so entscheidene Grund: Sie berühren dich.
Was Sigur Ros live zelebrieren, ist mehr als berühren. Sie erwischen
dich mit voller Breitseite, packen deinen Körper und schütteln
deine Freude, deine Angst, deine Hoffnungen und deinen Schmerz mit ihrer
unbeschreiblichen Musik einfach heraus.
Den Auftakt zu diesem ganz speziellen Abend im Kölner Palladium bestritt der Isländer Olafur Arnalds, der minimalistischste Beats servierte und das ihn begleitende Streicherquartett in den Vordergrund seines Sets stellte. Ein Klangteppich, der seine Wurzeln zweifelsfrei in der Klassik hat, durchflutete die gut besuchte Konzerthalle und stimmte das bunte gemischte Publikum - Maidenfan meets Emogirl meets Indienerd meets WDR2-Hörer - stilgerecht auf die folgende Ausnahmeband ein.
Selbst in der Umbaupause blieb der Lautstärkepegel auf einem Minimum: Man tuschelte zur Klassikmusik leise über das aus vier riesigen Ballons bestehende Bühnenbild und harrte der Dinge, die da kommen mochten. Das Licht erlosch, die Leute ließen ihrer Vorfreude mit einem Begeisterungssturm freien Lauf und man erblickte schemenhaft Frontmann Jônsi , der vorneüber gebeugt begann, mit einem Cellobogen die Saiten seiner Gitarre zu bearbeiten. Seine klare Stimme in der Sigur Ros'schen Fantasiesprache Vonländisch und der brilliante Sound der Band sorgte von der ersten Minute an für verklärte Blicke und ungläubiges Staunen.
Punkte fur Skurrilität sammelte das vierköpfige Bläserensemble, das - mit weißen Anzügen und Melonen bekleidet an die Clockwork Orange-Droogs erinnernd - bei seinem ersten Einsatz am Ende von ''Glosoli'' von rechts auf die Bühne einmarschierte, um auf der linken Seite direkt auch wieder zu verschwinden.
Selbst in den ruhigen Passagen, blieb es im Publikum mucksmäuschenstill, die enzigen Störgeräusche stammten vom Bierkistenklappern der weit entfernten Theken. Mit einem Wechselspiel aus leise und laut, einer beeindruckenden Lichtshow und der geballten Kraft von bis zu einem Dutzend Musikern auf der Bühne zog das isländische Kollektiv die Zuschauer immer mehr in seinen Bann. Jônsi erinnerte mit seinem Ledermantel an einen Highlander, Bassist Goggi spielte mitunter seinen Viersaiter mit einem Drumstick und der Krone tragende Schlagzeuger wechselte zwischen Schießbude, Klavier und Glockenspiel hin und her.
Mit dem für Sigur Ros-Verhältnisse gerade zu poppig anmutenden
''Gobbeldigook'' endete das Konzert zunächst nach 75 Minuten als
Riesenparty inklusive Konfettiregen, der auf die mittlerweile bunt ausgeleuchtete
Bühne niederprasselte. Die Band wurde mit ohrenbetäubendem
Beifall zurück auf die Bühne geordert und gab mit ''Popplagid''
eine gefeierte Zugabe. Doch auch nach der kollektiven Verabschiedung
im Stile eines Theaterensembles hörte der Applaus minutenlang nicht
auf, so dass die Isländer noch einmal zu dritt zurückkehrten
und mit dem einfühlsamen ''All Alright'' ein Konzert beendeten,
das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Als das Licht anging, sah man vielerorts das Wasser in den Augen stehen.
Setlist:
Svefn-G-Englar
Glosoli
Se Lest
Ny Batteri
Vid Spilum Endalaust
Hoppipolla + Med Blodnasir
Festival
Seaglopur
Inni Mer Syngur Vitleysingur
Hafssol
Gobbeldigook
Popplagid
All Alright
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